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Das böse Trio

Adipositas, Typ 2 Diabetes und Bluthochdruck – was kann man dagegen tun?

Das Übergewicht und die Fettleibigkeit sind, vereint mit mangelnder Bewegung, die größten Killer in unserer Gesellschaft. Auch Blutzucker und Bluthochdruck spielen da mit.
In seltenen Fällen ist z. B. ein hoher Blutdruck rein erblich (genetisch) bedingt und unabwendbar – auch bei „gutem“ oder sogenanntem „gesundem Lebensstil“, also Normalgewicht, fettarmer und zuckerarmer Ernährung, viel Ausdauerbewegung und wenig Alkohol. Ähnliches gilt bei der Diabetes-Neigung.

Wenn das Körpergewicht steigt, „der Körper verfettet“ und oder mehr Fett, Kohlenhydrate und insbesondere Zucker aller Art und Zucker in der Ernährung hinzutreten (sowie der Alkoholkonsum zunimmt), häufen sich (auch) die begleitenden Risikofaktoren des „Stoffwechsels“. Bluthochdruck wird häufiger, Blutzuckerspitzen entstehen anfangs nur nach dem Essen (Im Zucker-Toleranztest: „Störung“), später ensteht dann wirklicher Diabetes Typ 2. Auch Blutfetterhöhungen treten hinzu.

Einfluss von Gewicht, Bauchumfang und Körperzusammensetzung

Bei Normalgewicht weisen etwa 12 – 17% der Menschen im mittleren Alter einen Bluthochdruck auf, mit etwa 15 kg Gewichtszunahme und Entwicklung einer Fettleibigkeit (Gewichtszunahme 25%) nimmt die Häufigkeit von Bluthochdruck auf 30 – 40% zu. Ein deutlich erhöhter Bauchumfang (Männer > 102 cm, Frauen > 88 cm) ist aber noch bedeutender als die Fettleibigkeit selbst. Es gibt im Extremfall Patienten, die trotz starker Bauchbildung normalgewichtig oder nur leicht übergewichtig sind. Diese Patienten sind oftmals allerdings nur aufgrund ihres Muskelmangels nicht übergewichtig, weisen aber trotzdem einen hohen Körperfettanteil auf („Couch-potatoes“). Die fehlende Muskulatur hat zur Folge, dass weniger Kohlenhydrate und Fette abgebaut werden können. Dadurch sind gerade diese Patienten besonders gefährdet, eine Insulinunempfindlichkeit (Resistenz) zu entwickeln. Dadurch wirkt das körpereigene Insulin schlecht und ein Diabetes Typ 2 kann entstehen. Auf der anderen Seite gibt es übergewichtige Frauen, die lediglich einen hüftbetonten Fettverteilungstyp aufweisen. Dieser Typ hat ein wesentlich geringeres Risiko für diese Probleme.

Was heißt das für uns? Wie bleiben wir, oder werden wir gesund – gesünder?

Erstens dürfen wir ALLE nicht einfach darauf los essen und trinken was wir vor uns haben und uns dann daheim ins Sofa legen, so als hätte all das Gegessene keine Kalorien und wäre Bewegung etwas für die „anderen“.

„Bewusstes Leben“ heißt Ernährung und Bewegung aufeinander abzustimmen. Wollen wir abnehmen, genügt es nicht weniger zu essen, NEIN – man muss auch Bewegung machen.
Richtwert: 10.000 Schritte im Tag!

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Frauen in allen Kulturen der Welt immer eine DIÄT einhalten wollen, Männer hingegen wollen eher BEWEGUNG machen.
Dabei brauchen beide Geschlechter BEIDES.

Vorteile der Bewegung – Nachteile zu anstrengender Bewegung

Bewegung wird oft mit SPORT verwechselt. Bei Übergewicht und Fettleibigkeit ist vieles (zu) anstrengend. Oftmals gut gemeint, übertreibt man und tendiert zum Laufen, Mountain „biken“, Fussball spielen usw. Aber Belastungen mit hohem Puls sind STRESS und
haben ihren Preis: anschließend MEHR HUNGER!
Brauchen würden wir Bewegungsarten, die weniger „Fun“ – Charakter haben, aber eher die AUSDAUER bedienen: Gehen, „walken“ und Rad fahren mit wenig Widerstand sind da gefragt. Für Otto Normalverbraucher ist ein Puls von 100 – 120/min zu empfehlen, bei gewissen Medikamenten wie ß-Blockern noch weniger (ca. 10 Schläge).

Warum wir Stress bewältigen müssen – ohne zu essen

Neben Ernährung und Bewegung spielt STRESS in unserem Leben eine zunehmende Rolle. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn Sie den ganzen Tag arbeiten ohne zu essen. Sie gehen nach Hause und dann geschieht all das, was Sie in der Ernährungsberatung NICHT gelernt haben. Sie öffnen den Kühlschrank und als Alternative die „Süßigkeitenlade“ – Gesundheitsbewusste gehen auch zur Obstschale (auch nicht gut). Gemeinsam ist allen 3 Möglichkeiten, dass Sie SCHNELLER essen als normal (ohne Kontrolle) und FETTER – SÜSSER – oder FETTER & SÜSSER essen als normal. Damit geben Sie dem Körper VIEL (und oft halt VIEL ZU VIEL) Energie, die er nie und nimmer verbrauchen kann.

Aber WIE macht man das dann, wenn man Hunger hat?

Hunger ist eine wichtige Köperfunktion. Der Mensch weiß leider aber nicht, dass er zu viel Fett im Körper hat. Alle Lebensfunktionen sind auf „mehr speichern“ eingestellt. Haben Sie Bauch und / oder Übergewicht bzw. eine Fettleibigkeit, müssen Sie lernen NICHT zu essen, wenn Sie hungrig sind. Suchen Sie durchaus Wege sich zur Ruhe zu bringen und eben NICHT zu essen. Jeder muss lernen wie das geht.

Alternativen zum Essen sind z.B.

  • Wasser trinken
  • Spazieren gehen
  • Musik hören
  • Stricken
  • und vieles mehr, das Sie vom Essen abhält

Dazu braucht man oft psychologische (verhaltenstherapeutische) Hilfe. Nicht jeder schafft das alleine …
Vielfach ist eine zunehmende Gewichtszunahme von Depressionen begleitet. IN diesen Fällen braucht es PROFESSIONELLE Unterstützung und oft auch eine MEDIKAMENTÖSE Behandlung. Wenden Sie sich dazu bitte stets an Ihren Arzt / Ihre Ärzte!

Zusammenfassung

Will man gesund bleiben, sollte man ein annähernd normales Gewicht bewahren. Bewusste Ernährung und (viel) Bewegung helfen dabei.
Wird man übergewichtig, sollte man die Bremse ziehen. MEHR Bewegung und WENIGER essen sind die Devise.
Wird man fettleibig, oder beginnt mit einem Typ 2 Diabetes, darf und sollte NOCH MEHR gemacht werden.

Schlussfolgerung

In unserer Gesellschaft wird (viel) zu viel gegessen und VIEL zu wenig Bewegung gemacht. Wir müssen uns wieder darauf besinnen, das zu ändern. Die Externer LinkÖsterreichische Diabetesgesellschaft ÖDG hat daher sowohl eine „Ernährungsbox“
als auch eine „Bewegungsbox“ herausgegeben, die Sie gerne bestellen können.

Das wichtigste wird aber sein „anzufangen“, etwas für Ihr Leben zu tun !!!

Foto: © Moritz Wustinger

Univ. Prof. Dr. Hermann Toplak
Universitätsklinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz

8036 Graz, Auenbruggerplatz 15

Telefon: 0316 / 385 80246
E-Mail: hermann.toplak@medunigraz.at
Web: Externer Linkwww.medunigraz.at




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