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Schulung - wozu?

Soll ich mich bei der Diagnose Diabetes, bei der die möglichen Begleiterscheinungen ja eigentlich vorerst nicht zu spüren sind, ausschließlich darauf verlassen, dass mein Hausarzt schon alles richtig machen wird, oder soll ich auch selbst aktiv werden?

Wenn ich als Diagnose von meinem Hausarzt höre: „Diabetes“ oder „es beginnt leichte Diabetes“ oder „Sie sollten auf Ihre Zuckerwerte achten“, dann stehe ich vor der Wahl: nehme ich dies ernst, oder glaube ich – weil mir ja nichts weh tut – an die ärztliche Kunst und hoffe, dass ich persönlich nichts ändern muss und ich, wenn es notwendig wird, schon ein passendes Medikament verordnet bekomme.

Diese Einstellung ist falsch. Eigentlich brennt jetzt der Hut am heftigsten: wenn ich jetzt beginne nachzudenken, dann kann ich viel Mühe von meinem Leben abwenden. Jetzt – und jetzt bedeutet am Beginn – kann ich eine Entwicklung aufhalten, mäßigen, steuern, welche mir sonst viele negative, unerfreuliche Tage bereiten wird.

Was sollte ich denn nach so einer mir vorerst unbedeutenden Warnung unternehmen? Ich sollte mich auf meinen Verstand besinnen, mich fragen: „was bedeutet das eigentlich“ und im Internet – bei Dr. Googel – nachsehen, oder mir in einer Buchhandlung ein gutes, neues Buch über Diabetes kaufen. Neu, weil die Erkenntnisse über Dia-
betes immer besser werden und die Vorschläge dazu immer zielführender.

Unsere Diabetesärzte definieren dies mit dem Auftrag, dass jeder Diabetiker eine

Schulung

erhalten muss. In der Internetseite der Österreichischen Diabetologen-Gesellschaft, zu finden unter www.oed.org wird Schulung genau beschrieben und meist mit einem Unterricht im Rahmen einer Gruppe von nicht mehr als 12 Personen, an 4 Tagen jeweils 3 Stunden lang, festgelegt. Wenn ich zu denken beginne und in mir der Wunsch nach so einer Schulung entsteht, werde ich sehr schnell merken, dass es äusserst schwierig ist, geschult zu werden. Eigentlich muss ich feststellen, Schulung

gibt es nicht!

Die Ärzte bieten sie fast nicht an, denn sie kann nur abgerechnet werden, wenn rund 10 Personen auf einmal geschult werden, ich jedoch alleine nach Unterricht suche. Und für eine Unterweisung im Krankenhaus oder bei einem Kuraufenthalt habe ich noch keine Diabetesfolgen, bin noch zu sehr am Anfang der Entwicklung.
Dabei gibt es ärztliche Forschungsergebnisse [Panzram G. Diabetologia 1987] die warnen, dass bei Diabetesdiagnose im Alter von 40 Jahren die Betroffenen 5 bis 6 Lebensjahre verlieren, also früher sterben, oder schweren Leiden in den letzten Jahren ihres Lebens ausgesetzt sind, wenn keine Unterweisung in richtigem Leben mit Diabetes, wenn keine Schulung erfolgt.

Was sollte ich bei dieser Schulung, wenn es mir gelingt, eine zu erhalten, eigentlich lernen? Zuerst muss ich verstehen, dass eine Entwicklung in meinem Körper begonnen hat, die von mir selber einerseits und von Medikamenten andererseits beeinflusst, gesteuert werden kann, und dass ich selber die wichtigste Person bei dieser Steuerung bin. Wenn ich einmal gelernt habe, dass

Bewegung,

eigentlich Krafttraining, bereits „die halbe Therapie“ ist und meine Muskeln dankbar sein werden, mit Zuckerreserven aufgefüllt und aktiv gehalten zu werden, und dass

richtige Ernährung

die zweite Seite meiner eigenverantwortlichen Bemühungen bildet, habe ich den Kampf um ein gutes Leben schon beinahe gewonnen.

Richtig essen bedeutet:

  • nicht zu viel, bei Übergewicht bis zum Erreichen des Normalgewichtes weniger
  • keine rasch in den Kreislauf schießende Speisen
  • bei einer Therapie immer in Abstimmung mit meinen Medikamenten

Bei einer Schulung sollte ich lernen, wozu meine Bemühungen notwendig sind, welche Veränderungen in meinem Körper vermieden werden müssen.
Eigentlich erhalte ich die klare Anweisung:

vermeide zu hohen Blutzucker,

denn Deine Gefäße werden beschädigt. Ob Augen, Niere, Füße, Herz oder Hirn hängt von meiner Veranlagung ab, aber irgendwo beginnt der Körper aus dem Ruder zu laufen.

Dies zu vermeiden, dazu helfen

Therapien,

vom Arzt verordnet, in ihrer Wirkung bei der Schulung erklärt. Die schwere Aufgabe einer guten Schulung ist es, zu erreichen, dass ich die Therapie akzeptiere, dass ich bereit bin sie täglich anzuwenden und dass Therapie und meine sonstigen sozialen Bedürfnisse, die notwendigen Seiten meines Lebensablaufes, zusammenpassen.

Chemie alleine richtet gar nichts!

Dies muss ich bei einer guten Schulung gelernt haben und ich muss bereit sein, meine eigenen Bemühungen einzusetzen, aktiv mitzuarbeiten, damit ich, damit mein Körper lebenslang in guter Verfassung bleibt.

Die Frage ist bis heute ungeklärt: wo erhalte ich eine gute, ausführliche Schulung, und wie wird meine mir vom Arzt verordnete Therapie an mein Leben, an meine sozialen Bedürfnisse angepasst?
Es beginnen jetzt viele Telefondienste, Auskunftstellen über Ärzte, etc.
Meine Aufforderung an alle, die keine Schulung erhalten haben, oder mit der Therapie unzufrieden sind: bei den zuständigen Stellen anrufen und Schulung einfordern, denn

es ist Patientenrecht, geschult zu werden.



Foto: © WA Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
Telefon: 01/587 68 94




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