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Die diabetische Niere

Wenn der Zucker auf die Nieren schlägt.
Eine Zusammenfassung des Vortrages von OA Priv.-Doz. Dr. Emanuel Zitt am 1. Vorarlberger Landes-Diabetestag 2017 in Rankweil.

Diabetes mellitus stellt eine häufige Ursache für eine chronische Nierenerkrankung dar. Nach dem aktuellen Jahresbericht (2015) des Österreichischen Dialyse- und Transplantationsregisters ist die diabetische Nierenerkrankung für ca. 25% aller neuen Dialysepatienten pro Jahr in Österreich verantwortlich. Die Zahl der jährlich neuen Dialysepatienten ist seit 2006 jedoch rückläufig, was besonders auf einen Rückgang der Diabetiker in diesem Kollektiv zurückzuführen ist. Eine bessere Therapie des Typ-2-Diabetes mit guter Blutzucker-, Blutdruck- und Cholesterinkontrolle scheint für diese erfreuliche Entwicklung verantwortlich zu sein.

Andererseits erlaubt eine bessere medizinische Versorgung und Betreuung, insbesondere die Prävention und Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen eine höhere Lebenserwartung von Diabetikern, sodass wieder mit einer zunehmenden Zahl an Diabetikern zu rechnen ist, die das Stadium der terminalen Niereninsuffizienz (Dialysepflichtigkeit) erreichen.

Während 1980 das Durchschnittsalter eines Diabetikers bei Erreichen der Dialysepflichtigkeit bei nur 55 Jahren lag, hat sich dieses 2015 auf 69 Jahre erhöht.

Das Durchschnittsalter dialysepflichtiger Diabetiker hat sich stark erhöht.

Rund 20% aller Typ-2 und ca. 35-40% aller Typ-1-Diabetiker entwickeln nach 10 bis 30-jährigem Krankheitsverlauf eine diabetische Nierenerkrankung.
Diese verläuft in verschiedenen Phasen, in denen unterschiedliche Therapieansätze zum Tragen kommen. In der Frühphase kommt es zu einer Hypertrophie (Vergrößerung) der Nierenkörperchen (jede Niere besteht aus ca. 1 Million kleinster Nierenkörperchen), die Filterfunktion ist anfänglich erhöht, es findet sich noch keine Eiweißausscheidung im Harn als Hinweis für eine defekte Filtermembran der Nierenkörperchen. In dieser Phase steht therapeutisch eine konsequente Blutzuckereinstellung im Vordergrund. In den darauffolgenden Jahren kommt es langsam zu einer Zunahme der Eiweißausscheidung und Entwicklung eines Bluthochdrucks. In dieser Phase ist die Blutdruckkontrolle unter Verwendung einer Substanz aus der Klasse der sogenannten „Renin-Angiotensin-Aldosteron-Blocker“ (ACE-Hemmer oder Angiotensinrezeptorblocker) von entscheidender Bedeutung. Im späten Verlauf mit Abfall der Nierenfunktion unter 20% rückt die Vorbereitung auf die Dialyse in den Vordergrund.

Neue Patienten an chronischer Nierenersatztherapie 1965-2015 (Foto: LKH Feldkirch)

Bei manifestem Diabetes mellitus stehen aus nephrologischer Sicht folgende Präventivziele im Vordergrund: der Entwicklung einer diabetischen Nierenerkrankung entgegenzuwirken, bei nachweisbarer Eiweißausscheidung im Harn (Proteinurie) das Fortschreiten der Nierenerkrankung und die Entwicklung einer Niereninsuffizienz zu verzögern, sowie das mit der Diabeteserkrankung assoziierte erhöhte Risiko für Herz-/Kreislauferkrankungen zu senken.

Herz und Nieren werden durch die optimale Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten geschützt!

Die dazu notwendigen Maßnahmen wirken sich gleichzeitig auf Nieren und Herzkreislaufsystem aus: sie schützen die Nieren und retten das Herz!
Dazu zählen: eine optimale diabetische Stoffwechselkontrolle (mit individualisiertem Ziel-HbA1c je nach Alter des Patienten, Begleiterkrankungen und Hypoglykämierisiko), die frühzeitige Diagnose und Behandlung eines Bluthochdrucks unter Verwendung von ACE-Hemmer oder Angiotensinrezeptorblocker (Ziel-Blutdruck von <140/90 mmHg bei Patienten ohne Eiweißverlust im Harn, <130/80 mmHg bei bestehender Eiweißausscheidung), die Vermeidung nierenschädlicher
Medikamente und entsprechende Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion, eine Senkung erhöhter LDL-Cholesterinwerte unter Verwendung eines Cholesterinsenkers, eine Modifikation des Lebensstils mit Gewichtsreduktion bei Übergewicht, regelmäßiger körperlicher Aktivität, Verzicht aufs Rauchen und Einschränkung der Salzzufuhr bei nachgewiesenem Bluthochdruck.

Vorausschauender Umgang mit oralen Antidiabetika bei abnehmender Nierenfunktion ist geboten!

Mit abnehmender Nierenfunktion sind viele orale Antidiabetika in ihrer Dosis anzupassen (Dosisreduktion), ab einer gewissen Nierenfunktion sind einige Präparate nicht mehr einsetzbar. Zu beachten ist auch, dass das Hypoglykämierisiko mit zunehmender Nierenfunktionseinschränkung zunimmt.
Die Beurteilung der Nierengesundheit bei Diabetikern ist mit einer einfachen Blutbestimmung (Kreatininbestimmung und Berechnung der glomerulären Filtrationsrate) und Harnanalyse auf Eiweiß (Bestimmung des Albumin-Kreatinin-Quotienten im Spontanharn) möglich.

OA Priv. Doz. Dr. Emanuel Zitt
Innere Medizin III – Nephrologie und Dialyse, Akademisches Lehrkrankenhaus LKH Feldkirch
Carinagasse 47,
6800 Feldkirch

E-Mail: emanuel.zitt@lkhf.at
Web: Externer Linkwww.lkhf.at
Telefon: 05522 / 303-2700




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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 30.04.2017 - 11:30 Uhr

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