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Augenbeteiligung bei Diabetes

Im Zusammenhang mit Diabetes wird meist über diabetische Netzhautveränderungen und dem damit verbundenen Sehverlust gesprochen. Diabetes kann jedoch eine Vielzahl an Erkrankungen am Auge verursachen – hier die Zusammenfassung des Vortrages von Prim. Prof. Dr. Stefan Mennel am 1. Vorarlberger Landes-Diabetestag 2017 in Rankweil.

Bei Diabetes Mellitus sprechen wir in erster Linie über die diabetischen Netzhautveränderungen mit Gefäßverlust und möglicher Glaskörperblutung und dem damit zusammenhängenden massiven Sehverlust. Der Diabetes kann aber eine Vielzahl weiterer Erkrankungen am Auge verursachen oder zusätzlich beeinflussen. So ist die Häufigkeit von Gerstenkörnern – eine entzündliche Schwellung im Bereich der Augenlider – deutlich erhöht.

Drei Hirnnerven versorgen die Augenmuskeln und sind somit für die gleichgerichtete Bewegung unserer Augen verantwortlich. Eine Durchblutungsstörung, die durch den Diabetes begünstigt sein kann, führt zu Bewegungseinschränkungen und möglichen Doppelbildern. Ebenso können Thrombosen und Embolien durch Grunderkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte begünstigt auftreten.

Warum betrifft es das Auge?

Der Diabetes Mellitus führt zu Gefäßveränderungen. Die Gefäßwand wird umgebaut und folglich entstehen Lücken der Gefäßwand mit Austritt von Flüssigkeit in das umgebende Gewebe. In einem weiteren Schritt können die Gefäße zu Grunde gehen. Sind Bereiche unserer Netzhaut nicht mehr durchblutet, so werden diese Netzhautanteile auch keine Funktion mehr ausüben. Das Netzhautgewebe besteht im Wesentlichen aus Nervenzellen und ist sehr sensibel auf eine verminderte Durchblutung und „Ernährung“. Ist ein bestimmter Grad der Durchblutungsstörung erreicht, so beginnt eine ungewünschte Gefäßwucherung, von der Netzhaut ausgehend. Diese neuen Gefäße wuchern ziellos, bilden Membranen und können jederzeit zu starken Blutungen im Augeninnern führen.

Die Abbildung 1 zeigt das Bild der Netzhaut. Diese nimmt – vergleichbar mit dem Film im Fotoapparat – das Licht auf und wandelt die Lichtwellen in elektrische Impulse um. Diese werden dann über die Nervenfasen an das Gehirn weitergeleitet. Erst dort nehmen wir die Bilder wahr. Der zentrale helle Fleck (Papille) ist der Beginn des Sehnerven, der die Informationen an das Gehirn weiterleitet. Aus diesem hellen Fleck treten Gefäße aus und versorgen die Netzhaut.
Auf dem Bild sind große normale Gefäße zu erkennen und sehr kleine bogenförmig verlaufende. Diese sind durch den Diabetes bedingt und sind ein Zeichen einer fortgeschrittenen Diabeteserkrankung am Auge. Auch die roten Flecken (Blutungen) sind durch den Diabetes bedingt.
Am linken Bildbereich ist eine etwas dunklere Stelle, auch Makula genannt. Die Makula ist der wichtigste Teil der Netzhaut, mit diesem Bereich können wir die beste Sehkraft erreichen, da hier die meisten Rezeptoren vorhanden sind. Die kleinen weißen Punkte an dieser Stelle sind durch defekte Gefäße verursacht. Fette sind aus den Gefäßen augetreten und sammeln sich hier an. Die Folge sind Schädigungen der Netzhaut, Schwellungen und somit Funktionseinschränkung in diesem Teil der Netzhaut.

Was kann ich dagegen tun und wie erfolgt die Behandlung, gibt es neue Therapien?

In den ersten Jahren der Diabeteserkrankung ist nicht mit Veränderungen an der Netzhaut zu rechnen. Dennoch sollten jährliche Kontrollen beim Augenfacharzt erfolgen. Ein unauffälliger
Befund ist ein positives Feedback und für die Therapie essentiell. Denn die Behandlung durch uns Augenärzte erfolgt erst bei fortgeschrittenen Gefäßschäden und dies sollte möglichst verhindert oder hinausgezögert werden.
Die beste Therapie zur Verhinderung von Augenveränderungen ist genau gleich wie bei anderen Organen.
Primär ist die gute Blutzuckereinstellung vorrangig. Zusätzlich wird der behandelnde Hausarzt oder Internist eine sehr gute Einstellung des Blutdruckes und der Blutfette anstreben. Sport und eine gesunde Lebensweise sind ebenso notwendig.

Mehrere augenärztliche Kontrollen pro Jahr bei lange bestehendem Diabetes.

Nach 15 Jahren Dauer einer Diabeteserkrankung können bei 90% der Patienten in den Augen Veränderungen festgestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt kann es notwendig sein, dass nicht mehr jährliche Kontrollen beim Augenarzt notwendig sind, sondern in kürzeren Zeitabschnitten die Verlaufskontrolle indiziert ist. Sind zusätzliche Gefäße an der Netzhaut eingewachsen, so muss eine Netzhautlaserbehandlung erfolgen. Ziel ist die Behandlung der nicht mehr durchbluteten Bereiche. Neue Lasersysteme ermöglichen heute für den Patienten dies schonender und mit weniger Behandlungen durchzuführen.
Kommt es im weiteren Verlauf trotz Laserbehandlung zu Blutungen im Augeninneren und zu Membranbildungen mit Netzhautablösung, so kann durch die Mikrochirurgie am Auge (Vitrektomie) auch bei diesen schweren Fällen eine operative Behandlung erfolgen.

Seit 5 Jahren steht uns eine neue Therapiemöglichkeit für die Schwellung der Netzhaut im Bereich der Makula zur Verfügung. Medikamente können operativ in das Augeninnere eingebracht werden, umgangssprachlich auch „Spritzen in das Auge“ bezeichnet. Diese Medikamente (anti-VEGF oder Wachstumsfaktorhemmer) dichten die Gefäße ab, somit wird weniger Flüssigkeit an die Netzhaut abgegeben und die Schwellung geht zurück. Zusätzlich wird die Bildung neuer ungewünschter Gefäße erfolgreich gehemmt. Bei einem Großteil der Patienten mit Netzhautschwellung in der Makula ist eine Verbesserung zu erzielen. Konsequente Verlaufskontrollen sind ebenso essentiell wie die häufige, meist monatliche operative Medikamenteneingabe in das Augeninnere.



Abbildung 2a zeigt eine tomographische Aufnahme von der Netzhaut. Diese
hat eine unauffällige Form.

Die Abbildung 2b zeigt eine verdickte Netzhaut verursacht durch defekte Gefäße, die Flüssigkeit abgeben und somit die Netzhaut schädigen.
Mit Hilfe solcher Bildaufnahmen ist der Augenarzt heute in der Lage, frühzeitig Gefäßschäden zu erkennen. Mit diesen Aufnahmen kann im Behandlungsverlauf die Therapie genau kontrolliert und abgestimmt werden.

Zusammenfassend ist die Zuckereinstellung und die Behandlung zusätzlicher Grunderkrankungen sowie eine gesunde Lebensweise am effektivsten, Augenbeteiligungen zu vermeiden oder in ihrer Ausprägung zu vermindern. Jährliche Kontrollen beim Augenfacharzt sind notwendig, um frühzeitig Schäden zu entdecken und eine Behandlung einleiten zu können

Auf der Externer LinkHomepage der österreichischen Diabetesgesellschaft sind Leitlinien speziell auch für die Augenbeteilgung verfügbar. Eine Gruppe von Augenärzten publiziert in regelmäßigen Abständen die Empfehlungen für die Diagnose, Behandlung und Verlaufskontrolle der diabetischen Augenerkrankung [1].

Prim. Prof. Dr. Stefan Mennel
Augenabteilung, LKH Feldkirch
Carinagasse 47,
6800 Feldkirch

E-Mail: stefan.mennel@lkhf.at
Web: Externer Linkwww.lkhf.at
Telefon: 05522 / 303-1700

Literatur:
1. Radda S, Bolz M, Egger S, Gasser-Steiner V, Kralinger M, Mennel S, Scholda C, Stolba U, Wedrich A, Krepler K. Diagnosis, treatment and monitoring of diabetic eye control. Wien Klin Wochenschr. 2016;128 Suppl 2:S97-102.




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Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien