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Meine Waage lacht mich aus!

Wie wird Frau ungeliebtes und überflüssiges Fett los?

Liebe Freundinnen!
Man hat mich dazu angehalten, das Thema „Fett“ zu behandeln. Halb zog man mich, halb sank ich hin. Ich selbst bin beileibe kein dürrer Stecken, und so kommt es vielleicht, dass auch viele meiner Freundinnen und Freunde nicht ausgehungert sind.
Eine dieser Freundinnen, eine Preußin und obendrein noch Steuerberaterin – welch additiver Graus! – hat mir auf meine Vorstellung hin, dass ja eigentlich viel mehr Frauen des Lesens nicht nur kundig, sondern zu demselben auch hingewandt wären, einen Kurzbericht
ihres Kampfes um eine Brigittenfigur überantwortet.
Ich möchte den Bericht gerne ungekürzt an Euch liebe Freundinnen, weitergeben.

Dabei bitte ich nur zu beachten:
Diabetikerinnen haben es unglaublich viel schwerer, den unten angeführten Kampf erfolgreich zu bestehen.

Warum?
Natürlich geht es meist um eine schräge Bilanz aus Essen und Bewegung, also zu wenig Bewegung bei zu viel Essen.
Aber im Falle von Diabetikerinnen haben noch kleine Schlampigkeiten ihr beachtliches Scherflein beizusteuern. Wer denn von Euch ist eine Musterschülerin in Bezug auf Broteinheiten, Kasteiung und dergleichen? Ist es nicht manchmal so, dass eine lange Periode korrektesten Essverhaltens (sagen wir so eine Woche etwa) zu einer kleinen Kalorienfeier einlädt, so wie der Herr Gemahl als anständiger Mensch und Arbeiter gerne einen Abend mit den von Ihnen so hochverehrten Freunden im Beisl verbringt?
Dann, meine lieben Damen, essen Sie feiernd zu viele Kohlenhydrate. Der Hund beim Typ-2-Diabetes ist aber meist der, dass Sie zu viel Zucker UND zu viel Insulin haben, wobei das letztere schlecht wirkt, was die Ursache Ihrer Krankheit ist. Viel Insulin aber stopft die Leber nach Ihrer kleinen Zuckerorgie mit Speicherzucker voll und der wird, wenn er überhand nimmt, in Fett umgewandelt.

Viel Insulin speichert viel Zucker in der Leber!

Und sehen Sie, dieses fatale Zusammentreffen von zu viel Zucker UND zu viel Insulin macht Ihnen eben das Leben schwerer als der im untenstehenden Text referierenden Dame.
Trotzdem werden Sie – so glaube ich – sich in vielen Lebensäußerungen unserer Gastreferentin wiederfinden.
Ich wünsche viel Vergnügen – und den einen oder anderen nachdenklichen Blick.

Also spricht Frau C.C. Steuerberaterin in Berlin:
Meine Mutter sagte, als Frau habe ich im Alter nur die Wahl zwischen Kuh oder Ziege. Das stimmt jedoch nur bedingt, ich habe die Wahl nicht, mein Körper hat sich irgendwann eindeutig für Kuh entschieden.

Niemand hätte das gedacht, eigentlich war ich lange Zeit eher untergewichtig. Aber was hilfts, ich bin jetzt 63, 164 cm mit nicht stolzen 76 kg. Der Teufel hat die Waage erfunden. Und um noch etwas drauf zusetzen, hat er die Fettanalysewaage erfunden. Und dann noch ein Programm, welches die Gewichtskurve, den Fettgehalt, den BMI und das daraus abzulesende Alter auf meinem Handy verfolgt und wahrscheinlich irgendwann, wenn nicht schon jetzt, meiner Krankenversicherung zur Verfügung stellt. Meine Waage schätzt (!) den Fettgehalt mit 41,25 % und mein aus diesen Werten sich ergebendes Alter auf 70.
Des nachts höre ich sie leise kichern. Wie die Waage das schätzt ist mir unklar, anscheinend hat es etwas mit der Leitfähigkeit meiner Fußsohlen zu tun.

Um Fett abzubauen, bin ich, rein zufällig an einem 1. Januar, hoffnungsvoll in ein Sportstudio gegangen. Damals wurde ich genau vermessen, wog auch „nur“ 72 kg, bekam einen Trainingsplan und legte zwei mal die Woche los. Die Zeit verging, Muskelkater wechselten sich ab, und nach einer Weile zeigte die Waage dann 74 kg. „Muskeln sind schwerer als Fett“ wurde mir gesagt, eine anfängliche Gewichtszunahme sei normal, im Laufe der Zeit aber würden die Muskeln mehr Energie verbrennen und das käme alles wieder ins Lot.
Kam es nicht. Bei einem Gewicht von 75 Kilo fragte ich eine Personaltrainerin um Rat. Diese meinte, ich trainiere eben nicht hart genug, ich esse zu viel und zu spät und vieles mehr. Also eben alles meine Schuld. Wir trainieren seitdem zusammen. Muskelkater wechselten sich ab, die Zeit vergeht, jetzt wiege ich 76 kg.
Die Waage lacht jetzt laut.

4 Kilo mehr als vorher!

Ja, wie wird Frau das Fett los?
Ich bin das Endprodukt einer langen Reihe von hessischen Kleinbauern und Handwerkern. Viele Hungersnöte haben die überlebt. Endlich haben sie es geschafft, Nachkommen zu zeugen, die mit einem Stück Brot am Tag auskommen ohne vom Fleisch zu fallen.
Alle waren körperlich hart arbeitende Menschen und ich jetzt mit diesem Erbe habe das zweifelhafte Privileg, am Tag mindestens 8 Stunden am Stück die Arbeit im Sitzen auszuführen. Soll ich mir jetzt einen Bauernhof zulegen?

Nein, das muss auch anders gehen. Ich frage nach:
Da gibt es das Fasten. Eine Freundin von mir macht das regelmäßig. Einmal im Jahr geht sie sozusagend ins Kloster.
Dort wird sie von der Außenwelt isoliert, von jeder Kalorie abgeschnitten, für viel Geld ausgehungert. Schlank und schön kommt sie zurück, nach etwa zwei Monaten ist sie aber nur noch schön.

Ein anderer guter Ratschlag war, nach 17 Uhr spätestens nichts mehr zu essen, bis zum nächsten Morgen. Rein zeitlich klappt das nicht, komme ich doch erst um 19:30 Uhr am Abend nach Hause. Eine hastig um 17 Uhr verschlungene Stulle im Büro mit nachfolgendem Zwangsfasten führt dazu, dass ich in der Nacht mit Bärenhunger aufwache. Das geht gar nicht.

Ein weiterer Ratschlag war, nicht zu frühstücken und vor der Arbeit ins Sportstudio zu fahren um auf nüchternen Magen zu trainieren. Meine hessischen Vorfahren und auch ich sind ohne Frühstück nicht zurechnungsfähig. Nach dem Training bin ich leider auch konzentrationsmäßig nicht mehr auf der Höhe, die Arbeit leidet, das geht gar nicht.

Eine Empfehlung war Intervalltraining. Das hilft ein bisschen. Mir wurde gesagt, Krafttraining führe eher zu Gewichtszunahme, Ausdauertraining zu Abnahme. Aber eine Stunde auf dem Laufband oder Stepper ist total langweilig. Ausdauertraining ist vor allem eine Zeitfrage, ich habe nicht viel Zeit.

Ein funktionierender Ratschlag ist der meiner Mutter: ab und zu ein paar Kohlsuppentage. Das bedeutet, man koche eine schöne Weißkohlsuppe (für Kulturmenschen: Krautsuppe, Anm. SP) und ernähre sich dann drei Tage nur davon. Das hilft, die Waage lächelt jetzt nur noch, allerdings sind die fehlenden Kilos auch nach einer Woche wieder da, wo sie meinen hinzugehören.

Also, es bleibt bei Kuh, aber wenigstens ist die Kuh halbwegs trainiert.

Das Training hat einen unerwarteten Nebeneffekt: mein Arzt stellte bei einer Blutabnahme fest, dass alle meine Werte besonders hinsichtlich Zucker und Cholesterin nicht nur normal sondern sogar Idealwerte sind. In meiner Familie gibt es des Öfteren Diabetes, bei mir ist davon keine Rede. Also, die Kuh ist nicht nur halbwegs in Form, sondern auch gesund.

Seit neuestem gibt es einen Internettrend der Hoffnung macht. Da posten Frauen Fotos von vorher und nachher. Die Fotos zeigen, dass auch bei Gewichtszunahme durch das Training die Figur sehr viel schöner anzusehen ist. (Welch wichtige Feststellung: Bewegung macht nicht nur schön, sondern senkt den Zucker! Bemerkung von S.P.)

Sollten wir jetzt alle besser die Waagen wegwerfen? Die gefühlte Hälfte der Bevölkerung kämpft mit dem verdammten Fett. Bücher über Fettverbrennung füllen die Regale, Diäten und Trainingsmethoden füllen das Netz. Kann es sein, dass der von Waagen geschätzte Fettanteil eine geniale Werbestrategie der Fitnesswelle ist?

So viel zum Bericht der Dame aus Berlin.

Nein, Waagenfettanteilschätzungen sind nicht unbedingt Meines, aber dennoch: Zähne zusammengebissen und schräge Bilanzen aufgerichtet! Es geht auch um die sehr unangenehmen Spätfolgen.

Foto: © Privat

Univ.-Prof. Dr. Sepp Porta
Leiter des Instituts für angewandte Stressforschung

8410 Dillach, Johannisweg 13
E-Mail: stresscenter@outlook.de
Web: Externer Linkwww.csa-online.at




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