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Diabetes und Parodontitis

Parodontitis ist neben Karies die häufigste Erkrankung in der Mundhöhle.
Nach dem 40. Lebensjahr werden die meisten Zähne wegen Parodontitis gezogen.

Die Besonderheit der Zähne: alle Grenzflächen des Körpers sind von einer großen Anzahl von Bakterienstämmen besiedelt, die mit dem Organismus in gesundem Gleichgewicht leben. Gegen ein überhandnehmendes Bakterienwachstum wirkt das Abschilfern der regenerativen Oberflächen der Häute und Schleimhäute.
Die Zähne als Hartgewebe bieten den Bakterien jedoch eine stabile Oberfläche, auf der sich die Kolonien ungestört entwickeln können. Die Ansammlung von bakteriellen Belägen und deren Stoffwechsel sind neben anderen Faktoren die Ursache für die Erkrankungen der Zähne und deren Haltegewebe. In der Mundhöhle werden etwa 800 – 1000 Bakterienarten vermutet, von denen können zirka 50 Säure produzieren, 10 gelten als parodontal pathogen und 2 können an glatten, sauberen Zähnen haften.

Abgrenzung Gingivitis – Parodontitis

Gingivitis: ist eine Zahnfleischentzündung, verursacht durch bakterielle Belege, die 7 Tage oder älter sind. Es werden Toxine, Giftstoffe ausgeschieden, die die Entzündung verursachen. Das Immunsystem errichtet eine dichte Barriere von Abwehrzellen im Zahnfleischsaum und hält so die Bakterien in Schach. Durch die verstärkte Durchblutung kommen die Abwehrzellen an den Ort des Geschehens, aber auch die Blutungsneigung steigt. Es kommt zur Rötung und Erwärmung und durch das Abpressen von Gewebewasser zur Schwellung des Zahnfleisches bzw. zum Ödem. Aus diesen Vorgängen resultiert aber ebenso eine Einschränkung der Funktionen des Zahnfleischs und gelegentlich auch Schmerz-
sensationen.

So haben wir die Kardinalszeichen der Entzündung beisammen, Rötung, Schwellung, Erwärmung, Schmerz und Funktionsstörung.
Die gute Nachricht ist, dass die Gingivitis bei geeigneter Therapie vollständig heilbar ist, da noch kein Gewebeverlust eingetreten ist. Nach Professioneller Zahnreinigung und Mundhygieneinstruktionen für den Patienten, eventuell mit Wiederholungs- und Kontrollsitzungen gehen die Entzündungserscheinungen zurück und es stellt sich der ursprüngliche, gesunde Zustand wieder ein. Nun sollte der Patient in der Lage sein, mit Hilfe von 1 bis 2 Prophylaxesitzungen im Jahr, seinen Gesundheitszustand aufrecht zu erhalten.

Parodontitis 1: Entzündung des Zahnhalteapparates wird verursacht durch bakterielle Noxen, die entzündliche und immunologische Antwort des Wirtes. Die Bakterien sind in der Plaque weitgehend der Wirtsabwehr entzogen und veranlassen die immunkompetenten Zellen, gegen den eigenen Körper vorzugehen. Unter der direkten Wirkung der schädigenden Bakterien und den Enzymen der Abwehrzellen und Knochenfresszellen bricht der Zahnhalteapparat zusammen.

Diabetes wirkt sich auf den Gesamtorganismus aus

Auswirkung des Diabetes: es lassen sich die klassischen Komplikationen schon fast logisch ableiten:

  • Retinopathie
  • Nephropathie,
  • Neuropathie,
  • Cardiopathie,
  • Angiopathie und vielleicht bald als 6. Komplikation etabliert die
  • Parodontitis.

Parodontitis 2: ganz ähnliche Aussagen wie unter der Rubrik –Auswirkungen des Diabetes- lassen sich auch über die Parodontitis treffen. Das heißt, wir haben es mit 2 Erkrankungen zu tun, die sehr ähnliche Auswirkungen haben. Dass diese sich bei gemeinsamem Auftreten auf fatale Art gegenseitig verstärken, sagt schon alleine die logische Überlegung. Es konnte erstmals in einer Interventionsstudie an der Grazer Uni nachgewiesen werden, dass sich die Funktionstüchtigkeit der kleinen und mittleren Blutgefäße durch eine systematische Parodontitistherapie verbessern lässt. Das ist eine gute Nachricht.

Allerdings kommt hinzu, dass die Parodontitis ein eigenständiger Risikofaktor für mehrere Erkrankungen ist, wie z. B. Herz- und Hirninfarkt, Schlaganfall, untergewichtige Frühgeburten, Blutgefäßverkalkungen und chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen ist. So konnten Keime aus parodontalen Taschen in Arealen von Hirninfarkten, in aterosklerotischen Plaques (Gefäßverkalkung), in rheumatischen Gelenken und auf entzündlich geschädigten Herzklappen nachgewiesen werden.

Trotz verbesserter diagnostischer Möglichkeiten muss heute davon ausgegangen werden, dass der überwiegende Teil der an Diabetes und / oder Parodontitis Erkrankten über (zu) lange Zeit unentdeckt bleiben, was zu einer rapiden Verschlechterung der allgemeinen Gesundheit und der lokalen Befunde führt.

Bild zeigt massive Zahnveränderungen durch Parodontitis.

Eine unbehandelte Parodontitis kann sich massiv auf den Zahnhalteapparat auswirken. Foto: © Dr. Piehslinger

3-fach erhöhtes Risiko für Diabetiker

Die Wahrscheinlichkeit für einen Diabetiker an einer Parodontitis zu erkranken ist um das Dreifache erhöht. Bei einem schlecht eingestellten Diabetiker verläuft eine Parodontitis rascher und härter, der Knochenverlust tritt 20- 30 Jahre früher auf als bei der Restbevölkerung. Vor allem schlecht eingestellte Diabetiker leiden an therapierefraktären, rasch und hart verlaufenden Parodontitiden, die wiederum die Einstellung der Zuckerkrankheit wesentlich erschweren.

Der Langzeitwert der Zuckereinstellung (HbA1c) sollte jedenfalls unter 7 liegen, eher noch nahe 6.6, um die allgemeinen Auswirkungen dieser Krankheit möglichst gering zu halten. Auf der zahnärztlichen Seite steht die Forderung, möglichst keine Parodontitis zu übersehen und diese dann einer konsequenten, systematischen Therapie und stringenten Betreuung zu zuführen.

Foto: © Privat

Dr. Georg Piehslinger
Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, alle Kassen
1010 Wien, Bösendorferstraße 4/15

Telefon: +43 (0)1 / 505 60 12

E-Mail: zahnarzt@piehslinger.at
Web: Externer Linkwww.piehslinger.at




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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 28.12.2016 - 18:18 Uhr

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