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Die Selbstmanager

Den Menschen hinter der Diagnose Diabetes sollte wieder mehr Beachtung geschenkt werden! Denn sie sind es, die die Behandlung vornehmen!

Das Management der wachsenden Anzahl der an Diabetes erkrankten Menschen stellt auch unser Krankenversorgungssystem vor immer größere Herausforderungen. Trotz moderner Technologie, immer besserer diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten bleiben die großen Erfolge aus. Mit ein Grund dafür ist, dass im Zuge der Verwissenschaftlichung dieser chronischen Erkrankung auf die Befähigung der Betroffenen zum Selbstmanagement vergessen wurde.

Die Versorgung chronisch Kranker und damit auch die der DiabetikerInnen in Österreich wird mehrheitlich als Kostenfaktor, als Problemfall gesehen. Es gibt wohl kaum eine/n MedizinerIn, der/die nicht über die mangelnde Compliance (Therapietreue) von DiabetikerInnen jammert oder schimpft. Das Klischee von den faulen, nicht belehrbaren, hoffnungslosen und unverbesserlichen DiabetespatientInnen ist fester Bestandteil der medizinischen Wahrnehmung.

Aber ist das wirklich so? Stimmt diese Wahrnehmung? Oder dominiert hier einfach eine Sichtweise – die medizinische – jene der vielen Betroffenen?

Irgendwie paradox. Im Falle des Diabetes leisten die Betroffenen den weitaus überwiegenden Teil des Managements.
Über 99 % der Diagnostik (z.B. Blutzucker- oder Blutdruckmessung) und Therapie (z.B. Medikamenteneinnahme) erfolgt in der Selbstversorgung. Die Krankenversorgungsdienste werden nur bei Komplikationen, Entgleisungen (z.B. Über- oder Unterzucker) oder nach Vereinbarung (z.B. Kontrolle, Schulung) aufgesucht. Oder anders gesagt: In Österreich leben zirka 500.000 Menschen mit Diabetes. Die meiste Zeit (weit über 99 %) managen sie ihre chronische Erkrankung alleine oder mit Hilfe von Angehörigen. Pro Jahr werden fast eine Milliarde Blutzuckermessungen (Diagnostik) und unzählige therapeutische Maßnahmen selbstständig durchgeführt.

Es wird Zeit, dass wir uns auch in Österreich nicht nur um eine systematische Erhebung von epidemiologischen Daten zum Diabetes bemühen, sondern uns auch darüber informieren, wie die Betroffenen selbst ihre Situation und Versorgungsqualität beurteilen. Wie nehmen sie ihre Erkrankung wahr, und welche Bedürfnisse haben sie? Gerade beim Diabetes ist dieses Wissen essentiell, um Betroffene zu Beteiligten zu machen und sie zu befähigen, ihre chronische Erkrankung erfolgreicher zu managen.

Foto: © Privat

Dr. Martin Sprenger, MPH
Med. Uni Graz, Leiter des Universitätslehrgangs Public Health
8010 Graz, Universitätsplatz 3/4

Telefon: 0676 / 753 73 75
E-Mail: martin.sprenger@medunigraz.at
Web: Externer Linkpublic-health.meduni-graz.at




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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 27.02.2012 - 15:30 Uhr

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