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Diabeteseinstellung bei jungen Patienten

Früh muss sich üben...

Je jünger der Patient umso wichtiger die richtige Einstellung und Kontrolle des Diabetes – denn er hat noch ein langes Leben vor sich!

Kinder, die in den 1950ern oder 1960ern an Diabetes Typ 1 erkrankten, räumte man eine Lebenserwartung von 30 bis 40 Jahren ein. Ihr Risiko war hoch, dass sie nach 20 bis 30 Jahren an klinisch relevanten Spätfolgen leiden. Seither hat sich sehr viel in der Therapie und der Prognose des Diabetes im Kindesalter geändert.

Therapie geht mit der Zeit

Früher wollten man die so genannte „Sicherheitsglukosurie“ erreichen: Es sollte immer ein bisschen Harnzucker ausgeschieden werden, um das Risiko einer schweren Hypoglykämie zu reduzieren.
Seit den 1970er Jahren können die Patienten selbst den Blutzucker messen. Die konventionelle Insulintherapie wurde auch für Patienten im Kindesalter von der Funktionellen Insulintherapie inklusive Insulinpumpentherapie abgelöst.
Die intensive Schulung der Kinder und ihrer Eltern ermöglicht vielen, das Blutzuckerniveau gut zu steuern – wenn auch die täglichen Blutzuckerschwankungen eines diabetischen Kindes sicherlich sehr viel ausgeprägter sind als die von erwachsenen Patienten. Es sollte 6 mal täglich der Blutzucker gemessen werden, das ist für viele Kinder und ihre Eltern eine große Herausforderung, manchmal gar eine Überforderung.
Das Ziel der Stoffwechseltherapie im Kindes- und Jugendalter ist es heute, einen möglichst niedrigen HbA1c-Wert (unter 7%) ohne schwere Unterzuckerungen zu erreichen.

Diagnose: Besser Leben!

Die oben genannten Veränderungen der Therapieformen haben zur Folge, dass sich die Prognose für Kinder, die heute erkranken, wesentlich verbessert hat. In Schweden, wo es gute Studien zu diesem Thema gibt, zeigt sich, dass die Generation von Kindern, die seit 20 – 30 Jahren mit dem „neuen“ Therapieziel behandelt wurden, keine diabetische Nephropathie aufweist. (Ped Diabetes 2009). Auch die DCCT Studie und EDIC Studie (Diabetes 2010) haben bewiesen, dass eine verbesserte Stoffwechselkontrolle mit Funktioneller Insulintherapie das Fortschreiten bzw. die Entwicklung von diabetischen Spätfolgen verhindert. Außerdem zeigte sich, dass eine optimale Blutzuckerkontrolle gerade am Beginn der Erkrankung einen positiven Einfluss hat.
Der Grundstein für eine bessere Prognose von Typ 1 Diabetikern wird also in mehrfacher Hinsicht mit einer optimalen Stoffwechseleinstellung in der Kindheit und Jugend gelegt.

Welche Kontrolluntersuchungen sind für junge Patienten nun empfehlenswert?
Nach der Ersteinstellung sollten folgende Werte eines Kindes mit Diabetes etwa alle 3 Monate im Diabeteszentrum ambulant kontrolliert werden: HbA1c, Länge, Gewicht und Blutdruck, sowie jeweils einmal pro Jahr Mikroalbuminurie (MIA), mögliche Begleiterkrankungen und die Augen. Ab dem 5. Jahr Screening auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Häufigere Beratungstermine sind dann empfehlenswert, wenn der HbA1c nicht oder noch nicht im angestrebten Zielbereich von unter 7% liegt. Dabei sollte eine multidisziplinäre Unterstützung angeboten werden, wie etwa psychologische Beratung, aber auch Unterstützung im heimischen Bereich durch Mobile Kinderkrankenpflege sowie die Schulung und Miteinbeziehung des erweiterten Umfeldes des Kindes (Lehrer, Hortbetreuer, Großeltern etc.)

Wenn sie erwachsen werden

Ein kritischer Zeitpunkt hinsichtlich der kontinuierlichen Betreuung liegt in und nach der Pubertät, wenn Jugendliche der pädiatrischen Betreuung entwachsen, mitunter jedoch nicht in internistische Betreuung wechseln.
Der Wechsel der medizinischen Betreuung bei chronisch kranken Patienten von einer Kinderabteilung, wo sie oft jahrelang betreut wurden, an eine Abteilung für Innere Medizin ist für viele Patienten eine Hürde auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Ursachen des Phänomens, das generell nicht nur in Österreich für Jugendliche mit chronischen Erkrankungen bekannt ist, sind wahrscheinlich Motivationsprobleme aber auch ein Mangel an für Jugendliche und Adoleszente geeignete Betreuungsstellen.

Univ.-Prof. Dr. Edith Schober
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Diabetesambulanz

1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20

Telefon: 01 / 404 00-3229
E-Mail: edith.schober@meduniwien.ac.at




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