Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

So wichtig ist eine gute Diabeteseinstellung

Pulverl und Pumpen

Diabetiker leben leichter dank der medizinischen Fortschritte. Denn durch sie lassen sich verschiedene Werte besser einstellen und kontrollieren.

Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 haben in den letzten Jahren dank der Fortschritte in der Medizin viel von ihrem Schrecken verloren.
Die Verfügbarkeit von innovativen Geräten wie Insulinpumpen und Medikamenten sowie die Ergebnisse großer Studien haben letztlich bewirkt, dass Patienten mit Diabetes länger und mit besserer Lebensqualität leben.

Typ 1 Diabetes

Beim Typ 1 Diabetes findet sich ein klarer Zusammenhang zwischen der Diabeteseinstellung mit dem Auftreten von Spätschäden, vor allem der diabetischen Retinopathie, Neuropathie und Nephropathie. Der „Goldstandard“ der Therapie ist nach Vorliegen der Ergebnisse der DCCT Studie die Funktionelle oder Basis-Bolus-Insulintherapie. Mit dieser Methode, welche versucht, die natürliche Insulinausschüttung nachzuahmen, können die Patienten sehr flexibel hinsichtlich des Zeitpunkts der Nahrungsaufnahme und der Kohlenhydratmenge das Insulin injizieren.
Neue Insulinanaloga vermindern zudem die Gefahr der Hypoglykämien, die jedoch weiterhin der limitierende Faktor der Insulintherapie sind.

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen kommen vorwiegend Insulinpumpen zur Verwendung, wobei hier sicherlich mit weiteren Verbesserungen auch hinsichtlich der kontinuierlichen Blutzuckermessung gerechnet werden darf. Zur Verhinderung der Spätschäden sollte ein HbA1c unter 7% angestrebt werden, wobei es aber auch auf die Vermeidung von Blutzuckerspitzen und Hypoglykämien ankommt. Zudem soll der Blutruck unter 130/80 mmHg liegen, das LDL-Cholesterin idealerweise unter 100 mg/dl. Besteht eine diabetische Nierenerkrankung, sollte der Blutdruck unter 125/75 mmHg und das LDL Cholesterin unter 70 mg/dl liegen.

Typ 2 Diabetes

Patienten mit Typ 2 Diabetes leiden nicht nur an erhöhtem Blutzucker, sondern zumeist an Übergewicht, hohem Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Hier hat sich gezeigt, dass die Erreichung von Zielwerten bezüglich des Blutdrucks (unter 130/85 mmHg) und des gefährlichen LDL-Cholesterins (unter 70 mg/dl) besonders wichtig ist, um vor allem Herzinfarkt und Schlaganfall aber auch einer Nierenerkrankung vorzubeugen. Dies gelingt zumeist nur mit medikamentöser Therapie, wobei auf eine konsequente Zielwerterreichung besonders zu achten ist.
Bezüglich der Diabeteseinstellung gemessen am HbA1c hat es in letzter Zeit auf Grund der Ergebnisse von Studien einige Kontroversen gegeben. Besonders wichtig erscheint die Erreichung einer guten Diabeteseinstellung ohne das Auftreten von Hypoglykämien.

anzustrebende Werte

Neue Medikamente (siehe große Abbildung links) wie die DPP-4-Hemmer und Inkretinmimetika sowie Pioglitazon und das bewährte Metformin führen kaum zu Hypoglykämien.
Werden Patienten mit diesen Substanzen behandelt und besteht der Diabetes noch nicht sehr lange bzw. sind noch keine Spätschäden vorhanden, sollte ein HbA1c von unter 6,5% angestrebt werden. Bei längerer Diabetesdauer und bei Behandlung mit Substanzen, welche Hypoglykämien hervorrufen (Sulfonylharnstoffe, Insulin), kann das HbA1c-Ziel zwischen 7 und 7,5 % liegen.
Bei bereits langer Diabetesdauer bzw. wenn Spätschäden wie die koronare Herzkrankheit schon vorhanden sind oder eine Neigung zu Hypoglykämien besteht, ist das HbA1c-Ziel noch höher anzusetzen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung und die Verfügbarkeit innovativer Medikamente und Hilfsmittel (Blutzuckermessgeräte, Pumpen, Pens) haben das Leben der Diabetiker nicht nur erleichtert sondern auch verlängert.

Wir sind eigenverantwortlich

Im Vordergrund steht der geschulte und mündige Patient, der mit den betreuenden Ärzten gemeinsam seinen Diabetes behandelt.
Wichtig ist es, Ziele zu vereinbaren und an deren konsequenter Erreichung zu arbeiten. Bei allem Fortschritt in der Entwicklung von Medikamenten darf aber nicht vergessen werden, dass gesunde Ernährung und ausreichend körperliche Betätigung die Säulen jeder Diabetestherapie sind.

Foto: © Privat

a.o. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik
Univ.-Klinik für Innere Medizin III,
Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel

1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20

E-Mail: bernhard.ludvik@meduniwien.ac.at
Telefon: 0664 / 30 86 763
Web: Externer Linkwww.bernhard-ludvik.at




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 29.08.2012 - 11:04 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien