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Das Übel mit dem Schmerz. Teil 3 - Nichtmedikamentöse Schmerztherapie.

Menschen die an chronischen Schmerzen leiden haben eine enorme Einschränkung in ihrer Lebensqualität. Auch wenn die folgenden Möglichkeiten keine absolute Schmerzfreiheit gewährleisten mögen, können sie dennoch zu einer Erleichterung der Schmerzen führen und damit einen Beitrag zur Verbesserung des täglichen Alltags leisten.

Werden Menschen mit chronischen Schmerzen behandelt, ist es wichtig, von Anfang an realistische Ziele von unrealistischen Erwartungen zu trennen. Es geht neben der Reduktion der schmerzbedingten Beeinträchtigungen auch darum, die Lebensqualität Betroffener zu verbessern. Es sollten dabei von Anfang an die medikamentöse Therapie, eine psychologische Behandlung, Physiotherapie und/oder andere Interventionen kombiniert und aufeinander abgestimmt werden [1].

Um einen Einblick in mögliche Maßnahmen zu erhalten, widmet sich der dritte Teil dieser Serie einem kleinen Auszug der nichtmedikamentösen Schmerztherapie.

Akupressur

Das Wort Akupressur setzt sich aus den lateinischen Begriffen acus = Spitze, Nadel, Punkt und pressum = gedrückt zusammen, was nichts anderes als Punktdrücken meint [2]. Akupressur ist eine Druckmassage. Mithilfe der Finger und Hände werden bestimmte Akupressurpunkte massiert. Die Shiatsumassage zählt hierbei zu den bekanntesten Formen [3].
Erste Zeugnisse der Akupressur und auch der im Folgenden beschriebenen Akupunktur gehen circa 5000 Jahre zurück und sind durch archäologische Funde dokumentiert. Der sagenumworbene „Gelbe Kaiser“ war es, er lebte mehr als 2500 Jahre vor unserer Zeitrechnung, der das Wissen um die Wirkungen der Energien im menschlichen Körper in ein System brachte [2]. Bei der Akupressur werden körpereigene Energien per Fingerdruck beeinflusst. Im wirklichen Sinn ist sie eine „Be-Hand-lungsmethode“, die für interessierte Personen realisierbar ist. Sie lässt sich, auch ohne alle Energieleitbahnen und Punktarten zu kennen, bei Kindern und Erwachsenen bei zahlreichen Beschwerden mit klarer Anleitung einsetzen [2]. Akupunktur kann zur Linderung von Schmerzen des Muskel-Skelett-Systems oder des Nervensystems führen. Als Selbsthilfe kann sie z. B. bei Migräne angewendet werden [3].

Akupunktur

Akupunktur beinhaltet den Begriff punctum = stechen, somit bedeutet Akupunktur Punkt- oder Nadelstechen [2].Die Technik der Akupunktur beinhaltet das Platzieren feiner, fester Nadeln in die Haut an Akupunkturpunkten entlang von Energiebahnen, die als Meridiane bezeichnet und in der chinesischen Medizin beschrieben werden [4]. Hauptsächlich werden die 12 Hauptmeridiane mit ihren mehreren hundert Punkten benutzt. Die Reizung der Meridiane über die Akupunkturpunkte regt die Selbstregulation an und hebt die gestörte Funktion auf, somit wird eine Harmonisierung des Energieflusses erreicht [3].

Viele Betroffene haben das Gefühl, dass ihre Schmerzen durch Akupunktur für kurze Zeit abnehmen, dazu müssen sie sich aber regelmäßig behandeln lassen. Ein typischer Therapiezyklus besteht aus wöchentlichen Behandlungen, die sich über sechs bis zehn Wochen erstrecken. Oftmals sind aber noch weitere Sitzungen erforderlich. Sie ist leider, wie so viele andere Therapien, bei chronischen Schmerzen nicht die alleinige Antwort [5].
Akupunktur sollte immer von geschulten Personen durchgeführt werden, da Nebenwirkungen wie z. B. Infektionen oder Pneumothorax (Eindringen von Luft in den Pleuraraum, dem Spalt zwischen Lunge und Brustwand) miteinhergehen könnten [4].

Reflexiologie

Die Reflexiologie ist wie die Akupunktur ein altes Verfahren. Grundannahme der Therapie ist, dass jeder Teil des Körpers am Fuß oder an der Hand Reflexpunkte hat. Therapeuten verwenden ihre Finger und Hände, um einfachen und sicheren Druck auszuüben. Findet sich ein schmerzhafter Punkt, konzentriert sich der Therapeut darauf, durch Druck in besonderer Weise, den Reflex entweder anzuregen oder zu beruhigen. Behauptet wird, dass die Behandlung durch eine Normalisierung einer Organfunktion Schmerzlinderung bringen könne. Besonders nützlich soll diese Therapie bei Dysmenorrhoe, Obstipation, Reizdarmsyndrom, Harnverhalten und prämenstruellem Syndrom sein [4].

Wärmebehandlung

Ein bewusstes Gefühl von Wärme neigt zur Unterdrückung der Schmerzwahrnehmung und hilft, die geistige und körperliche Entspannung zu fördern. Das Anheben der Temperatur von geschädigtem Gewebe kann den Stoffwechsel beschleunigen, aufgrund der Vasodilatation die Durchblutung erhöhen, Ödeme verringern und dadurch die Regeneration beschleunigen. Ein warmes Bad vor einer Tätigkeit kann die Viskosität von Synovialflüssigkeit (Gelenksschmiere) senken, was z. B. bei einer Arthritis die schmerzhafte Steifigkeit verringern kann. Wärme soll nie unmittelbar nach einer Gewebsschädigung angewendet werden, weil es zu einer Verstärkung der Schwellung kommen kann [4].

Kältebehandlung

Die Kältetherapie wird schon seit Jahrhunderten angewendet, sie wirkt schmerzlindernd, indem sie Ödeme verringert und die Sensibilität gegenüber Schmerzen senkt. Anwendung findet sie bei Traumen, Blutungen, Schwellungen und Prellungen. Sie sollte 5 – 10 Minuten, besser 10 – 20 Minuten dauern [6]. Kältebehandlungen von Schmerzen können in Form von eingepacktem, zerstoßenem Eis oder in Form von handelsüblichen, gelgefüllten, im Kühlschrank gelagerten Kältepacks durchgeführt werden [4].

Kältepacks und ähnliches sollen nie direkt auf der Haut platziert werden, sondern immer vor ihrer Anwendung z. B. in ein weiches Tuch gewickelt, oder in einen Kissenbezug gesteckt werden.

Aromatherapie

Aromatherapie ist die Anwendung ätherischer, aus Pflanzen destillierter Öle. Abgesehen von den jeweils wundervollen Düften, werden ihnen therapeutische Eigenschaften nachgesagt, welche auf das limbische System wirken, um Spannungen und Stress abzubauen. Ätherische Öle können zur Schlafförderung (z. B. Lavendel) eingesetzt werden. Ebenso können sie zur Schmerzlinderung (Nelkenöl in der Zahnmedizin) eingesetzt werden. Einige Öle, wie z. B. das Teebaumöl, haben eine antibakterielle Wirkung. Die Öle können in die Haut einmassiert oder auf ein Taschentuch bzw. ein Kissen getropft werden, oder als Raumspray verwendet werden. Und sie können auch in speziellen Brennern verdampft werden, in Kompressen oder als Badewasserzusatz Verwendung finden [4].

Physikalische Techniken des Schmerzmanagements

Physiotherapeuten wenden bei Schmerzproblemen unterschiedliche Techniken an [5]. Einige der Techniken sollen die Schmerzwahrnehmung reduzieren, weil sie Entspannung und Wohlbefinden vertiefen bzw. steigern. Zusätzlich sind viele Therapeuten in der Lage, mehr Zeit mit Betroffenen zu verbringen, auch diese persönliche Interaktion kann von Nutzen sein [4]. Unterschieden wird in der Physiotherapie zwischen der aktiven und der passiven Therapie.

Beim passiven Verfahren führt der Physiotherapeut eine Therapie bei Betroffenen durch, wie z. B. Manipulation, Massage, Diathermie, Interferenzstromtherapie, Ultraschall, Wärme- und Kältepackungen. Die angeführten Techniken sind bei akuten Schmerzen sinnvoll, allerdings wirken diese bei chronischen Schmerzen nicht. Eine Linderung ist meist von kurzer Dauer. Bei passiven Therapien besteht die Möglichkeit, dass die Behinderung weiter zunimmt, während darauf gewartet wird, dass sie hilft. Gefahr besteht auch darin, dass die ganze Aufmerksamkeit auf die Schmerzen und ihre Linderung gerichtet wird, anstatt zu überlegen, was die Betroffenen selbst für sich tun können. Langfristig zählt nur das, was jeder einzelne für sich selbst macht.
Anders ist hingegen die aktive Physiotherapie. Dabei wird versucht, den Körper der Betroffenen wieder beweglicher zu machen, Muskelkraft und Fitness aufzubauen. Steifigkeit und motorische Schwäche stellen im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen ein häufiges Problem dar. Durch aktive Physiotherapie bringen Betroffene ihren Körper wieder in Gang, es wird angestrebt, die Gelenke wieder beweglicher zu machen und Muskeln aufzubauen. Befinden sich Betroffene in einem schlechten Allgemeinzustand, müssen die Übungen langsam und vorsichtig aufgebaut werden [5].

Massage

Bei akuten Schmerzen hat sich Massage
als sehr nützlich bewiesen, demnach vielleicht auch bei Menschen mit chronischen Schmerzen. Es wird davon ausgegangen, dass die Schmerzlinderung auf vielfältigen Wegen bewirkt wird. Die Stimulation der Haut regt die Durchblutung an, was dazu beiträgt, Schwellungen zu verringern und die Heilung zu fördern.
Bei akuten Verletzungen stellen viele Sportler fest, dass ihre Muskulatur und das geschädigte Gewebe rasch auf eine mäßig tiefe Massage anspricht und sie dadurch wieder schneller auf das Spielfeld zurückkehren können [4].

Chiropraktik

Chiropraktik ist eine populäre Form der Behandlung chronischer Schmerzen. Sie wird von Chiropraktikern, Osteopathen und Physiotherapeuten durchgeführt.
Behandelt wird eine Reihe muskoloskelettaler Störungen. Das wesentliche Merkmal dieser Therapie ist eine am Endpunkt eines normalen passiven Bewegungsumfangs, rasch oder langsam ausgeführte Bewegung, um den Bewegungsumfang im Gelenk zu erweitern [4].

Transkutane elektrische Nervenstimulation

Bei Geräten zur transkutanen elektrischen Nervenstimulation, kurz TENS-Geräte genannt, wird davon ausgegangen, dass sie die sensiblen Nervenendigungen stimulieren, indem sie einen kurz dauernden elektrischen Strom durch die Haut schicken. Dabei entsteht ein kribbelndes Gefühl, dass allerdings nicht unangenehm sein sollte [4]. Die batteriebetrieben TENS-Geräte geben über auf der Haut platzierten Elektroden schwache elektrische Impulse an die Haut ab. Die elektrischen Impulse stimulieren die Nerven [5]. TENS-Geräte sind einfach in der Handhabung und sind sehr gut für ambulante Behandlungen geeignet [3].
Einige Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass die transkutane elektrische Nervenstimulation die Freisetzung von Endorphinen im Rückenmark und im Gehirn stimulieren kann [4].
TENS-Geräte helfen nicht bei allen Schmerzproblemen, sie sind aber einen Versuch wert. Betroffene sollten sich von einer geschulten Person zeigen lassen, wie das Gerät benutzt wird. Die meisten Menschen mit chronischen Schmerzen stellten fest, das TENS-Geräte anfangs helfen, mit der Zeit aber an Wirksamkeit verlieren. TENS-Geräte bringen leider keine Heilung [5]. Die transkutane elektrische Nervenstimulation kann bei neurogenen Schmerzen, Phantomschmerzen, Schmerzen im Bewegungsapparat und bei Karzinomschmerzen eingesetzt werden [3]. Sie sind sehr beliebt, weil sie keine Nebenwirkungen haben [4].

Ärztlicher Abklärung bedarf es allerdings bei Menschen mit Herzschrittmachern, Herzrhythmusstörungen, einer bestehenden Schwangerschaft sowie bei vorhandenen Metallimplantaten [3]. TENS-Geräte sind relativ günstig und können im Sanitätsfachhandel auch gemietet werden.

Körperliche Betätigung

Bei Betroffenen, die an chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen leiden, sollte ein Plan zur strukturierten körperlichen Betätigung erstellt werden und in die Strategie der Schmerzkontrolle integriert werden [4]. Möglicherweise könnte sich körperliche Betätigung bei den Betroffenen zunächst als schwierig erweisen, allerdings wird davon ausgegangen, dass sie aus den folgenden Gründen von Vorteil ist. Bewegung erhöht nämlich die Mobilität, sie ermöglicht soziale Kontakte, verringert Überanstrengung der Muskulatur und schwächt Muskelspastik ab. Außerdem regt sie die natürliche Endorphinproduktion an, ruft Reize hervor, welche mit Schmerz konkurrieren und setzt dadurch die Schmerzwahrnehmung
herunter. Bewegung verringert Erschöpfung durch Stärkung der Kraft, erhält die kardiovaskuläre Fitness und setzt die Demineralisierung des Knochen herab [4].

Gesellschaftliche Anlässe

Menschen, die an chronischen nicht malignen Schmerzen leiden, werden aufgrund der ständigen Schmerzen häufig einsam und deprimiert. Ein Teufelskreis aus Schmerz, Isolation und Depression führt dazu, dass sie sich weiter zurückziehen und an sozialen Aktivitäten, die ihnen zuvor Freude bereiteten, oft nicht mehr teilnehmen. Deshalb ist es wichtig, ihnen wieder
die Teilnahme an sozialen Interaktionen zu erleichtern. Eine Begegnung mit Freunden kann helfen, sie von den Schmerzen abzulenken und ihre Selbstachtung wieder zu erhöhen.
Wenn Medikamente und ärztliche Interventionen zu keiner Schmerzlinderung führen, ist es ein realistisches Ziel, Betroffene bei der Rückkehr zu einer möglichst normalen Lebensweise zu unterstützen [4].

Nichtmedikamentöse Maßnahmen müssen auf Basis des Erfahrungswissens der durchführenden Fachpersonen sowie der Grunderkrankung und der Vorlieben und Abneigungen der Betroffenen ausgewählt werden. Die Angebote werden mit dem jeweiligen Betroffenen entsprechend der Erkrankung und den Begleiterkrankungen ausgewählt. Die Anwendung selbst kann durch Fachpersonen, den Betroffenen selbst bzw. seinen Angehörigen oder Bezugspersonen durchgeführt werden, was im Vorfeld einer qualifizierten Beratung und Anleitung bedarf [6].



Foto: © Privat

Romana Eva Jurkowitsch, BSc

Gesundheits- und Pflegeexpertin, Pflegepädagogin, DGKS

Praxis für Gesundheits- und Pfl egeberatung u. Versorgung chronischer Wunden:

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E-Mail: romana.jurkowitsch@gmx.at
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Literaturverzeichnis

1 C. Hausmann, Psychologie und Kommunikation für Pflegeberufe, 2. Auflage, Wien: Facultas Verlags- und Buchahandels AG, 2009.
2 F. Wagner, Akkupressur. Heilung auf den Punkt gebracht., München: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, 2012.
3 E. Eißing, „Pflegerische Interventionen im Zusammenhang mit Schmerzen und Notfällen,“ in Pflegerische Interventionen. Verstehen & Pflegen 3., 2012, Georg Thieme Verlag KG, 2012, pp. 620-688.
4 E. C. J. Carr und E. M. Mann, Schmerz und Schmerzmanagement. Praxishandbuch für Pflegeberufe., 3 Auflage, Bern: Hans Huber, 2014.
5 M. Nicholas, A. Molloy, L. Tonkin und L. Beeston, Den Schmerz in den Griff bekommen. Die Strategie des aktiven Umgangs mit chronischen Schmerzen., 2. Auflage, Bern: Hans Huber, 2014.
6 N. Nestler und J. Osterbrink, „Schmerztherapie,“ in Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, 3. Auflage, Bern, Hans Huber, 2015, pp. 357-376.

Lesen Sie hier den 1. Teil zum Thema Schmerzen.




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