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Diabetes scheint Frauen besonders zu gefährden

Frauen sind anders

Frauen leben länger, verbringen aber weniger Jahre in Gesundheit als Männer. Prävention und Früherkennung sind besonders wichtig.

Der junge Forschungsbereich Gendermedizin ist ein innovativer Zugang zur maßgeschneiderten Medizin mit umfassender, differenzierter Betreuung für Mann und Frau in allen Lebensphasen. Zielgerichtete Behandlung und weniger Komplikationen führen zu zufriedeneren PatientInnen, besserer Therapietreue und besserer medizinischer Qualität.

Ein wichtiges Anliegen der Gendermedizin ist deshalb der ganzheitliche Ansatz mit Berücksichtigung der biologischen (organischen) Gegebenheiten, der psychischen Situation, der sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Einflüsse und die Förderung der Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung.

Generell leben Frauen länger, sind aber auch oft kranker und verbringen weniger Lebensanteil in guter Gesundheit als Männer. Daher sind mehr Präventions- und Früherkennungsmaßnahmen nötig. Diabetes ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen. Obwohl im jüngeren Lebensalter Männer etwas häufiger Diabetes entwickeln, sind wegen der hohen Rate im Alter insgesamt mehr Frauen betroffen.

Der Diabetes ist wegen der vielen geschlechtsspezifischen Unterschiede (z. B. Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) ein neues, besonders interessantes Forschungsgebiet der Gendermedizin für Diagnose, Krankheitsverlauf und Therapie. Biologische Unterschiede, Lebensstil, Sozialstatus und Umwelt spielen eine große Rolle.

Diabetes scheint Frauen ganz besonders zu gefährden. Diabetikerinnen haben immer noch ein drei- bis siebenfach erhöhtes Risiko verglichen mit Nicht-Diabetikerinnen, während es für Männer nur zwei- bis dreifach erhöht ist. Das Risiko hängt natürlich auch maßgeblich von der Stoffwechseleinstellung und begleitenden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Störungen im Fettstoffwechsel und (meist stillem) Entzündungsgeschehen ab.

Mehr Risikofaktoren

Frauen sind teilweise auch schlechter behandelt: Sie haben schlechtere HbA1c-Werte und vor allem nach der Menopause höhere Cholesterinspiegel und Blutdruckwerte. Herzinfarkte werden bei ihnen seltener und später erkannt, weil Frauen statt der „typisch männlichen“ häufig vegetativen Symptome vorerst andere Verdachtsdiagnosen zeigen: Abgeschlagenheit, Übelkeit, Erbrechen, Schwächegefühl, Rückenschmerzen oder Bauchschmerzen.
Auch die Frauen selbst nehmen ihre Symptome nicht ernst und warten zu lange, bevor Hilfe gesucht wird. Bei Frauen mit Diabetes sind Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche häufigste Todesursachen. Geschlechtsspezifische Krebserkrankungen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie andere Erkrankungen des Nervensystems finden wir bei Diabetikerinnen häufiger.

Diabetes und seine Vorstufen haben bei Frauen zu Beginn oft eine andere Ausprägung mit stärkerer Erhöhung der Blutzuckerwerte nach Mahlzeiten und weniger im Nüchternzustand. Zur Erkennung benötigt man oft einen Zuckerbelastungstest bzw. Blutzuckerprofile.
Ernährungsstörungen und gesundheitsschädigendes Essverhalten, zusätzlich Übergewicht, sind klassische Risiken bei Frauen im mittleren und höheren Lebensalter.
Starkes Übergewicht (Adipositas) ist nicht nur psychisch ganz besonders belastend, sondern auch gerade bei Frauen mit vielen Krankheitsrisiken – wie eben dem Typ 2 Diabetes – verbunden.
Die Schwangerschaft ist bei Diabetikerinnen mit verschiedenen Risiken behaftet. Weil immer mehr berufstätige Frauen erst später eine Schwangerschaft planen, ist eine Abklärung auf Diabetes nötig. Manifestierte Diabetikerinnen brauchen spezielle Vorbereitung und Schulung.

Spezialisierte Zentren

Dabei ist die Betreuung und Entbindung an einem spezialisierten Zentrum anzuraten. Der Schwangerschaftsdiabetes mit der Gefahr von Komplikationen in der Schwangerschaft und chronischer Erkrankungen im späteren Leben der Kinder betrifft ca. 20 % der Schwangeren.Notwendig: langfristige ärztliche Überwachung, individuelle Therapie.

Eigene Frauengesundheitszentren versuchen, den spezifischen Frauenbedürfnissen mit speziellen Angeboten gerecht zu werden. Neu und bisher als Modellprojekt einmalig, gibt es seit Kurzem im Kamptal ein eigenes Gesundheitsresort nur für Frauen – Externer Linkwww.lapura.at. Es bietet neben angenehmem Ambiente und breitem Angebot an Entspannungs- und Regenerationsmethoden, besonderer Diät und verschiedensten Bewegungstherapien vor allem für Frauen zugeschnittene Gesundheitskonzepte nach neuen Erkenntnissen der Gendermedizin und ganzheitlichem interdisziplinärem und komplementärmedizinischem Ansatz. Wichtige Schwerpunkte sind Adipositas, Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes. Gerade für Frauen mit Diabetes oder hohem Diabetesrisiko ist es wichtig, Stress zu reduzieren, sich ausreichend Zeit für sich selbst zu nehmen, sich umfassend mit der Behandlung der Erkrankung und der begleitenden Risikofaktoren auseinanderzusetzen und in einem vertrauensvollen Verhältnis zu ÄrztInnen gemeinsam passende Therapiekonzepte zu entwickeln.
Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer

Foto: © privat

Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer
Expertin für Endokrinologie und Stoffwechsel an der Wiener Medizinischen Universität, ist die erste Professorin für Gender Medicine in Österreich. Sie hat an zahlreichen FEMtech Projekten des Innovationsministeriums mitgewirkt.

E-Mail: alexandra.kautzky-willer@meduniwien.ac.at




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Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien