Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

Das Übel mit dem Schmerz. Teil 4 - Nichtmedikamentöse Schmerztherapie.

In der nichtmedikamentösen Schmerztherapie gibt es auch psychologische Verfahren. Einige davon möchte ich Ihnen im vierten und letzten Teil dieser Serie vorstellen.

Beim Entstehen und Aufrechterhalten körperlicher Schmerzen sind kognitive (erkenntnismäßige) und affektive (gefühlsmäßige) Faktoren beteiligt.
Chronische Schmerzen wirken sich auf das gesamte Allgemeinbefinden der Betroffenen aus [1].

Schmerzen werden von Betroffenen häufig als bedrohlich erlebt, vor allem dann, wenn man nichts dagegen unternehmen bzw. sie in irgendeiner Weise kontrollieren kann. Es entstehen Gefühle der Hilflosigkeit und des Versagens einhergehend mit Schonverhalten und sozialem Rückzug. Der Selbstwert und die Lebensfreude sinken, der Schmerz wird immer mehr zum Mittelpunkt des Lebens [2]. Außerdem kommt noch hinzu, dass viele Betroffene schon einige, meist erfolglose somatische
(körperliche) Therapien hinter sich haben, begleitet von Episoden zwischen Hoffnung und Enttäuschung vielversprechender Verbesserung ihres Befindens und ihrer Lebensqualität. Aufgrund dessen ist das Vertrauen in ärztliche Therapien gesunken und gewachsen ist die Hilflosigkeit. Darüber hinaus besteht nicht selten die Angst für einen Simulanten gehalten zu werden, insbesondere dann, wenn psychotherapeutische Verfahren zur Reduktion der Schmerzen empfohlen werden [1].

Dabei stellen diese Maßnahmen in der Schmerztherapie eine große Bereicherung dar. Gesundheitsförderliche Verhaltensänderungen oder Entspannungsübungen können unter fachlicher Anleitung und Begleitung chronische Schmerzen reduzieren und damit Ihre Lebensqualität erhöhen.

Psychologische Therapien können alleine oder auch gemeinsam mit anderen Verfahren angewendet werden, sie liegen im Aufgabenbereich dafür speziell ausgebildeter Therapeuten [1].

Kognitive Verhaltenstherapie

Kognitive Therapie soll dabei helfen, Möglichkeiten zu erarbeiten, um besser mit Schmerzen und anderen Problemen, wie z. B. Depression oder Stress fertig zu werden. Menschen reagieren unterschiedlich auf Schmerz. Manchmal können sie Reaktionen auf den Teil des Problems sein und den Umgang damit schwieriger machen. Sind Betroffene wegen ihrer Schmerzen oft ungehalten und schlecht gelaunt, müssen sie nicht nur mit den Schmerzen, sondern auch mit der schlechten Laune umgehen [3].

Verhalten kann erlernt und somit auch verlernt werden!

Das verhaltenstherapeutische Verfahren basiert auf den Erkenntnissen der Lernpsychologie, die davon ausgeht, dass jedes menschliche Verhalten erlernt und somit auch wieder verlernt werden kann, auch das Schmerzverhalten [1]. Kognitive Therapie kann bei der Lösung von Problemen unterstützend wirken. Es wird untersucht, was Betroffene denken und auf welche Weise Gedanken ihre Gefühle beeinflussen. Wenn ihre Denkweise nicht hilfreich ist, kann kognitive Therapie dabei helfen, eine andere Einstellung zu den Problemen zu entwickeln. Dies täglich zu schaffen und es richtig zu beherrschen, dauert natürlich seine Zeit. Mit etwas Übung kann dieser Weg zu einer besseren Problembewältigung bald zur Gewohnheit werden. Dabei sagt die Verhaltenstherapie Betroffenen nicht, auf welche Ziele sie hinarbeiten sollen, sondern hilft herauszufinden, wie Betroffene ihre Ziele erreichen können.

Verhaltensänderung soll dabei helfen, die Art, wie Betroffene etwas tun, also ihr Verhalten, zu ändern. Das kann ihre Stimmung verändern und ihre Denkweise positiv beeinflussen. Außerdem kann Verhaltenstherapie dabei helfen, dass Betroffene neue Fertigkeiten und Vorgehensweisen erlernen. In der Verhaltenstherapie geht es grundsätzlich darum, dass der Betroffene genau formuliert, was er erreichen möchte (welche Aktivität er ausüben möchte) und darum, eine realistische Möglichkeit zu erarbeiten, wie die Ziele erreicht werden können. Im Weiteren geht es darum, herauszufinden, was dem entgegensteht und wie es überwunden werden könnte. Es wird versucht, dass Betroffene ihren Plan in die Tat umsetzen und sich bei jedem Versuch belohnen oder bestärken. Das wird so lange geübt, bis das Ziel zuverlässig erreicht werden kann [3].

Entspannung

Entspannung oder Relaxation hat große Ähnlichkeit mit Hypnose. Entspannungsübungen helfen sich zu beruhigen, besser mit Schmerzen fertig zu werden und besser einzuschlafen. Die Übungen können von einem geschulten Therapeuten erlernt werden, es gibt aber auch Audio-CD’s [3]. Empfehlenswert ist es allerdings die Übungen vom geschulten Therapeuten zu erlernen.

Entspannungstechniken wirken sich beruhigend auf das Nervensystem aus und lösen Muskelverspannungen, zielen somit auf eine Veränderung der Schmerzintensität ab [1]. Sie können Betroffene von ihren Schmerzen ablenken, diesen teilweise oder ganz ausblenden [4] und enthalten ein großes Spektrum an Möglichkeiten.

Progressive Relaxation oder Muskelentspannung sind leicht zu erlernen und auch wirkungsvoll. An den Füßen beginnend und fortschreitend nach oben, werden Muskelgruppen auserwählt und einige Sekunden lang gezielt angespannt, um danach wieder entspannt zu werden [5]. Bekannte Entspannungstechniken sind z. B. die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, das autogene Training, die tiefe Atementspannung, Musik hören oder selbst musizieren [4]. Entspannung hängt letzten Endes davon ab, wie viel der Betroffene übt. Entspannung oder Relaxation ist eine Fertigkeit wie Tennisspielen oder Singen [3]. Werden Entspannungstechniken unsachgemäß angewendet, kann es auch zu einer Symptomverschlechterung kommen, deshalb dürfen sie nur von erfahrenen, qualifizierten Therapeuten durchgeführt werden [1].

Hypnose

Hypnose funktioniert wie Entspannung, allerdings wird sie vom Therapeuten durchgeführt. Dieser spricht auf ruhige Art und Weise zu dem Betroffenen. Das kann dazu führen, dass der Betroffene ruhiger und entspannter wird, als es ihm alleine gelingen würde. Der Betroffene bleibt wach und ist sich dessen, was rund herum im Raum geschieht bewusst, jedoch fühlt er sich durch Geräusche, wie z. B. das Klingeln eines Telefons, weniger als sonst belästigt. Hat sich der Betroffene entspannt, macht der Therapeut oder der Hypnotiseur unterschiedliche Vorschläge, die dem Betroffenen helfen können, sich gedanklich von den Schmerzen zu lösen oder sogar Einfluss darauf zu nehmen, wie sich die Schmerzen anfühlen.
Hypnose kann zwar angenehm sein, sie bringt aber keine Heilung. Sie wirkt, so wie viele Therapien, nur kurze Zeit (eine, höchstens zwei Stunden) und ist daher bei chronischen Schmerzen nicht allzu sehr hilfreich [3].

Geleitete Imagination

Imaginative Techniken zielen darauf ab, eine Ablenkung vom Schmerz herbeizuführen. Der Betroffene soll sich eine angenehme Situation oder Bilder vorstellen, die ihn vom Schmerz ablenken [4]. Geleitete Imagination ist häufig Teil des Biofeedbacks oder der Entspannungstherapie. Es beinhaltet ein mentales Bild mit Realitätswert oder einer Phantasie, an der für gewöhnlich alle fünf Sinne beteiligt sind. Geleitete Imagination ist eine relativ einfache Technik. Sie kann zur Behandlung chronischer Schmerzen oder zur Ablenkung bei kurzen, schmerzhaften Eingriffen hilfreich sein. Bei akuten Schmerzen sollte sie aber kein Ersatz für Analgetika (Schmerzmittel) sein, sondern ergänzend eingesetzt werden. Die Durchführung sollte ohne Unterbrechung sein und in einer warmen Umgebung stattfinden. Die Wahl des zu erforschendem Themas wird zwischen dem Betroffenen und der durchführenden Fachperson abgestimmt. Themen wären z. B. ein Urlaub oder eine Aktivität, die dem Betroffenen Freude bereitet [5].

Abschließend ist noch zu erwähnen, dass der Erfolg jeder Therapie auch von der Beziehung zwischen den Betroffenen und Therapeuten abhängig ist. Besteht von Seiten der Betroffenen kein Vertrauen zum Therapeuten oder in sein Können, liegt es auf der Hand, dass es zu keinen befriedigenden Ergebnissen kommen wird.

Um ein optimales und erfolgreiches Schmerzmanagement zu erreichen, sollten Sie die vorgestellten Maßnahmen mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, um die für Sie beste und passendste Therapie in Anspruch nehmen zu können.



Foto: © Privat

Romana Eva Jurkowitsch, BSc

Gesundheits- und Pflegeexpertin, Pflegepädagogin, DGKS

Praxis für Gesundheits- und Pfl egeberatung u. Versorgung chronischer Wunden:

3512 Mautern an der Donau
Roseggerstraße 24/1/10
Telefon: +43 676 / 39 790 54,

E-Mail: romana.jurkowitsch@gmx.at
Web: Externer Linkwww.romanajurkowitsch.net

Externer LinkLogo Romana Jurkowitsch

Literaturverzeichnis

1 E. Eißing, „Pflegerische Interventionen im Zusammenhang mit Schmerzen und Notfällen,“ in Pflegerische Interventionen. Verstehen & Pflegen 3., 2012, Georg Thieme Verlag KG, 2012, pp. 620-688.
2 C. Hausmann, Psychologie und Kommunikation für Pflegeberufe, 2. Hrsg., Wien: Facultas Verlags- und Buchahandels AG, 2009.
3 M. Nicholas, A. Molloy, L. Tonkin und L. Beeston, Den Schmerz in den Griff bekommen. Die Strategie des aktiven Umgangs mit chronischen Schmerzen., 2 Hrsg., Bern: Hans Huber, 2014.
4 N. Nestler und J. Osterbrink, „Schmerztherapie,“ in Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, 3. Hrsg., Bern, Hans Huber, 2015, pp. 357-376.
5 E. C. J. Carr und E. M. Mann, Schmerz und Schmerzmanagement. Praxishandbuch für Pflegeberufe., 3 Hrsg., Bern: Hans Huber, 2014.

Lesen Sie hier den 1. Teil zum Thema Schmerzen.

Lesen Sie hier den 2. Teil zum Thema Schmerzen.

Lesen Sie hier den 3. Teil zum Thema Schmerzen.




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 29.04.2017 - 21:46 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien