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Was können Angehörige in Notsituationen tun?

Welche Rolle haben Angehörige beim Umgang mit diabetischen Familienmitgliedern?

In diesem Text soll der Umgang mit Diabetes im Angehörigenkreis betrachtet werden. Die Anmerkungen haben keinen Anspruch darauf, dass alle erdenklichen Situationen beleuchtet werden, aber es sollen Situationen im Zusammenhang mit Diabetes und die Handlungsmöglichkeiten der Personen, die im gleichen Haushalt leben, bei Problemsituationen aufgezeigt werden. Schadenersatzansprüche, welcher Art auch immer, können aus diesem Text nicht abgeleitet werden.

Welche Problemsituationen sind meist anzutreffen?
Der Diabetiker ist ansprechbar, gibt aber auf Fragen eventuell verwirrte Antworten oder ist selbst nicht mehr imstande Süßes zu sich zu nehmen.
Als Angehöriger werde ich zuerst an Auswirkungen im Zusammenhang mit der Zuckerkrankheit denken.

Welche Extreme kennt man dabei? Grundsätzlich bewegen wir uns im Bereich zwischen hohen und niedrigen Blutzuckerwerten.
Also sehe ich als erste Maßnahme die Kontrolle des aktuellen Blutzuckers. Ergibt die Messung einen Wert unter ca.100mg/dl Blutzucker gebe ich dem Betroffenen etwas Süßes zu essen oder zu trinken. Sehr gut bewährt hat sich die Gabe von Cola. Hilfreich sind bei Unterzuckerungen auch fertige Zuckerkonzentrate, die meist die Menge einer Broteinheit enthalten.
Die Angst, dass man als medizinischer Laie zu viel an Süßigkeiten zufügt ist unbegründet, weil ein nachfolgender hoher Zucker vom Betroffenen meist wieder korrigiert werden kann.

Anders liegt die Situation, wenn der Angehörige das Bewusstsein verloren hat.
Die wichtigste Reaktion ist zuallererst selbst Ruhe zu bewahren. Als Angehöriger soll man mit klarem Kopf die nächsten Handlungen setzen können.

Wichtig: versuchen Sie ruhig und handlungsfähig zu bleiben!

Zuerst bringt man den Bewusstlosen in die Seitenlage, damit ein Ersticken am eigenen Erbrochenen verhindert wird. Die weiteren Erste Hilfe Schritte, wie aufrechte Atmung und vorhandener Puls, sollen geprüft werden.
Als nächsten wichtigen Schritt messe ich den Blutzucker. Ist der Blutzucker niedrig (eventuell unter 60mg/dl), dann kann man dem Bewusstlosen Honig in den Zwischenraum zwischen Wange und Zähne geben. Durch die Mundschleimhaut nimmt der Körper den Zucker auf und der Angehörige kann wieder in den Zustand der Ansprechbarkeit gebracht werden.

Bei ganz niedrigen Zuckerwerten (unter 50 und darunter) ist die Verwendung von „GlucaGen – Hypokit“ möglich. Die GlucaGen Gabe wird unter die Haut gespritzt und aktiviert den vorhandenen Zucker der Leber. Der Angehörige wird nach der Gabe von GlucaGen nach zirka 10 Minuten bis zu einer Viertelstunde zu sich kommen und kann dann etwas Süßes zu sich nehmen.

Hilfsmaßnahmen vorab einüben!

Das Arzneimittel „GlucaGen – Hypokit“ sollte bei Diabetikern mit häufigen Hypos immer im Kühlschrank vorrätig sein. Wichtig ist für die Angehörigen sich im Vorfeld ohne Stress mit der Anwendung des Mittels zu befassen und zu üben.

Das Medikament bekommt man über den Hausarzt.

Zum Abschluss der Überlegungen noch ein Wort zur gesetzlichen Verantwortung. Eingriffe in den Körper einer anderen Person sind nur unter besonderen Bedingungen (Arzt) erlaubt. Allerdings darf man in einer Situation eines Bewusstlosen annehmen, dass diese Person stillschweigend die Zustimmung gegeben hätte, wenn er dadurch wieder zur eigenen Handlungsfähigkeit gebracht wird.

Die Ausführungen entstammen meiner Erfahrung und sind nicht als medizinische Anleitung zu verstehen. Aber es ist wichtig, dass sich Angehörige eines Diabetikers schon vor dem Eintreten eines Notfalls überlegen, was in einem solchen Fall (bei hohem persönlichen Stress) unternommen werden kann.

Abschließend gilt aber: Der Ruf nach einem Arzt ist immer richtig!

Foto: © Privat

MMag. Rudolf Stimmeder, MA.BA.

3860 Heidenreichstein, Schremserstrasse 7

E-Mail: rudolf@stimmeder.info
Web: www.aktive-diabetiker.at




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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 27.02.2018 - 11:37 Uhr

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