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Lebensretter Hundenase

Ausgebildete Diabetiker-Warnhunde zeigen im Durchschnitt zirka zwei Drittel der hypoglykämischen Zustände von Diabetikern verlässlich an.

Eine fröhliche Runde sitzt bei Kaffee und Kuchen – mit dabei auch 2 Hunde, die unter den Tischen dösen.
Während des Geplauders beginnt Melwin, Maren‘s französischer Vorstehhund, unruhig zu werden, er „pfötelt“ an seinem Frauchen herum. Maren, sieht auf das Display ihrer Insulinpumpeneinheit. Der angezeigte Blutzuckerwert liegt bei 130mg/dL – also kein Grund zur Sorge. Sie schickt Melwin auf seinen Platz, aber ihr vierbeiniger Freund lässt sich nicht beirren und „nervt“ weiter – er findet keine Ruhe.

Der Labrador Cooper, gerade mal 8 Monate alt, der etwas weiter weg liegt, beginnt nun auch zu schnüffeln und herumzuwandern. Maren misst mit ihrem Blutzuckermessgerät – ihr tatsächlicher Blutzuckerwert ist 76! Der kontinuierlich messende Sensor ihrer Insulinpumpe zeigt einen falschen Wert an – das kommt vor!

Der Job: Diabetikerwarnhund

Die beiden „nervenden“ Hunde werden belohnt – sie haben ihren Job gut gemacht!
Job?
Ja, Job! Denn Melwin und Cooper sind Diabetikerwarnhunde und ihre beiden Frauchen, mit denen ich mich gerade bei Uschi Loth im Hundezentrum Siegerland in Deutschland austausche, sind – wie auch ich – Diabetikerwarnhunde – Trainerinnen.

Bei der Gelegenheit möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Dr. Michaela Artwohl. Nach meinem Biotechnologie-Studium, habe ich lange in der Diabetesforschung gearbeitet. Seit 2,5 Jahren betreibe ich meine eigene Hundeschule im Bezirk Baden, Niederösterreich. Mein Interesse liegt vor allem in der Nasenarbeit.
Als Tochter eines Diabetikers ist es mir ein besonderes Anliegen, Hunde zu verlässlichen Helfern und Lebensrettern für Diabetes-Patienten auszubilden. Die Patienten können ihr Wohlergehen – neben allen technischen Möglichkeiten – zusätzlich der hochsensiblen Hundenase anvertrauen. Und die ausgebildeten Hunde blicken durch eine sinnvolle Aufgabe voll Stolz in die Welt!

Können Hunde Hypoglykämien wahrnehmen?

Diabetikerwarnhunde können unter anderem eine veränderte Zusammensetzung des Individualgeruches ihres Patienten wahrnehmen. Womöglich sprechen sie dabei eher auf ein verändertes „Geruchsmuster“ als auf eine einzelne Molekülart an.

Einige Hunde erkennen Hypos selbst ohne Training. Sie reagieren „aufgeregt“ und teilweise sogar fürsorglich, hindern den Patienten, das Haus zu verlassen oder bleiben bis zur Normalisierung des Blutzuckers in seiner Nähe. Hat ein Diabetiker einen solchen Hund, ist es wichtig, dass der Patient geschult wird, seinen Hund „lesen“ zu können, um das entsprechende Verhalten des Hundes optimal zu fördern.

Gezieltes Training

Gezieltes Training von Hypo-Warnhunden für Typ-1-Diabetes.
Umgekehrt kann man Hunde aber auch gezielt darauf trainieren, Hypos zu erkennen und ihren Patienten bzw. dessen Mitbewohner, Lehrer, Arbeitskollegen, etc. zu warnen, dass eine Unterzuckerung droht oder vorliegt.
Trotz vereinzelter Berichte über Hunde, die Hypos auch bei Typ-2-Diabetikern erkennen, ist die verlässliche Anzeige im Typ-1-Diabetes wissenschaftlich besser untermauert. Dies könnte daran liegen, dass dem Typ-1 und Typ-2-Diabetes zwar Schwankungen im Blutzuckerspiegel gemein sind, dass ihnen aber dennoch eine völlig andere Grunderkrankung und somit auch ein unterschiedliches Geruchsmuster zugrunde liegt.
Gemäß wissenschaftlich standardisierter Messergebnisse zeigen ausgebildete Diabetiker-Warnhunde im Durchschnitt zirka zwei Drittel der hypoglykämischen Zustände von Typ-1-Diabetikern verlässlich an [Gonder-Frederick et al. 2017].

Ausbildungsvarianten

Ausbildungsvarianten für Diabetiker-Warnhunde.
Damit sie lernen, die Hypos ihrer Patienten wahrzunehmen und frühzeitig Alarm zu schlagen, gibt es für Diabetikerwarnhunde – zusätzlich zur Grunderziehung – 2 unterschiedliche Ausbildungsmodelle:
Wie auch bei Blindenführhunden gibt es die sogenannte „Fremdausbildung“: Der Hund wächst in einer Pflegefamilie auf, erhält seine Ausbildung durch den Hundetrainer und der Diabetiker erwirbt einen fertig ausgebildeten Hund.

Andererseits kann man, unter detaillierter Anleitung eines entsprechend qualifizierten Trainers, seinen eigenen Hund auch selbst ausbilden. Dies ist eine preislich erschwingliche Alternative, die – bei entsprechender Trainingsmotivation des Patienten oder seiner Angehörigen – viele Vorteile bringt. Das „Familienmitglied“ Hund muss sein Heim nicht laufend wechseln und das Training fördert – sofern es durchwegs positiv aufgebaut wird – enorm die Mensch-Hund-Beziehung.

Der Benefit
Typ-1-Diabetiker können durch die Begleitung von Diabetikerwarnhunden eine verbesserte Lebensqualität erreichen, nötige Spitalsaufenthalte können reduziert werden und Diabetikerwarnhunde alarmieren auch bei – häufig unbemerkten und somit lebensgefährlichen – nächtlichen Hypoglykämien [Rooney et al. 2013].

Dr. Michaela Artwohl

2511 Pfaffstätten, Steinfeldgasse 13

Telefon: 0699 / 15 03 58 76
E-Mail: tiertraining@artgerecht-wohlerzogen.dog
Web: Externer Linkwww.artgerecht-wohlerzogen.dog

Literatur:

Rooney NJ et al.: Investigation into the value of trained glycaemia alert dogs to clients with type I diabetes. PLoS One 2013 doi:10.1371/journal.pone.0069921

Gonder-Frederick LA et al.: Variability of Diabetes Alert Dog Accuracy in a Real-World Setting. J Diabetes Sci Technol. 2017 doi:10.1177/1932296816685580




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