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Mein Zucker und ich. Berichte aus dem Leben.

Mit Pumpe zur OP

Fakten, Psyche, Immunsystem. Gute Schulung und das Wissen um den eigenen Gesundheitszustand machen sich bezahlt – berichtet Ingrid Cemper.

Was tun, wenn man von einem Tag auf den anderen plötzlich ins Spital muss?

Eine Untersuchung bei meinem Gynäkologen machte eine Kürettage notwendig, die gleich am nächsten Tag im KH der Barmherzigen Brüder durchgeführt wurde. Der Wunsch, die Pumpe bei diesem kurzen Eingriff anbehalten zu dürfen, wurde mir anstandslos erfüllt.
Für mich war nun die Uhrzeit des Eingriffes wichtig, damit ich 3 Stunden vorher die Basalrate auf 80 % senken konnte, und wichtig war auch, dass ich in der Nacht davor keine Hypoglykämie habe. Das gelang mir trotz der Stresssituation ganz toll. Im OP-Raum hatte ich 190 mg/dl, im Aufwachraum 180 mg/dl, sodass ich nach 2 weiteren Stunden die Basalrate wieder auf 100 % einstellen konnte. 2 Stunden deshalb, weil ich abwarten musste, ob ich nach der Narkose das Trinken von Wasser vertrage oder nicht. Alles ging glatt, und ich durfte am selben Tag das Krankenhaus verlassen.

Diagnose: Bestürzung!

Das Ergebnis dieser Kürettage war leider niederschmetternd: Krebs im Stadium 1! Als ich diese Diagnose erfuhr, stieg mein BZ sofort auf 300 mg/dl und ließ sich trotz Anhebens der Basalrate auf 250 % plus Korrekturen mit Pen nicht senken. Es dauerte ca. 20 Stunden bis ich wieder meine Normalwerte erreichte.
Es wurde der Aufnahmetermin vereinbart, bis zu diesem hatte ich 2 Wochen Zeit, um mich seelisch und „pumpenmäßig“ auf die OP vorzubereiten.

Folgendes nahm ich dann ins Spital mit:
Infusionssets, Katheter (nicht zu kurz wegen einer variableren Tragemöglichkeit), Batterien für Pumpe und Fernsteuerung, vorgefüllte Ampullen, Tagebuch aus dem die 24-Stunden-Basalrate ersichtlich ist, Angaben von Korrekturfaktoren (eine IE senkt um…, eine BE erhöht um…) sowie Zielbereich. Nicht zu vergessen die Telefonnummer der Pumpenfirma, um im Notfall eine Pumpe anfordern zu können – man kann ja nie wissen.

WICHTIG ist auch, den Namen und die Telefonnummer eines Pumpenträgers anzugeben, der jederzeit zu Hilfe gerufen werden kann! Zum Beispiel, falls Probleme mit der Insulinpumpe auftreten sollten, die man selbst nicht lösen kann oder um im Notfall eine Reservepumpe bei der Firma anzufordern und diese dann mit meiner Basalrate zu programmieren.

Am Tag der Aufnahme erfolgten dann diverse Untersuchungen und diverse Vorkehrungen zwecks OP-Freigabe. Hier war dann das Gespräch mit dem Anästhesisten besonders wichtig, da dieser ja auch für die BZ-Kontrollen während der OP zuständig ist. Er bekam von mir die oben angeführten Daten und die Korrekturfaktoren bei 300 mg/dl, 400 mg/dl und 500 mg/dl, damit es nicht zu einer Ketoacitose kommen konnte. Das wurde alles schriftlich festgehalten. Ein Anbehalten der Pumpe während der Operation war somit gewährleistet, da der Arzt wusste, dass ich genau über meinen BZ Bescheid weiß. Ein Unsicherheitsfaktor war, dass dies die allererste Operation meines Lebens war und ich keinerlei Ahnung hatte, wie mein Körper reagieren würde. Aber dank der erstklassigen Schulung von Fr. Prof. Howorka hatte ich fast keine Bedenken mehr.

Die erste OP des Lebens

Ergänzend muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass es selbstverständlich auf die Art der Operation ankommt. Sollten während der Operation zusätzliche Untersuchungen nötig sein, wie z.B. eine CT, dann kann die Insulinpumpe selbstverständlich während einer Operation nicht anbehalten werden, da diese auf Grund der elektromagnetischen Wellen kaputt ginge.
In der Nacht vor der Operation war es wichtig, keinen Hypo zu haben – aber wie das einmal so ist: um 22 Uhr hatte ich einen leichten Hypo. Aber da durfte ich ja noch etwas trinken.
Am Tag der Operation – ich wusste, dass ich um 8 Uhr operiert werde – senkte ich um 5.30 Uhr die Basalrate auf 80 %. Dann ging es ab zur OP. Nach 2 Stunden wachte ich auf und erfuhr, dass alles gut verlaufen war und eine Nachbehandlung nicht notwendig sein werde.

Der OP-Tag gestaltete sich trotz der Schmerzen sehr gut – die BZ-Werte lagen um die 170 mg/dl. Da freuten sich auch die Ärzte und Krankenschwestern mit mir.
Am 1. Tag nach der OP durfte ich etwas essen und da schnellte der BZ gleich auf 300 mg/dl, was natürlich eine normale Reaktion auf den Heilungsprozess war – und vor allem auch auf das allererste Essen nach über einem Tag.
Am 2. Tag wurde die Basalrate wieder auf 100 % eingestellt, die Tage danach gestalteten sich wirklich super! Der MBG dieser Woche betrug 7,8! Ab einem BZ von 200 mg/dl erfolgten die Korrekturen ausschließlich mit Pen, und am 3. Tag hatte ich bereits eine Unterzuckerung von 51 mg/dl.
WICHTIG ist, in dieser Zeit vermehrt den BZ zu messen, da sich auf Grund der Narkose die Hypo-Wahrnehmung sehr wohl ändert!! Obwohl ich auch nach 14 Jahren Diabetes eine ausgezeichnete Hypo-Wahrnehmung habe, in dieser Zeit und noch ca. 1 Woche danach war diese ganz einfach „anders“.

Einen wichtigen Teil – begleitend zur Schulmedizin – stellt zusätzlich die Stärkung des Immunsystems dar. Auch hier habe ich die entsprechenden Vorkehrungen getroffen, da ich vor allem auch Angst vor einem Spitalskeim und sonstigen Viren hatte. Auch dabei klappte alles bestens.
Nicht zu vernachlässigen sind die Psyche und die Körperwahrnehmung. Auf Grund meiner diversen Ausbildungen in dieser Richtung konnte ich verschiedene Entspannungsmethoden anwenden, auf Grund derer ich nur sehr wenige Schmerzmittel benötigte und die auch zur rascheren Wundheilung wesentlich beigetragen haben. So konnte ich, am 8. Tag das Krankenhaus verlassen, obwohl ich schon 14 Jahre lang insulinpflichtige Diabetikerin bin und dies mit 60 Jahren die erste Operation meines Lebens war.

Besonders gefreut hat mich das Interesse des Ärzte- und Pflegepersonals an der Insulinpumpe. Hier konnte ich beweisen, dass die Pumpis die bestgeschulten Diabetiker sind und deshalb das medizinische Personal entlasten können. Vor allem hat mich auch das Vertrauen, das mir entgegen gebracht wurde, begeistert. Nämlich, dass ich das Diabetesmanagement bestens im Griff habe.

Ganz einfach: DANKE!

Ein großes Lob und Dank spreche ich hier dem gesamten Team der Gynäkologie im KH Barmherzige Brüder unter der Leitung von Herrn OA Dr. Thomas Ziegler aus. Alle waren immer freundlich, immer kamen sie mit einem Lächeln und brachten so die Sonne ins Patientenzimmer.
Danke an Susanne Günter, die Tag und Nacht „bei Fuß“ stand, wenn ich pumpenmäßig etwas benötigt hätte.
Danke an die ADA-Gruppe in Pottendorf und in Wien, die mich seelisch so stark unterstützt haben.
Eure
Ingrid Cemper

P.S.: Sollte einer der „Süßen“ an einem Körperwahrnehmungstraining interessiert sein, bitte melden. Auf Grund meiner Eigenerfahrung weiß ich nun, wie wichtig das ist und möchte dies gerne an euch weitergeben.





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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 04.07.2012 - 18:28 Uhr

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