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Typ 1 Diabetes

Diabetes mellitus Typ 1 ist gekennzeichnet durch eine fortschreitende Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen in den Langerhansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse (Pankreas).

Der Typ-1-Diabetes tritt bevorzugt in jüngeren Lebensjahren auf, kann sich jedoch auch im späteren Lebensalter manifestieren.
Meist beginnt er abrupt, mit plötzlich einsetzenden Beschwerden.

Was bewirkt der daraus folgende Insulinmangel im Körper?

Es kommt im Kohlenhydratstoffwechsel zu einer erhöhten Blutzuckerkonzentration (Hyperglykämie). Der Körper versucht den überschüssigen Zucker über die Nieren auszuscheiden.
Daraus erklären sich die Symptome wie häufiges Harnlassen (Polyurie), quälender Durst (Polydipsie) und Austrocknung (Dehydratation bis Exsikkose), der begleitende Elektrolytverlust kann auch zu Muskelkrämpfen führen.

Häufig bemerkt werden auch Sehstörungen (die hohen Blutzuckerkonzentrationen führen zu einer Quellung der Augenlinse mit Veränderung der Brechkraft).

Im Fettstoffwechsel bewirkt der Insulinmangel einen Anstieg der freien Fettsäuren im Blut, der Körper versucht über den Fettabbau Energie zu gewinnen. Nachfolgend kommt es dann zu einer zunehmenden Produktion von Ketonkörpern, die zu einer lebensgefährlichen Übersäuerung (Ketoazidose) führt. Diese Stoffwechselentgleisung erkennt man an Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen. Der Körper versucht die sauren Ketone über die Atemluft loszuwerden, typisch ist dann ein Atemgeruch nach fauligem Obst oder Nagellackentferner (Aceton).
Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Schläfrigkeit und einer tiefen Bewusstlosigkeit.

Im Proteinstoffwechsel führt Insulinmangel zu einer katabolen Stoffwechselsituation (Muskelabbau). Typische Folgen sind eine Muskelschwäche, Abgeschlagenheit, ein deutlicher Leistungsknick und gehäuft Infekte (auch Pilzerkrankungen).

Der fast immer auftretende Gewichtsverlust bei der Erstdiagnose entsteht durch die Kombination aus Polyurie (Wasser und Zuckerausscheidung), Fett- und Muskelabbau.
Verdächtig ist die Aufnahme großer Mengen (6-7 Liter) an Flüssigkeiten (oft große Lust auf zuckerhaltige Getränke) – ohne damit das Durstgefühl zu reduzieren.

Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich – der Insulinmangel entwickelt sich entweder sehr schnell innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten oder erstreckt sich über Jahre.

Diabetes mellitus 1 ist nicht heilbar, dennoch ist ein fast normales Leben möglich.

Ursache ist eine fortschreitende Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse.

Man unterscheidet 2 Typen:
Typ-1a (Zerstörung durch das körpereigene Immunsystem)

und Typ-1b (Zerstörung aus (noch) unbekannter Ursache).

Beim Typ-1a lassen sich im Blut einzelne oder mehrere Arten von Antikörpern nachweisen:
Inselzellantikörper (ICA), Insulinautoantikörper (IAA im Kindesalter, nicht bei Erwachsenen), Antikörper gegen Glutamat-Decarboxylase der B-Zelle (GAD 65 A), Antikörper gegen Tyrosinphosphatase (IA-2) oder gegen den Zink Transporter 8 der B-Zelle (ZnT8).

Die genetische Veranlagung spielt auch eine Rolle. Etwa 10% der Erkrankten haben eine positive Familienanamnese (d.h. es finden sich Erkrankte im engeren Familienkreis), 90% weisen charakteristische genetische Muster auf (starke Assoziation mit bestimmten HLADR/DQA sowie HLADR/DQB-Allelen).

Beim Typ-1b (idiopathischer Typ 1 Diabetes) kann keine Ursache für die Zerstörung gefunden werden, Antikörper lassen sich keine nachweisen.

Häufigkeit in Österreich – Zahlen
5-10% aller Diabetes Patienten weisen eine Diabetes mellitus 1 auf, dies sind in Österreich ca. 30.000 Personen.

Jährlich erkranken ca. 300 – 400 Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre neu an Diabetes mellitus 1 (1990 waren es noch ca. 200).
2017 ging man von rund 4.000 Kinder – und Jugendlichen Typ-1-Diabetikern in Österreich aus.
Die Zahlen haben sich in den letzten 10 Jahren beinahe verdoppelt.

Die weltweit dramatische Zunahme und das immer weiter absinkende Alter des Auftretens stellen eine Herausforderung für das Gesundheitswesen dar.

Andere Autoimmunerkrankungen
Patienten mit Typ-1a-Diabetes haben auch ein erhöhtes Risiko andere Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Dazu gehören Schilddrüsenerkrankungen (z.B. Hashimotothyreoiditis, Morbus Basedow), Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), Zöliakie (Unverträglichkeit des Klebereiweißes von Getreide), Morbus Addison (Nebennierenschwäche), …
Bei den regelmäßigen ärztlichen Kontrollen sollte daher auch auf diese Erkrankungen geachtet werden (Schilddrüsenkontrollen, Ausschluss von Zöliakie,…)

Diagnosestellung
Bei Kinder- und Jugendlichen gelten dieselben diagnostischen Kriterien wie bei Erwachsenen.

Hoher Messwert.

Typische Symptome und ein Blutzucker von > 200 mg/dl (auch nicht nüchtern) oder ein Nüchternblutzuckerwert von > 126 mg/dl gelten als beweisend.

Therapie
Die lebenslange Zufuhr von Insulin ist lebensnotwendig, entweder mithilfe eines Pens oder über eine kontinuierliche Insulinzufuhr mithilfe einer Pumpe.

Lebenslange Zufuhr von Insulin ist unumgänglich!

Bei der Insulintherapie mit Pens werden zwei unterschiedliche Insulinarten verwendet. Eines zur Abdeckung des basalen Insulinbedarfs (auch ohne Essen wird Insulin benötigt) mit einer langen Wirkdauer (wird einmal täglich gespritzt). Getrennt davon zur Mahlzeit und zum Korrigieren von hohen Werten wird ein kurzwirksames Insulin verwendet.

Mithilfe der Insulinpumpe kann die körpereigene Insulinproduktion am besten nachgeahmt werden. Es ist nur eine Art von Insulin (schnell wirksam) in der Pumpe, dieses wird ununterbrochen abgegeben (vorprogrammierte Basalrate). Zu den Mahlzeiten oder zum Korrigieren wird „auf Knopfdruck“ die benötigte Insulinmenge noch zusätzlich über die Pumpe verabreicht.

Die Insulinpumpe wird über einen Schlauchkatheter außen am Körper getragen (keine Operation oder dergleichen ist notwendig!). Es gibt auch schlauchlose Modelle, die direkt auf die Haut aufgeklebt werden.

Zur Einstellung ist nicht unbedingt ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, die technische Schulung und das Anlegen der Pumpe können durchaus auch ambulant oder in einer Praxis durchgeführt werden.

Umfassende Wissensvermittlung ist nötig!

Wichtig sind nach der Diagnosestellung und nachfolgend lebenslang immer wieder Schulungen, um die Insulindosisanpassungen selbstständig durchführen zu können. Es muss daher Wissen über die Erkrankung, Ernährung, Bewegung und Sport, Insulininjektionstechniken, Hypoglykämien (Unterzucker), Ketoazidosen, Reisen, Schwangerschaft, Folgeerkrankungen, und vieles mehr vermittelt werden.

Therapieziele
Das HbA1c Ziel wird individuell festgelegt. Meist wird ein Ziel < 7,5% angestrebt, Blutzuckerziele sind vor dem Essen (präprandial 80-120 mg/dl), postprandial (bis 2 Stunden nach einer Mahlzeit) < 180 mg/dl.

Die individuelle Ziele sind je nach beruflicher Situation, Neigung zu Unterzuckerungen, Diabetesdauer, Alter, usw. anzupassen.

Ärztliche Begleitung
Die oft fehlende Akzeptanz der Erkrankung („Warum gerade ich?“), Angst vor Folgeschäden und/oder Unterzuckerungen, Rückschläge, Fehlen von Erfolgen, Hilflosigkeit bei schwankenden Werten, Unwissenheit der Umgebung („zu viele Süßigkeiten gegessen?“) etc. sind wichtige Aspekte bei der Betreuung.

Es gibt keinen Urlaub vom Diabetes. Daher muss auf eine vertrauensvolle Arzt-Patient-Beziehung geachtet werden, in der auch Raum und Zeit sein sollte, um über Belastungen und Ängste sprechen zu können.
Das Eingehen auf die Individualität des Einzelnen, der Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten sind wichtige Punkte und sollten wesentliche Bestandteile bei der Betreuung innerhalb des erfahrenen Diabetesteams sein.

Workshops in der Gruppe statt Schulungen mit Frontalvorträgen, Online-Module und die multimediale Aufbereitung werden in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Ebenso der Austausch in sozialen Medien.

Telemedizin wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

In Zukunft wird sicher die telemedizinische Betreuung an Bedeutung gewinnen.
Bürokratische Hürden können damit aus dem Weg geräumt werden (z.B. „Online-Bestellung“ von Rezepten und Verordnungen) und lange Wartezeiten in Ambulanzen gehören dann der Vergangenheit an.

Foto: © A. Balon

Dr. Andrea Bachl
Fachärztin für Innere Medizin,
Wiener Gebietskrankenkasse, Gesundheitszentrum Wien-Nord, Diabetesambulanz

1210 Wien, Karl-Aschenbrenner-Gasse 3,
Telefon: 01 / 60 122-40233

E-Mail: andrea.bachl@wgkk.at
Web: Externer Linkwww.wgkk.at, Externer Linkwww.dr-andrea-bachl.at




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