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Mein Zucker und ich. Berichte aus dem Leben.

Hannes R.

Wenn der eigene Hausarzt inkompetent oder schlicht ignorant ist… darf man trotz allem nicht den Mut und die Lebensfreude verlieren!

Liebe Leser!
Mein Name ist Hannes R., und ich habe letztes Jahr den größten Fehler meines Lebens begangen: Nach einer Blutabnahme habe ich meinen damaligen Hausarzt in meinem Heimatbezirk (Klosterneuburg-Umgebung) gefragt, wann er mit mir den Befund durchgehen möchte. Ich erhielt die Antwort: „Diese Woche geht es nicht, aber vielleicht kommende.“ Da er mir damals sagte, dass mein Herz schwach aber alles andere „im grünen Bereich“ sei, habe ich den Blutbefund abgelegt und beschlossen, sollte ich wieder einen Arzt benötigen, diesen nicht mehr aufzusuchen (was ich auch – leider verspätet – tat). Ich erhielt ein Medikament, welches mir geholfen hat.

Ende November verletzte ich mir meine rechte große Zehe. Mit Salben wurde es besser. Schmerzen hatte ich keine und konnte auch problemlos arbeiten (ich bin selbstständig tätig). Am 18. Dezember letzten Jahres war zwar fast alles verheilt, doch kam plötzlich eine Flüssigkeit aus der nur noch kleinen Wunde, die nach verfaultem Fleisch gerochen hat. Am 20. Dezember 2011 ging ich ins Spital.

Die Diagnose war niederschmetternd. Dadurch, dass ich laut Blutbefund Diabetiker bin (ich ahnte nichts davon, da ich meinem damaligen Arzt nach der Aussage „alles andere im grünen Bereich“ vertraute) spürte ich keine bzw. kaum einen Schmerz. Durch die Entzündung habe ich ein vergrößertes Herz und außerdem hatte ich kaum noch Nierenfunktion. Man meinte damals auch, ich sollte mich damit abfinden, dass ich eventuell Dialysepatient werde. Man würde aber versuchen, dies abzuwenden (dies funktionierte mit einer Unmenge an Infusionen).

Dreimal versuchte man auch, mir meinen rechten Fuß zu retten. Da ich so geschwächt war, wäre eine Narkose oder ein Kreuzstich wahrscheinlich tödlich gewesen. Der Anästhesist wendete ein System an, das ich bis dahin nicht kannte. Er hat unter dem Knie nach Kontrolle mit einem Ultraschall-Gerät zwei Stiche durchgeführt, und nach etwa einer viertel Stunde konnte der Operateur arbeiten. Ich war die ganze Zeit bei Bewusstsein und konnte mit dem Arzt auch sprechen. Nach dem dritten, Versuch das Bein zu retten, wurde ersichtlich, dass die Verletzung bereits bis zum Knie geht und man teilte mir mit, dass das rechte Bein amputiert werden muss – das passierte dann auch. Meine Werte wurden besser, aber sind bis heute noch nicht zufrieden stellend (besonders was die Nieren betrifft, obwohl eine laufende Verbesserung feststellbar ist).

Heute habe ich eine Prothese und lerne mit dieser zu gehen, was sicherlich noch bis Jahresende dauern wird, bis ich so weit bin, dass ich mit dieser auch wirklich problemlos gehen kann. Ich war somit vom 20. Dezember 2011 bis Mitte März 2012 im Spital und auch zwei Wochen in einem Rehab-Zentrum in NÖ.
Dort wurde ich nach zwei Wochen wieder in das Spital zurückgeschickt, da meine Werte nicht dem entsprachen, wie sie es gerne gehabt hätten.

Zurzeit bin ich zuhause und übe selbst. Ich kann auch im Spital zweimal in der Woche zur physikalischen Therapie gehen, was mir sehr hilft, bald gehen zu können, denn mit der Prothese ist es nicht einfach. Außerdem muss ich mich um den Muskelaufbau bemühen, da ich rund acht Wochen im Spital größtenteils nur gelegen bin.

Ich habe trotzdem meinen Humor behalten und bin sehr zuversichtlich. Ihnen, liebe Leser kann ich nur empfehlen, Befunde genau durchzulesen und gegebenenfalls Rücksprachen mit Ihrem Arzt zu halten. Und wenn es Ihnen so erging wie mir, dann wechseln Sie umgehend Ihren Hausarzt. Diabetes merkt man größtenteils nicht, aber dies kann zu enormen Problemen führen, da viele Schmerzen dadurch nicht wahrgenommen werden können. Wenn ich vielleicht gerade Ihnen mit diesem Bericht helfen konnte, so habe ich mein Ziel erreicht.

Trotzdem, auch wenn Ihnen ein Bein abgenommen wird, geben Sie nicht auf, denn die Medizin bietet so viele Möglichkeiten, dass das Leben lebenswert bleiben kann. Und so sehe ich es.

Hannes R.





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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 04.07.2012 - 18:28 Uhr

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