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Wie schwierig ist gute Diabetesführung für den Arzt?

Ihr HbA1c-Wert?

Was ist so besonders an diesem HbA1c, dass ein Arzt immer gleich als erstes danach fragt? Dr. Adalbert Strasser gibt die Antwort.

Dialog:
„Wie war bei Ihnen der letzte HbA1c-Wert?“
„ HbA1c – Was ist das?“
„ Warum glauben Sie, frage ich nach diesem Wert?“
„ Das weiß ich nicht, mir tut nichts weh.“
Solche oder ähnliche Dialoge finden in meiner Praxis nahezu täglich statt.

Zu diesem Dialog: Er – Diabetiker, Pumpenträger und ein neuropathisches Geschwür an der rechten Großzehe. Er ist ein „Risikopatient“.
Bedingt durch die Neuropathie spürt er nichts. Das ist fatal – der Schmerzhinweis fehlt. Nun ist es unbestritten und auch wissenschaftlich belegt, dass eine enge Beziehung zwischen der Blutzucker-
einstellung beim Diabetiker und den Folgeschäden besteht. Folgeschäden – jahrelanger Diabetes führt unweigerlich zu Komplikationen, wenn der Diabetes nicht entsprechend eingestellt ist.

Diese Komplikationen betreffen alle Organsysteme, ausnahmslos den ganzen Körper. Einen Großteil der Einstellungsverantwortung trägt der Arzt, in der Regel der Hausarzt bzw. der Internist, der die Blutzuckereinstellung vornimmt, die Patienten aufklärt, kontrolliert, führt und leitet. Aber: Auch die Betroffenen sind nicht aus der Haftung zu nehmen. Auch sie tragen Verantwortung.
Warum stelle ich meinen Patienten, als Chirurg und Spezialist für chronische Wundheilungsstörungen, die Frage nach dem HbA1c-Wert?
Ich stelle diese Frage nicht, um meine Patienten zu sekkieren – Altwiener Ausdruck für belästigen. Die exakte Blutzuckereinstellung – und der HbA1c-Wert ist nun einmal dafür der Parameter, ist in der Behandlung des diabetischen Fußsyndroms enorm von Bedeutung und Wichtigkeit.
Je höher der HbA1c-Wert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, an der Komplikation „diabetischer Fuß“ zu erkranken, bzw., wenn das diabetische Fußsyndrom bereits vorhanden ist, chronische Wundheilungsstörungen, sprich Geschwüre, zu bekommen. Kommt ein Patient zu mir in unser Wundheilungszentrum ist deshalb immer die erste Frage: „Wie war der letzte HbA1c-Wert?“

gefährliche Neuropathie

Aus der Antwort weiß ich, wie ich die Krankheitssituation des Patienten einstufen muss. Kennt der Patient seinen HbA1c-Wert nicht, wird die letzte Blutabnahme sofort angefordert, und der Betroffene wird entsprechend der Laborwerte aufgeklärt und geschult.
Oft kommt es zu „AHA-Erlebnissen“ der Patienten, welche über die Wichtigkeit und die Bedeutung dieses Laborwertes nicht Bescheid wissen. Ebenso verfahren wir mit Patienten, die erhöhte oder stark erhöhte Werte haben. Es wird ihnen immer wieder – „nur der stete Tropfen höhlt den Stein“ – die Wichtigkeit vor Augen gehalten. Besonders das „neuropathische Fußsyndrom“ steht in enger Beziehung zu der „guten Diabetesführung“.

HbA1c (Hämoglobin A 1c)

ist roter Blutfarbstoff, an den sich ein Glucosemolekül gebunden hat. Je mehr Glucose im Blut (sprich: je höher der Blutzuckerspiegel), umso mehr Glucosemoleküle binden sich an Hämoglobin: Der HbA1c-Wert steigt.
Diese Bindung lässt sich – bis zum „Tod“ des Roten Blutkörperchens – auch nicht mehr auflösen. Aus diesem Grund ist der HbA1c ein Maß für den mittleren Blut-zuckerwert der letzten acht Wochen (acht Wochen entsprechen dem mittleren Alter der Roten Blutkörperchen) und wird daher auch als Langzeit-Blutzucker oder Blutzuckergedächtnis bezeichnet.

Wurde der HbA1c früher in % angegeben, hat man sich seit 2012 auf den Internationalen Standard geeinigt, den Wert in mmol/mol anzugeben, um so Daten aus verschiedenen Ländern besser vergleichen zu können.
Normal liegt der HbA1c zwischen 29 und 42 mmol/mol bzw. 4-6 %. Bei Diabetikern liegt er meist höher – langfristiges Ziel ist es, den Wert unter 7-8 % zu halten.
(Quelle: Wikipedia, med4you.at)

Ist der Patient gut geführt, gut eingestellt, ist die Wahrscheinlichkeit, eine dauerhafte Nervenstörung (= Neuropathie) zu erlangen, gering – ABER, die Situation verhält sich auch umgekehrt.
Ist der Blutzucker NICHT gut geführt, dann kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Neuropathie – und deren Komplikationen.
Wir alle wissen, dass jedes Organ Nerven braucht – selbst die Haarwurzel (Diabetikern mit Neuropathie gehen die Haare an den Unterschenkeln aus…).
Man kann sich somit ausrechnen, welche Folgen so eine Nervenschädigung für den Gesamtorganismus haben kann – bis zum Geschwür. Ist es da nicht billig und recht, nach dem HbA1c-Wert zu fragen, und auch zu erwarten, dass Sie darüber Bescheid wissen? Sie entscheiden somit AKTIV über Ihren Krankheitsverlauf mit.
„Wissen ist Macht“ – informieren Sie sich, legen Sie größten Wert auf eine gute Diabetesführung, die Sie selber mitgestalten können. Suchen Sie den Kontakt zu Ihrem Hausarzt, zu Ihrem Internisten, sprechen Sie über Ihre Blutzuckereinstellung.

im Ausland beneidet

Bedingt durch eine Reihe von Auslandsaufenthalten und Gesprächen mit Diabetesspezialisten weiß ich, dass uns viele Länder gerade darum beneiden, dass es in Österreich eine breite Palette von Institutionen gibt, die Schulungen verschiedenster Art anbieten, um die Betroffenen zu informieren.
Ihr Hausarzt, Ihr Internist, Selbsthilfegruppen informieren Sie, welche Möglichkeiten es gibt, sich zu schulen, sich helfen zu lassen.
Es gibt also keine Ausreden!
Vielleicht gelingt es dann, gefürchtete Fußkomplikationen zu vermeiden.

In diesem Sinne: „Wie war Ihr letzter HbA1c-Wert?“

Foto: © Privat

Dr. Adalbert Strasser
Facharzt für Chirurgie
Zentrum für Wundheilungsstörungen
GHZ Hetzendorf
1120 Wien, Hetzendorferstrasse 52-54
Eingang Eckartsaugasse 5 EG / Top P2

Telefon: 01 / 804 70 22
E-Mail: strasser.adalbert@aon.at
Web: Externer Linkwww.wundmed.com




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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 26.08.2014 - 11:01 Uhr

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