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Eine Typ-2-Diabetiker-Karriere mit Folgen!

Ein Erfahrungsbericht von Ing. Wolfgang Frick, Typ-2-Diabetiker seit 2003.
Gespräch im Rahmen der Gesundenuntersuchung beim Hausarzt.

Mein Hausarzt hat eine gute und eine schlechte Nachricht für mich! Welche will ich zuerst hören? Na ja, die Gute, die schlechte sagst Du mir eh noch! Dann die Antwort: „Cholesterin hast Du keines (habe ich erwartet, mein Vater hatte riesige Probleme damit!) – aber Zucker hast Du (in der Familie ist mir niemand bekannt, der Zucker hat)!“ Der HbA1c-Wert betrug 8,6.

Diagnose Diabetes

WOW! Und was bedeutet das? Du musst deine Ernährung umstellen und dich mehr bewegen! Am besten, du machst mit deiner Frau einen Termin bei einer Ernährungsberaterin aus und ihr lasst euch gemeinsam beraten. Für die Bewegung rate ich dir regelmäßigen Ausdauersport, z.B. Nordic Walking, leichtes Krafttraining im Fitness-Center oder ähnliches, mindestens 3 Stunden die Woche.

Regelmäßige Bewegung

Einen Termin mit einer Ernährungs-
beraterin konnte ich sehr rasch bekommen – gemeinsam mit meiner Gattin haben wir uns beraten lassen, was ich in Zukunft essen darf und soll und sie gemeinsam mit mir. Alles Süße, wie Kuchen, Nachtisch, Schokolade usw. gehörten zum fix Bestandteil meiner bisherigen Ernährung – damit war vorerst Schluss.

Ernährungsumstellung

Bei einer Diabetes-Schulung im LKH Feldkirch unter „Diabetes-Joe“ wurde mir beigebracht, was die Ursache für meiner Diabetes-Erkrankung war und was ich in Zukunft dagegen tun kann.
Die Ernährungsumstellung war hart, aber erfolgreich. Karotten- und Kohlrabi-Sticks, Magerkäse, nur noch Schwarz- und Vollkornbrot sowie wenig mageres Fleisch und regelmäßig Fisch haben meinen Speiseplan beherrscht. Nach einem Nordic-Walking-Kurs habe ich mich wöchentlich 2 – 3 mal 1 ½ bis 2 Stunden intensiv bewegt (Fitness-Center ist nicht meins). Dadurch konnte ich mit Hilfe von Tabletten den HbA1c-Wert auf ca. 6,0 senken und diesen Wert auch mit leichten Schwankungen halten.

EKG zeigt Herzprobleme

Unmittelbar nach Ostern 2006 die nächste Hiobsbotschaft. Ausstrahlende Schmerzen und Atemnot beim Treppensteigen veranlassten mich, meinen Hausarzt aufzusuchen. Das EKG zeigte Anzeichen für massive Herzprobleme und der Arzt hängte mich umgehend an eine Infusion mit blutverdünnendem Mittel. Notarzt und Rettung brachten mich ins LKH Feldkirch, wo aufgrund des Blutbildes ein Herzinfarkt diagnostiziert wurde. Ablagerungen wurden bei der nachfolgenden Herzkatheter-Untersuchung keine festgestellt, die Blutfettwerte waren alle im optimalen Zustand. Vermutlich waren Stress und Übergewicht Ursache für meine Probleme. Rauchen waren für mich nie ein Thema, Alkohol nur in kleinen Mengen. Während der anschließenden Rehab wurde eine Herzrhythmus-Störung diagnostiziert, die durch einen Herzschrittmacher behoben wurde.
Trotz regelmäßiger Bewegung in der Herzsportgruppe und Nordic-Walking (dies allerdings abnehmend) und beruflichen Stress ist der HbA1c-Wert langsam wieder auf 7,0 gestiegen. Im Herbst 2014 bekam ich eine starke und langanhaltende Bronchitis, die konventionell behandelt wurde.
Anfang Jänner 2015 musste ich in der Nacht wieder mit Herzbeschwerden vom Notarzt ins LKH Feldkirch überstellt werden. Bei der sofort stattgefundenen Herzkatheter-Untersuchung wurde ein Verschluss eines kleinen Blutgefäßes an zwei Stellen festgestellt, die mittels Ballon geweitet werden mussten. Die Implantierung eines Stents war nicht möglich, da das Blutgefäß zu klein war. Bei der Diagnose wurde jedoch eine massive Herzmuskelschwäche festgestellt. Ursache war vermutlich eine nicht erkannte Herzmuskelentzündung während der vorhergegangenen Bronchitis. Die Belastbarkeit war dadurch stark eingeschränkt – zwei Stockwerke langsames Stiegensteigen oder 4 km Spazierengehen auf der Ebene waren das Limit.
Einen Teil meiner Herzprobleme muss ich sicher auch auf meinen Diabetes zurückführen.
Aufgrund der Herzmuskelschwäche war an eine 40-Stundenwoche nicht mehr zu denken. Nachdem von den Ärzten eine deutliche Besserung der Leistungsfähigkeit des Herzens ausgeschlossen wurde, musste ich um „Erwerbsunfähigkeitspension“ ansuchen, die im November 2015 rückwirkend bewilligt wurde.
Nach langwierigen Untersuchungen und gescheiterten Lösungsversuchen mittels Medikamenten fiel schlussendlich die Entscheidung, dass ein spezieller Herzschrittmacher mit Defibrillator und einer zusätzlichen Elektrode implantiert werden musste. Nach Problemen nach der ersten Operation im November 2015 mit dieser Sonde musste im Februar 2016 diese Elektrode neu platziert werde. Diese OP war gottseidank erfolgreich. Der HbA1c-Wert ist durch die Bewegungseinschränkungen bis November 2015 auf 8,0 gestiegen.

Mein BMI war viel zu hoch

Nach dem zweiten Infarkt hat es aber bei mir „Klick“ gemacht! Mit einem Kampfgewicht von 105 kg bei 177 cm Körpergröße lag mein BMI bei 33,5 – also viel zu hoch! Mittels FDH (zwar nicht die Hälfte, aber deutlich weniger als vorher) konnte ich mein Gewicht in 16 Monaten langsam auf 90 kg reduzieren. Meinen BMI konnte ich auf 28,7 senken – immer noch genug, aber doch wesentlich besser als vorher. Diesen Wert halte ich seither mit leichten Schwankungen.
Nach einer Frist von drei Monaten, während der ich den linken Arm nur bis Schulterhöhe heben durfte, habe ich ab Mai 2015 verstärkt wieder mit intensiver Bewegung begonnen. Durch die Gewichtsabnahme, regelmäßigem Nordic-Walking und der Teilnahme an einer Herzsportgruppe mit gesamt mind. 5 Stunden wöchentlich konnte ich bis Sommer 2016 den HbA1c wieder auf tragbare 6,5 senken. Diesen Wert kann ich mit geringfügigen Schwankungen seither halten, wobei ich zusätzlich noch Wassergymnastik (kann ich wärmstens empfehlen!) im Herbst und Frühjahr mache.
Dass mein Diabetes für mich Folgen verursacht hat, musste ich im letzten Jahr feststellen. Beschwerden durch eine Polyneuropathie und Symptome von „Restless Legs“ sind für mich spürbaren Folgeerkrankungen. Meine Augen zeigen noch keine Veränderung, auch die Nierenwerte sind in einem sehr guten Bereich, sodass die Hoffnung besteht, dass hier keine Schädigungen auftreten werden.

Was für mich absolut wichtig ist:

  • Die Einhaltung der Medikamentation!
  • Die regelmäßige Selbstkontrolle und Pflege der Füße!
  • Die ¼-jährliche HbA1c-Kontrolle durch meinen Hausarzt und Beratung mit ihm und
  • die jährlichen Kontrollen der Augen, der Nieren und des Herzens samt Schrittmacher durch die entsprechenden Fachärzte!

Heute geht es mir relativ gut. Mit Einschränkungen (wegen des Herzens – nicht wegen des Diabetes!) kann ich beinahe alles machen, was ich vorher konnte, dieses allerdings langsamer. Und das, was ich nicht mehr kann, geht mir nicht ab. Ich habe mich mit dieser Situation abgefunden und kann damit sehr gut leben. Durch die Gewichtsabnahme und die regelmäßige Bewegung fühle ich mich den Umständen entsprechende „pudelwohl“. Ich kann heute wieder Nordic-Walking-Strecken mit 10 km Länge und 150 Höhenmeter in knapp zwei Stunden problemlos gehen, 6 km zweimal wöchentlich sind die Regel.

Diabetiker sein ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Ein relativ gutes Leben ist mit einer konsequenten und positiven Lebenseinstellung mit leichten Einschränkungen absolut möglich, ohne dass gravierende Folgeerkrankungen auftreten. Es bedarf aber etwas Mühe. Eine gute Ernährung, regelmäßige Bewegung und Fort- und Weiterbildung benötigen Kraft und Ausdauer.

Diabetiker seit 2003,
zwei leichte Herzinfarkte und Herzmuskelschwäche

Foto: © Privat

Ing. Wolfgang Frick
ADA-Vorstand Kommunikation

Telefon: 0677 / 620 73 791

E-Mail: wolfgang.frick@aktive-diabetiker.at
Web: www.aktive-diabetiker.at




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