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Gesundheit für Seele und Körper - das Bio-Psycho-Soziale Modell

Warum manche Menschen besser mit belastenden Krankheiten umgehen können als andere, erklärt die Psychosomatik-Spezialistin.

Schon lange war bekannt, dass Zusammenhänge zwischen seelischen und körperlichen Vorgängen bestehen. Vor mehr als 150 Jahren wurde erstmals der Begriff Psychosomatik verwendet.
Gängige Ausdrucksweisen im Alltag, wie z. B: „das hat sich mir auf den Magen geschlagen“ oder „vor Schreck wäre mein Herz fast stehen geblieben“ zeigen, dass Wechselwirkungen zwischen Seele und Körper allgemein bekannt sind.

Die Psychosomatik beschäftigt sich mit dem Einfluss von seelischen Vorgängen auf körperliche Erkrankungen und versucht, diese Zusammenhänge auch wissenschaftlich zu belegen.
Das führte dazu, dass Krankheiten in psychosomatische und nicht-psychosomatische eingeteilt wurden. Aus diesem Grund wurde dann der etwas sperrige Begriff „Bio-Psycho-Soziales Modell“ eingeführt. Es beschreibt, dass bei der Entstehung und dem Verlauf einer Krankheit seelische, soziale und kulturelle Faktoren eine Rolle spielen können. Dies unterscheidet sich natürlich von Person zu Person und hängt von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise der Lebensgeschichte, verschiedener Lebensumstände oder aktuell belastender Ereignisse ab.

Gleich – und doch anders

Herr F., 55, lebt mit seiner Gattin. Sein Vater ist seit langem insulinpflichtiger Dia-betiker. Bei Familientreffen wurde bereits immer wieder das Thema Zuckerkrankheit angesprochen. Als sein Hausarzt ihm mitteilt, dass sein Blutzuckerwert erhöht ist, ist er zwar unglücklich, aber durch seine Familiengeschichte bereits mit dem Thema vertraut. Er ändert seinen Lebensstil durch gesündere Ernährung und mehr Bewegung. Die Diabeteseinstellung verläuft von Anfang an zufriedenstellend.

Herr M., ebenfalls 55, jedoch alleinstehend und seit Kurzem unverschuldet arbeitslos, hat bereits seit längerer Zeit den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen. Als sein Hausarzt ihm mitteilt, dass er erhöhte Blutzuckerwerte hat, möchte er davon zunächst gar nichts wissen. Er besucht weiterhin sein Gasthaus, das Hausmannskost anbietet und wo auch viele seiner sozialen Kontakte stattfinden.

F. und M. sind gleich alt und Diabetiker. F. kennt sich aus, verfügt über eine stabile Familiensituation und gute soziale Kontakte. Er kann daher die Diagnose annehmen und seinen Lebensstil ändern. M. dagegen wird davon überrascht in der Situation einer Kränkung – des unverschuldeten Arbeitsplatzverlusts. Bei Familie und sozialem Umfeld findet er keinen Rückhalt und leidet unter der Diagnose.

Es gibt viele Möglichkeiten, Krankheitsbewältigung und -verlauf bei PatientInnen mit Diabetes günstig zu beeinflussen. Das wird umso erfolgreicher gelingen, je besser dabei das Zusammenspiel von seelischen, sozialen und kulturellen Faktoren berücksichtigt wird.

Foto: © Privat

Dr. Nicole Eibl-Musil
Fachärztin für Innere Medizin
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 31.10.2011 - 16:51 Uhr

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