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Auch zu wenig Zucker kann gefährlich sein!

Teufel und Belzebub

Aufpassen müssen DiabetikerInnen, wenn sie sich am Rande der Unterzuckerung bewegen. Und körperfremdes Insulin kann Krebs begünstigen. Daher: Nicht zu viel davon!

Die Befürchtungen über verstärktes Auftreten von Krebserkrankungen bei Insulinanaloga wurden nicht bestätigt. Die Zusammenfassung der Stellungnahmen der Nationalen Diabetesgesellschaften zu diesem Thema, auch in PatientInnensprache, finden Sie auf unserer Webpage Externer Linkwww.diabetesFIT.org.

Die Studien zeigen allerdings, dass Typ 2 Diabetes verstärkt mit erhöhtem Krebsaufkommen assoziiert ist.
Mit großer Wahrscheinlichkeit liegt das am zugrundeliegenden Mechanismus dieser Erkrankung, der fehlenden Insulinwirkung (Insulinresistenz) und den daraus resultierenden hohen Insulinkonzentrationen im Blut.
Interessanterweise zeigt Metformin, das wichtigste Medikament bei Typ 2 Diabetes, eine schützende Wirkung. Metformin bewirkt eine verminderte Zuckerproduktion durch die Leber, dadurch eine Senkung des Insulinbedarfes und auch eine gewisse Verbesserung der Insulinresistenz.
Gerade bei Typ 2 Diabetes ist die regelmäßige Einnahme von Metformin von Bedeutung, um die langfristige Prognose zu verbessern. Metformin wird daher auch nach Einleitung der Insulintherapie weiter eingenommen.

Vorsicht vor Hypo!

Die häufigste und therapielimitierende Komplikation ist die Unterzuckerung. Als Hypoglykämie bezeichnet man den Blutzuckerabfall unter 50 mg/dl mit den klassischen Symptomen wie Schweißausbrüche, Zittern etc. Obgleich ein Unterzucker mit raschwirksamen Kohlenhydraten oder Traubenzucker schnell behandelt werden kann, entwickeln 10 bis 20 % aller Typ 1 Diabetiker Unterzuckerungen mit Verwirrtheit und/oder Bewusstseinsverlust.

PatientInnen mit erhöhtem Hypoglykämierisiko zeigen folgende Eigenschaften:

  • Schwere Hypoglykämie in der Vorgeschichte (mehrfach)
  • Lange Krankheitsdauer
  • Niedriges Gewicht (Untergewicht)
  • Niereninsuffizienz
  • Hautveränderungen durch Spritzen wie Lipohypertrophie
  • Häufig Perfektionismus – unrealistische Ziele bei der Erreichung guter Blutzuckerwerte
  • Zu aggressive Korrekturen
  • Häufig auch Merkmale von Attention Deficit Syndrom und daraus resultierende Probleme mit Management von Zeit und Gegenständen.
    Betroffene und ihre Angehörigen stehen meist unter erheblichem Druck mit Angst vor Versagen in Schule oder Beruf.

Vorsorgeschulungen

Die therapeutische Konsequenz für diese PatientInnengruppe ist die Wahl eines höheren Blutzuckerziels und somit Erhöhung der HbA1c Werte. Strikte Vermeidung von selbst leichten Unterzuckerungen ist für diese PatientInnengruppe von größter Bedeutung, um die Hypoglykämiewahrnehmung zu verbessern. Speziell für diese Gruppe werden Hypoglykämiepräventionsschulungen regelmäßig angeboten.
Die wichtigsten Therapieänderungen unter funktioneller Insulintherapie beinhalten folgende Schritte:

Regeln kennen

1. Umstellung auf Insulinanaloga
2. Erhöhung des Korrekturzielpunktes und Zielbereiches für mittlere Blutglukose
3. Wahl eines angemessenen Korrektur-algorithmus („1 Einheit Insulin senkt meinen Blutzucker um ….“), um Überkorrekturen zu vermeiden.
Weiters wird gerade dieser PatientInnengruppe von der Verwendung kurzwirkender Verzögerungsinsulinen (NPH) spät vor dem Schlafengehen abgeraten, um den nächtlichen Unterzuckerungen vorzubeugen.

FIT beim Kinderkriegen

Die FIT geschulten Patientinnen unserer Forschungsgruppe zeigen die besten Schwangerschaftsergebnisse der Welt: Die gefürchteten Komplikationen von Diabetes und Schwangerschaft, wie

• Missbildungen
(Frühschwangerschaft: über 4 % bei Diabetes gegenüber 1 bis 2 % bei Normalbevölkerung)
• und Makrosomie
(Riesenbabies und postnatale Hypoglykämie bei Neugeborenen als Folge der unzureichenden Einstellung in der Spätschwangerschaft nach der Woche 28, kommen immer noch bei der Hälfte der diabetischen Schwangeren vor)
können durch FIT Schulung über Früh- und Spätschwangerschaft auf nun normale Zahlen der Normalbevölkerung gesenkt werden. In der Frühschwangerschaft geht es um Verständnis für die Anlage der Organe beim Embryo.

Zucker, Blutdruck, Blutfett

Die Zeiten der „glukosezentrischen“ Diabetestherapie sind endgültig vorbei. Wie von uns seit 1987 konsequent umgesetzt, zeigt sich, dass nicht die Blutzuckerkontrolle allein für die etwaigen Folgeschäden der PatientInnen von Bedeutung ist, sondern zusätzlich Blutdruck und Blutfette häufig maximal therapiert werden müssen, um das Auftreten oder Fortschreiten der Schäden zu verhindern. Es lohnt praktisch bei jedem genügend lange lebenden Diabetiker, die Möglichkeiten der einschlägigen Selbstmessung, der nicht-medikamentösen Beeinflussung und vor allem der Medikamentenklassen, der Dosierungen und/oder der Wege der Selbstanpassung bei Hypertonie (Bluthochdruck) und/oder Hyperlipidämie (Blutfette erhöht) zu lernen. Und: Auf die medizinischen Kontrollen darf in keinem Fall verzichtet werden, selbst bei den am besten Geschulten nicht.

Univ.-Prof. Dr. Kinga Howorka, M.D., MBA, MPH, Rehabilitation-Engineering, Diabetes Research
an der Wiener Medizinischen Universität




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Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien