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Immer mehr Ärzte werden sich mit Insulineinsatz auskennen

Bitte um Lebenszeit

Wie alle Menschen, wollen auch wir DiabetikerInnen
ohne schwere Schäden so alt werden wie Nichtdiabetiker.

Qualität ist gefragt. Überlegungen zur Qualitätsverbesserung sind modern. Es gibt dafür im Rahmen unserer Gesundheitsverwaltung u. a. mehrere Einrichtungen. Einige sind historisch gewachsen, einige politisch gefordert und daher neu ins Leben gerufen, mit viel oder wenig Geld ausgestattet. Alle versuchen, die schwere Arbeit der im Gesundheitsbereich Beschäftigten und die Therapieziele bei uns, den PatientInnen, zu prüfen und zu durchleuchten.
Einige Namen dazu: GÖG (Gesundheit Österreich GmbH), BIQG (Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen), ÖBIG (Österreichisches Institut für Gesundheitswesen / Fonds Gesundes Österreich).

Messen an den Zielen

Unter Qualität wird dort „der Grad des Erfüllens patientenorientierter, transparenter, effektiver und effizienter Dienstleistungen in allen Sektoren des Gesundheitswesens verstanden“. Kurz gesagt: wenn Behandlungsergebnisse vorher formulierte Ziele erreichen, dann ist dies Qualität.
Der Gedanke ist super – nur kommen mir als gelerntem Österreicher und seit über zehn Jahren in diesem Bereich für uns DiabetikerInnen mitdenkender Patientenvertreter Zweifel über die Ziele und die Durchsetzbarkeit. Wieder eine neue Runde kluger und vor allem gut bezahlter Sachverständiger, welche den im jeweiligen Bereich hart Arbeitenden sagen, wie sie arbeiten sollen.

Patientenorientiert: wurden unsere Wünsche je gefragt?
Als von Diabetes Betroffene haben wir zwei Ziele: Wir wollen ohne schwere Schäden genauso alt werden wie Nichtdiabetiker, und wir wollen in unserem Leben von den Therapiemaßnahmen nicht allzusehr beeinträchtigt werden.

Ich habe gelernt, Entwicklungen positiv darzustellen (auch wenn ich vor Wut zerplatzen will). So hilft uns eine Therapielinie, „Therapie aktiv“ genannt, dass Ärzte mehr Zeit für uns haben, zu Qualität bei der Behandlung, zu zufriedenstellenden Behandlungsergebnissen. Die Krankenkassen bieten diese Linie an bzw. beginnen gerade damit.

Chance „Therapie aktiv“

Seit 2002 lief in Oberösterreich ein Versuch, genannt Diala, mit dem Ergebnis, dass die so betreuten Betroffenen nicht nur wesentlich bessere Lebensqualität erreichten, sondern im Durchschnitt um € 780 pro Person dem System billiger kamen als der Durchschnitt aller oberösterreichischen Diabetes-PatientInnen. Die Ideen dieses Versuches und die Arbeit einer Ärztegruppe in der Steiermark mündeten in dem Programm „Therapie aktiv“, und zur Zeit ist das Ergebnis: in Oberösterreich sind 6.064 Patienten betreut, und im übrigen Österreich (Stand 1.11.2010) sogar 15.306. Die Frage an „das System“: Wenn das Leid der Patienten schon ignoriert wird, sind dort die finanziellen Ergebnisse so gleichgültig, dass man auf Einsparungen in so gewaltigen Höhen einfach verzichtet? Natürlich kann man bei rund 700.000 DiabetikerInnen in Österreich nicht pro Kopf rund € 780 einsparen, jedoch müsste trotzdem eine gigantische Summe freizumachen sein. Und wenn die Patientenorientierung als Motiv des Handelns gewählt wird und nicht die Sicherung von Finanzquellen für die verschiedensten Teilnehmer im System, dann sage ich positiv denkend: bei einem Arbeitseinsatz seit 2002 ist es doch hervorragend, dass bereits 21.400 Patienten in die Wohltat dieses Programmes fallen und nicht mehr von den Voraussagen einer Studie über kürzere Lebenserwartung betroffen sind, die ich allen ans Herz legen möchte.

Grafik zur Lebenserwartung bei Diabetes

Foto: © Panzram G. Diabetologia 1987

In dieser Zusammenfassung aus verschiedenen Studien – und sie stammt bereits aus dem Jahr 1987 – sieht man nämlich, dass wir PatientInnen im allerschlechtesten Fall bis zu zehn Lebensjahre verlieren könnten, wenn die Therapie nicht richtig angewandt wird.

Neue Diabetesbetreuung

Wie profitieren nun PatientInnen mit Diabetes Typ 1 von diesem Programm:

  • Immer mehr Ärzte werden sich mit Insulineinsatz auskennen
  • Immer näher zu den PatientInnen kann daher eine neue Einstellung, eine Änderung der Diabetesbetreuung kommen
  • Auch Kinder werden vom Hausarzt der Familie betreut werden können, müssen viel seltener in die Klinik reisen – und vielleicht lernt auch einmal ein Kinderarzt dieses Programm, wird sattelfest bei der Insulingabe.

PatientInnenorientiert haben wir unsere Ziele formuliert: ohne Schäden gleich alt zu werden und von Therapiemaßnahmen nicht besonders beeinträchtigt zu sein. Ob allerdings diesen Stellen, die angetreten sind, die Qualität im Gesundheitsbereich zu verbessern, das Kunststück gelingt, die Dienstleistungen auf unserem Diabetes-Gebiet transparenter, effektiver und effizienter zu machen, müssen wir immer wieder fragen. Anderen Staaten in Europa gelingt dies vorzüglich.

Dr. Erich Wolfrum,
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“




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Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien