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Ein alter Mythos ist längst überholt

Kinderlos?

Wenn die Diabetikerin und das medizinische Fachpersonal gut zusammenarbeiten, hat die schwangere Diabetikerin zwar mehr Aufwand, aber dasselbe Ergebnis wie gesunde Frauen: Gesunde Babies!

Da sollte ich Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts lernen, dass die Typ-1-Diabetikerinnen auf Kinder verzichten sollen, während es gerade auch für sie endlich möglich geworden war, gesunde Kinder zur Welt zu bringen und dabei selbst gesund zu bleiben. Allerdings müssen sie selbst und das betreuende medizinische Personal einige Fakten umsetzen.

Schwangerschaft planen

Der erhöhte Blutzucker der Mutter bedingt für das Ungeborene ein deutlich erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten.

  • Erstes Schwangerschaftsdrittel: Fruchttod, diverse Missbildungen
  • Drittes Schwangerschaftsdrittel: Frühgeburten, zu starkes Wachstum auf Kosten der (Lungen-)Reifung, Geburtsverletzungen bei sehr großen, sehr schweren Kindern.

Abklärungsbedürftige Risikofaktoren sind mütterliches Alter über 40 Jahre, mütterliches Übergewicht, vorangegangener Schwangerschaftszucker, Kinder mit mehr als 4500 g Geburtsgewicht, gehäufte Fehlgeburten, kindliche Fehlbildungen, Diabetessymptome (übermäßiger Durst, häufiger urinieren,…).
Typ-1-Diabetikerinnen sollten vorsorglich eine Schwangerschaft planen, um durch Stoffwechseloptimierung bestmögliche Voraussetzungen für ihr Kind zu schaffen: HbA1c im Normbereich und gute Zielwerte (siehe unten). Erhöht wird die Frequenz auf acht bis zehn Messungen bei entsprechender Ernährung mit fünf bis sechs kleineren Mahlzeiten pro Tag und laufender Anpassung der Insulindosis.
Wenn die Blutzuckerziele bei Typ-2- und Schwangerschaftsdiabetes mit Ernährungs- und Bewegungsmaßnahmen nicht erreichbar sind, muss die Einstellung auf Insulin erfolgen. Fasten ist keine Alternative zur Insulintherapie. Über Sport und Bewegung muss der Geburtshelfer im Einzelfall entscheiden.

Strenge Zuckereinstellung

Gerade rund um den Entbindungstermin ist eine strenge Zuckereinstellung besonders wichtig. Wird die Nabelschnur durchtrennt, fällt die Versorgung mit mütterlichem Zucker für das Neugeborene plötzlich weg; Da seine Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion an die mütterliche Zufuhr angepasst hatte, ist das Risiko einer (bedrohlichen) Unterzuckerung für das Kind umso größer, je höher der mütterliche Zucker zuletzt war.

Ich habe viele diabetische Schwangere betreut und bin mittlerweile stolze „Vize- Mami“ von sicher 100 ihrer Kinder. Meine eigene Tochter (zum Zeitpunkt ihrer Geburt hatte ich eine Diabetesdauer von 32 Jahren) ist acht Jahre, eine gute Schülerin, aufgeweckt, fröhlich und gesund.

Bestmögliche Voraussetzungen durch Stoffwechseloptimierung

Blutzucker-Zielwerte: Nüchtern unter 95 mg/dl, eine Stunde nach einer Mahlzeit unter 140 mg/dl, zwei Stunden nach einer Mahlzeit unter 120 mg/dl.

Schlechte Zuckerstoffwechsellage in der Schwangerschaft stellt ein sehr hohes Komplikationsrisiko für die Mutter und das (ungeborene) Kind dar. Lückenlose Suche, rechtzeitige Diagnose und individuell angepasste Therapie sind unabdingbar.

Foto: © Andraschko

Dr. Susanne Kurzemann
Internistin und Diabetesspezialistin





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Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien