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Regierung will Diabetesleben erleichtern!

Kürzlich wurden zwei Verträge zwischen Bund und Ländern formuliert mit dem Ziel, die Arbeit der Ärzte zu Gunsten der Patienten zu regeln und damit zu verbessern. Wie dies gelingen wird, bleibt abzuwarten, eifrige Bemühungen erfolgen gerade.

Ein Kritikpunkt, den wir als Vertreter der Diabetiker formulieren, scheint mir wesentlich: Schulung sollte jeden Betroffenen erreichen und es muss gelingen, damit wesentliche Verbesserungen durchzusetzen. Die Betroffenen müssen lernen, was und wie sie selber zu einem guten Leben beitragen können, sie müssen dies verstehen, die Gedanken und Schlussfolgerungen akzeptieren und diese auch im Laufe ihres Lebens verbessern und anpassen. Es ist unmöglich, keine Schritte selber zu versuchen, wenn uns gesagt wird, dass ohne persönliche Bemühungen, also ohne Schulung und Anpassung unseres Lebens an die für Diabetes zwingenden Notwendigkeiten, wir entweder 5 Lebensjahre verlieren (= früher sterben) oder enorme Schwierigkeiten in diesen letzten Jahren haben werden (Augen, Füße, Niere, etc.).

Um dies bei vielen Patienten zu erreichen, ist schwere Arbeit bei Beratung, Schulung, Führung notwendig. Dies fehlt zur Zeit, durch die Stolpersteine, die wir laufend kritisieren, aber auch durch Nichtbezahlung der notwendigen ärztlichen und beratenden Arbeit.

Wie können nun die neuen Verträge hier helfen, Verbesserungen erreichen, rund 2 Millionen Lebensjahre erhalten, oder zumindest lebenswert gestalten? (Von 800.000 Betroffenen ist die Hälfte ungeschult, also 400.000 × 5 Lebensjahre bedeutet 2 Millionen Jahre, gestorben oder schwer [= sehr teuer] leidend).

Die Vereinbarung Zielsteuerung Gesundheit legt Versorgungsziele fest. In meinen Augen das wichtigste Versorgungsziel für uns muss sein, jeden Betroffenen ausreichend zu schulen, seine Therapie akzeptabel und durchführbar zu machen und bei Bedarf, z.B. bei Nichtverstehen, bei Therapieanpassungen, zum genaueren Durchführen immer wieder Gespräche anzubieten. Da ein Arzt die Therapievarianten entsprechend der Datenlage des Patienten festlegt, obliegt diese Arbeit den Diabetesberaterinnen, welche Vorschläge zur Anpassung der Therapie mit dem Arzt festlegen müssen. Zur Zeit sind dafür jedoch die Versorgungsstrukturen nur innerhalb von Ambulanzen, Ambulatorien, Rehabzentren gegeben, im niedergelassenen Bereich, besonders bei einzeln arbeitenden Hausarztpraxen, wegen nicht vorhandenen Finanzierungen nicht durchzusetzen. Schulungen werden bezahlt, aber niemand zahlt dem Arzt das genaue Eingehen auf die sozialen Patientenprobleme, auf die Zeit, welche in die Anpassung der Therapie investiert werden muss.

In den Verträgen wird auch Finanzzielsteuerung vereinbart. Die Ergebnisse wären sicher viel schöner als heute, wenn es gelingt, die teuren letzten Jahre im
Diabetesleben zum Beispiel zu halbieren, auch die frühen Todesfälle zu vermeiden, und die angesprochenen 2 Millionen Jahre auf eine Million zu reduzieren.

Im Vertrag hat man sich auf schöne, für uns sehr hilfreiche Begriffe geeinigt.
Einer davon ist – Best point of service: “Die kurative Versorgung ist jeweils zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort mit optimaler medizinischer und pflegerischer Qualität gesamtwirtschaftlich möglichst kostengünstig zu erbringen.”

Diese Festlegung erleichtert unser Leben und wir Betroffenen sollten von den Politikern verlangen, dass sie vertragstreu werden und uns eine solche Versorgung auch wirklich anbieten.

Finanzierungs- und Honorierungssysteme sind stärker am Versorgungsbedarf auszurichten und so zu gestalten, dass die Ziele der Zielsteuerung-Gesundheit (insbesondere Versorgung am „Best Point of Service“) und die Anforderungen an die Versorgungsformen unterstützt werden.

In den beiden Verträgen werden Steuerungsbereiche festgelegt. Im Steuerungsbereich Versorgungsstrukturen wird die Entlastung des vollstationären Bereiches durch Verlagerung in Richtung “…niedergelassenem Bereich festgelegt.” Als zweiter Punkt wird vereinbart die “Umsetzung neuer multiprofessioneller … Versorgungsformen in der ambulanten Fachversorgung …”

Weiters wird gefordert die “Entwicklung und Festlegung von bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards für priorisierte Bereiche, wobei die Sicherstellung einer integrierten Versorgung von chronischen Erkrankungen ein wesentlicher Schwerpunkt ist.”

Auch ist zu lesen über “Forcierung der ärztlichen Pflege bzw. der Gesundheitsversorgung von Menschen in Pflegeeinrichtungen und in häuslicher Pflege vor Ort in Abstimmung zwischen Gesundheits- und Sozialbereich.”

In den Strukturplänen Gesundheit wird zur Schaffung von Primärversorgungseinheiten aufgefordert, welche in einem Standort als Gruppenpraxis oder Ambulatorium zu errichten sind oder als Netzwerk, verteilt über mehrere Orte. Es steht dort: “Wird eine Primärversorgungseinheit als Netzwerk geführt, so kann diese nur aus freiberuflich tätigen Ärztinnen und Ärzten, anderen nichttätigen Angehörigen von Gesundheits- und Sozialberufen oder deren Trägerorganisationen gebildet werden.”
Anforderungen dafür: wohnortnahe und verkehrsmässig günstig.

Zur Verdeutlichung stelle ich mir ein Netzwerk vor, bestehend aus 6 Hausärzten, Kontaktmöglichkeiten zu mehreren Fachärzten, mindestens zwei diplomierten Gesundheitskräften für die nötigen Hausbesuche, eine oder zwei Kräfte mit dem Fach Wundmanagement, eine Krankenschwester mit dem Diplom Diabetesberatung und den notwendigen Möglichkeiten, Dauerbetreuung einzurichten. Zusammenfassend sollte eine tüchtige Bürokraft die Organisation, die Abläufe, die Termine regulieren. Alles muss auf selbständiger Basis erfolgen, dass bedeutet, dass Verträge zwischen Krankenkassen und allen Beteiligten vorhanden sind, diese ihrerseits Steuern und Sozialabgaben selber bezahlen.

Soweit mein Traum. In den Verträgen zwischen Bund und Ländern sollen auch Strafbestimmungen festgelegt werden, wenn die Ziele nicht erreicht werden. Darauf können wir in einigen Monaten genauer eingehen.

Foto: © WA Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 27.02.2017 - 14:04 Uhr

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