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„Gläserner Mensch“ oder hilfreiches Werkzeug?

Wozu e-Medikation?

Fördern oder behindern sich Arzneimittel bei gleichzeitiger Einnahme? Ein Versuch der Klärung am Beispiel Potenzmittel und Blutdruckmedikamente.

Von Arzt/Ärztin verordnete oder ApothekerIn rezeptfrei erhältliche Medikamente werden im Rahmen des Pilotprojektes e-Medikation elektronisch erfasst. Dadurch können Wechselwirkungen leichter überprüft und berücksichtigt werden. Auch ApothekerInnen sehen bei der Abgabe eines rezeptfreien Medikamentes, ob es zu unerwünschten Wirkungen mit der bestehenden Medikation kommen könnte. Mehrfachverordnungen oder unerwünschte Wechselwirkungen können eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den Patienten darstellen.

e-Überblick

Als Projektziele der e-Medikation wurden die Erhöhung der Patientensicherheit sowie Effektivitäts- und Effizienzsteigerung bei Verordnungs-, Abgabe- bzw. Verabreichungsprozessen festgelegt, unter Einhaltung des Datenschutzes durch

  • Verfügbarkeit, höchstmögliche Vollständigkeit und Lesbarkeit der rezeptierten und abgegebenen Arzneimittel für einen definierten Zeitraum
  • Vermeidung von Mehrfachbezug
  • Hilfestellung bei der Vermeidung von Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln basierend auf qualitätsgesicherten Informationen
  • Zukünftige Einbeziehung von relevanten Informationen wie z.B. Diagnosen, Allergien, Vitalwerten aus anderen Quellen (Bsp.: Arzt Software, ELGA)
  • Aktive Einbeziehung und volle Information des Patienten („Empowerment“), sowie
  • Bereitstellung der e-Medikation: Services zur Integrationsmöglichkeit in die Softwaresysteme der Prozessteilnehmer, ausgerichtet an international verfügbaren Schnittstellenstandards mit dem Ziel der Implementierung einer IHE-Schnittstelle.

Dieses Projekt verdient Unterstützung, allerdings wäre zu bedenken, dass der Datenschutz in Österreich wahrscheinlich von niemandem garantiert werden kann. Die Vorteile der e-Medikation sind bedeutend. Um deren Möglichkeiten deutlich zu machen, haben wir den fachkundigen Apotheker Mag. pharm. Bertram Spacek gebeten, uns diese aufzuzeigen – anhand des Beispiels Antihypertensiva und Erektile Dysfunktion.

Nur ein Beispiel

Antihypertensiva sind blutdrucksenkende Arzneimittel, die in der Medizin zur Behandlung der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) eingesetzt werden. Die Erektile Dysfunktion (ED) ist eine Erektionsschwäche von mindestens 6 Monaten Dauer, die einen befriedigenden Geschlechtsverkehr in über 70% verhindert.

Wirkstoffklassen der Mittel gegen Bluthochdruck

Diuretika (harntreibende Mittel) verringern bei Bluthochdruck die Blutmenge und damit auch das Blut im Schwellkörper.
Thiazide (Hydrochlorothiazid; HCT) stehen besonders im Verdacht, Erektile Dysfunktion auszulösen (außer Indapamid). Sie treiben nicht nur Wasser aus, sondern auch Zink. Durch Zinkmangel kann Testosteron weniger aktiviert werden.
Spironolacton ist ein Gegenspieler von Testosteron und generiert dadurch Libidoverlust und Erektionsstörungen.
Beta-Blocker nehmen dem Herzen die stimulierenden Effekte (negativ inotrop). Das Herz wird gleichsam auf Sparflamme gehalten. Eine andere Art von Beta-Rezeptoren sitzt an der glatten Muskulatur, die erschlaffen muss, um eine Erektion auszulösen. Werden auch diese Rezeptoren blockiert, so kann keine Erektion stattfinden. Ältere Beta-Blocker blockieren (gewünscht) Beta1-Rezeptoren am Herzen und (unerwünscht) Beta2-Rezeptoren am Penis. Neuere Beta-Blocker wirken überwiegend auf die Beta1-Rezeptoren. Es wird auch diskutiert, dass Beta-Blocker den Testosteron-Spiegel im Blut senken.

Therapie der ED

Verzicht auf Rauchen, moderater Alkoholkonsum, regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung wirken der Entwicklung einer Erektilen Dysfunktion entgegen. Die erhältlichen Arzneimittel zur Behandlung der Erektilen Dysfunktion unterscheiden sich durch die Geschwindigkeit des Wirkungseintritts und der Wirkdauer.

Sildenafil (Viagra) wirkt in 30-60 Minuten und 4-6 Stunden lang. Nahrung verlangsamt den Wirkungseintritt.
Vardenafil (Levitra, Vivanza) wirkt in 30-60 Minuten und 4-8 Stunden lang. Nur sehr fette Nahrung verzögert die Wirkung.
Tadalafil (Cialis) wirkt in 60-120 Minuten und 12-36 Stunden lang. Nahrung beeinflusst die Wirkung nicht.
Kopfschmerz ist eine häufige Nebenwirkung aller 3 Vertreter dieser Wirkstoffklasse. Typisch für Sildenafil ist das Blausehen. Natürliche Mittel sind Koreanischer Ginseng und die Aminosäure Arginin.

Erhöhter Blutdruck schädigt die Blutgefäße. Das Optimum liegt bei 120/80. Die geschädigten Blutgefäße führen zur Erektilen Dysfunktion. Viele blutdrucksenkende Arzneimittel, siehe oben, können als Misswirkungen sexuelle Funktionsstörungen hervorrufen. Allein die Senkung des zu hohen Blutdrucks auf normotone Werte kann wegen einer Minderdurchblutung zu einer Erektionsschwäche führen.
Die Umstellung von einem Beta-Blocker wie Atenolol auf einen AT2-Antagonisten (Sartan) wie Losartan kann bei einem Hypertoniepatienten mit Erektiler Dysfunktion binnen 12 Wochen die Situation verbessern. Das Sartan kann die Gefäßverkalkungen umkehren. Psychische Ursachen machen 50% der Erektilen Dysfunktion aus.

Erektile Dysfunktion durch Medikamente verursacht ist nie unumkehrbar. Nach dem Absetzen der Arznei normalisiert sich das Sexualleben wieder. Das Absetzen oder Umsteigen auf ein anderes Arzneimittel soll niemals nach eigenem Gutdünken erfolgen, sondern nur in Absprache mit dem/der Arzt/Ärztin des Vertrauens. Beim abrupten Absetzen eines Beta-Blockers kann es zu einer übersteigerten Herztätigkeit kommen, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann.
Ein hoher Blutdruck muss wegen seiner gravierenden Folgen wie Gefäßverkalkung behandelt werden. Bluthochdruck ist allzu oft auch die Ursache für Erektionsstörungen. Antihypertensiva können sehr wohl dadurch auch gegen Erektile Dysfunktion wirken. Andererseits verursachen so manche Bluthochdruckmittel auch Impotenz.

Das ist e-sinnvoll!

Jedes Medikament hat Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Die e-Medikation kann hier sicherstellen, dass ÄrztInnen und ApothekerInnen sofort sehen können, welche Medikamente eingenommen werden. Und dann dementsprechend reagieren! Die Gabe zweier Wirkstoffe, die sich nicht vertragen, und somit unangenehme bis gefährliche Wechselwirkungen hervorrufen, kann verhindert werden!

Dr. Erich Wolfrum und Mag. pharm. Bertram Spacek

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Auswirkungen
ACE-Hemmer Captopril
Enalapril
Fosinopril
Lisinopril
Ramipiril
Gelegentlich ED

Angiotensin-II-Antagonisten (Sartane) Candesartan
Eprosartan
Losartan
Olmesartan
Telmisartan
Valsartan
Ohne Einfluss auf Erektion und Libido, wenn ohne Zusatz eines Diuretikums (Thiazid)

Alpha1-Rezeptorenblocker Terazosin
Urapidil
Doxazosin
Eher erektionsfördernd und nicht hemmend. Verlängerte oder Dauererektionen (Priapismus). Ejakulationsstörungen

Beta-Rezeptorenblocker Atenolol
Bisoprolol
Nebivolol
Pindolol
Propranolol
Carvedilol
Metoprolol
ED, Libidoverlust, Testosteron-Abnahme

Calcium-Antagonisten Amlodipin
Verapamil
Diltiazem
Impotenz
Impotenz, Prolaktinanstieg
Potentstörungen

Alpha2-Agonisten Clonidin
Methyldopa
geleg. verminderte Libido und ED
Potentstörungen, Libidoverlust

Reserpin, Rauwolfiaalkaloid, Brinerdin® Potenzstörungen, Libidoverlust, Testosteronmangel, Schwindel, Depressionen

Diuretika Wirkstoff Auswirkungen
Amilorid Immer in Kombination mit anderen Wirkstoffen Impotenz

Spironolacton Spironolacton Impotenz

Thiazide Clopamid
Hydrochlorothiazid
Potenzstörungen

Foto: © Andraschko

Mag. pharm. Bertram Spacek
Apotheke zum Schwarzen Adler
A-3970 Weitra, Rathausplatz 62

Telefon: 02856 / 2350
E-Mail: office@apotheke-weitra.at
Web: Externer Linkwww.apotheke-weitra.at




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