Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

Nachhaltig abnehmen mit Diabetes – ein Kampf gegen Windmühlen?

Eine Verringerung des Körpergewichtes erfordert die Änderung bisheriger Gewohnheiten. Der Schlüssel liegt in der Art der Umsetzung und in der Dauer.

Mit Widerwillen betrachtet Claudia S.* das Glas mit der grünen Flüssigkeit vor sich.
„Noch zwei Tage muss ich das Zeug runterkriegen. Dann ist diese Qual endlich vorbei. Hoffentlich hat es was gebracht.“

Diese und ähnliche Gedanken gehen ihr seit dem 4. Tag der Detox-Kur durch den Kopf, wenn es wieder Zeit für einen der fünf Drinks, die sie täglich statt fester Nahrung zu sich nehmen muss, ist. Die 8-tägige Kur hat ihr eine Freundin empfohlen, die damit „sagenhafte Erfolge“ erzielen konnte. „Stell dir vor! 5 Kilo weg in 8 Tagen!“

Claudia S. hat den Tipp gerne angenommen. Zu oft hat sie schon mit diversen Diäten versucht, ihr Gewicht zu reduzieren – die mahnenden Worte ihres Diabetologen im Ohr, dass schon einige Kilos weniger eine bessere Blutzuckereinstellung zur Folge hätten. Und Claudia S. hat große Angst vor den Spätschäden, die ihre Diabeteserkrankung mit sich bringen kann.
Während der ersten Tage des Saft-Fastens hat sie sich auch noch sehr wohl gefühlt, sie war motiviert durch die drei Kilo weniger, die sich bereits an Tag 3 auf der Waage präsentierten. Jetzt plagen sie Kopfschmerzen, Müdigkeit und sie hätte so gerne wieder etwas Festes zwischen den Zähnen.
„Wenn ich das durchgestanden habe, gönn ich mir erst einmal eine frische Semmel mit Butter und Marmelade. Die hab ich mir dann aber auch verdient… Obwohl – nehm‘ ich dann nicht gleich wieder zu? Die Zuckerwerte werden auch wieder ordentlich hinauf gehen…“

Claudia S. ist frustriert. Irgendwie scheint das mit dem Abnehmen nie zu klappen. Das Gewicht steht mittlerweile auch und die Blutzuckerwerte sind nicht so weit hinunter gegangen, wie sie es sich erhofft hatte. Noch dazu ist diese Kur ziemlich teuer, fast 300 Euro kosten die Drinks für 8 Tage.
Frau S. hat schon eine ausgeprägte „Diätkarriere“ hinter sich. Bereits vor der Diagnose ihres Diabetes mellitus Typ 2 machte sie immer wieder Diäten, um ihr Übergewicht zu reduzieren. Meistens hatte sie mit ihren Versuchen ganz guten Erfolg, einmal konnte sie das erreichte Gewicht sogar fast ein Jahr halten. Aber jedes Mal kam es zum berühmten Jojo-Effekt. Die Zahl auf der Waage ging mehr oder weniger schnell wieder nach oben und meist zeigte sie am Ende sogar mehr an als vor der Diät.
Sie hat in den letzten Jahren viel Zeit, Energie und Geld in ihre Abnehmversuche investiert. Seit der Diabetesdiagnose wurde ihre Motivation noch stärker – oder besser gesagt die Angst, was passieren könnte, wenn es nicht endlich klappt.
Bei jedem Arztbesuch spricht ihr Arzt das Übergewicht an und Claudia S. ist ja motiviert, aber irgendwie scheint der Knoten nicht zu platzen. Je mehr sie sich bemüht, desto schwieriger wird es. Als ob ihr Körper gar nicht mehr abnehmen mag. Sie muss immer strengere Diäten durchführen, um überhaupt noch ein paar Kilos loswerden zu können.

Gute Blutzuckereinstellung ist sehr wichtig!

Wie Claudia S. geht es vielen Abnehmwilligen – ganz gleich ob Sie zusätzlich unter Diabetes leiden oder nicht. Die Herausforderung für DiabetikerInnen besteht darin, dass die Blutzuckereinstellung einen Einfluss auf die gesunde Gewichtsreduktion hat. Oder anders gesagt – zu starke Blutzuckerschwankungen und/oder ein HbA1c > 8% erschweren den Weg zum Erfolg.
Eine Voraussetzung, gesund und nachhaltig abnehmen zu können, ist es, den Blutzucker in akzeptable Bahnen zu bringen. Sollte Ihnen eine ausgeprägte Insulinresistenz im Weg stehen, können kurzfristige diätetische Maßnahmen (z.B. Hafertage, Leberfasten o.ä.) eine Verbesserung bringen und die anschließende Ernährungsumstellung erfolgreicher machen. Diese sollten jedoch nur nach ärztlicher Absprache durchgeführt werden, weil sie an die jeweilige Medikation angepasst werden müssen.

Das Geschäft mit Diätdrinks, vermeintlich optimalen Fastenkuren und speziellen Ernährungsweisen zur Gewichtsreduktion blüht und der Markt wird immer größer.

Wie findet man im Dschungel der Angebote nun die passende Ernährungsform?
Als nachhaltig sinnvoll hat sich eine langsame Ernährungsumstellung erwiesen, die auf die jeweilige Person und ihre Lebenssituation abgestimmt werden sollte. Hilfreich kann professionelle Unterstützung wie z.B. Therapie-aktiv – Schulungen für Typ 2-DiabetikerInnen, ein Reha-Aufenthalt und/oder eine diätologische Begleitung sein.
Radikale Umstellungen im Ernährungs- und Bewegungsverhalten sind meist nicht lange durchzuhalten und lassen wenig Spielraum für Alternativen im Alltag.
Und genau das ist auch der Grund, wieso die meisten Diätkonzepte mit Misserfolg enden. Sie passen sich nicht dem eigenen Leben an. Sobald man „aus dem Konzept“ kommt, verfällt man allzu leicht wieder in ursprüngliche Verhaltensmuster.

Ernährungsberatung erleichtert den Weg zum gewünschten Ziel!

Ernährungsmedizinische Beratung wird immer individueller.
Anhand der aktuellen Situation, bisherigen Ernährungsgeschichte und den persönlichen Zielen werden Maßnahmen erarbeitet, die nach und nach in den Alltag eingebaut werden. Der Blutzuckerverlauf wird dabei mit berücksichtigt.
Bisherige positive Erfahrungen mit Diätversuchen werden bewertet und erfolgreiche Elemente in die neue Ernährungsweise eingebaut.
Dass für eine Änderung des Körperfettanteils bzw. –gewichts eine Änderung der bisherigen Gewohnheiten notwendig ist, steht außer Frage. Der Schlüssel liegt in der Art der Umsetzung und vor allem in der Dauer. Auch wenn wir gerade zu Beginn eines Diätversuchs hochmotiviert sind und am liebsten alles auf einmal ändern möchten, führen kleine Schritte über einen längeren Zeitraum eher zum Erfolg. Der Vorteil dabei ist, dass wir eher „dran bleiben“ und ungeplante Situationen uns nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen.

Bedenken Sie, dass es in den meisten Fällen einige Zeit gedauert hat zuzunehmen. Gesundes Abnehmen dauert ebenso seine Zeit und das Halten des erreichten Gewichts ist die nächste Aufgabe, der Sie sich stellen müssen.
Streben Sie eine Abnahme von ein bis zwei Kilo Körpergewicht bzw. einem halben bis einem Kilo Körperfett monatlich an. Die Messung Ihrer Körperzusammensetzung bei Beginn der Umstellung kann hierbei behilflich sein.

Folgende Tipps können Ihnen helfen, Ihre Ernährung langsam Schritt für Schritt umzustellen.
Bitte beachten Sie, dass es sich dabei um allgemein gehaltene Empfehlungen handelt, die im Einzelfall auch anders ausgelegt werden müssen.

  • Lernen Sie Ihr Verhalten kennen!
    Ein Ernährungstagebuch über 1-2 Wochen kann Ihnen einen Überblick über Lebensmittelauswahl, Ernährungsgewohnheiten und eventuelle Muster geben, die sich im Alltag wiederholen. Erfassen Sie dabei auch die Getränke und die Trinkmenge. Notieren Sie Bewegung (Sporteinheiten, Schritte) und Blutzuckerwerte.
  • Beurteilen Sie Ihre Aufzeichnungen!
    Nehmen Sie sich in Ruhe Zeit, Ihre Aufzeichnungen durch zu sehen. Was fällt Ihnen auf? Erkennen Sie Potential für Veränderungen, die Ihnen beim Abnehmen helfen können?
    Wenn Sie unsicher sind, kann Ihnen eine diätologische Beratung dabei helfen.
  • Setzen Sie realistische, messbare Ziele!
    Nehmen Sie sich nicht mehr als 2-3 Ziele auf einmal vor und setzen Sie bewusst kleine Schritte.
    z.B. Ich gehe täglich 5.000 Schritte (wenn Sie zuvor maximal 4.000 Schritte geschafft haben).
    Ich trinke keine zuckerhaltigen Durstlöscher mehr.
    Ich trinke täglich 1 Glas mehr als bisher.
  • Reflektieren Sie Ihre Ergebnisse!
    Nach ca. 2 Wochen ist es Zeit, Bilanz zu ziehen.
    Wie gut konnten Sie Ihre Vorsätze in den Alltag integrieren? Hat es geklappt? Hervorragend! Dann machen Sie damit weiter. Gab es Probleme? Aus welchem Grund, wie könnte man diese beheben? Was konnten Sie erreichen? Erfolgsfaktoren können neben Gewichtsverlust auch eine bessere Schlafqualität und Verdauung sein.
  • Haben Sie Geduld!
    Veränderungen, so logisch und sinnvoll sie auch klingen mögen, sind nicht immer einfach umzusetzen. Rückschläge gehören dazu. Sehen Sie sie als Erfahrung an und lernen sie daraus.
  • Holen Sie sich Unterstützung!
    Je mehr Menschen, die Sie unterstützen können, von Ihrem Vorhaben wissen desto besser.

* Claudia S. ist eine erfundene Patientin. Sollten Sie sich in ihr (teilweise) wieder erkennen, so ist dies beabsichtigt und erwünscht.

Foto: © Privat

Anna Moor
BEd MSc nutr. med., Diätologin, Diabetesberatung,
ernährungskonzept – diätologische praxis
Wien – Südburgenland

Telefon: 0699 / 186 637 04

E-Mail: ernaehrungskonzept@gmx.at
Web: Externer Linkwww.ernaehrungskonzept.eu




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 26.04.2018 - 12:03 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien