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Wie schwierig ist gute Diabetesführung für den Arzt?

Viel Selbstverantwortung

Was macht die Krankheit Diabetes so schwierig zu behandeln?
Für den Patienten UND für den Arzt?

Das Diagramm soll veranschaulichen, dass der Arzt nur einen Teil in der Diabetesbehandlung einnimmt. Er wird zum Fachmann für das Wissen, auf der anderen Seite steht der Patient als Fachmann für das Krankheitserleben.
Der Patient übernimmt die Verantwortung und Therapie. Er sorgt sich um die Umsetzung der richtigen Ernährung, Bewegung, der medikamentösen Behandlung, um dauernde Motivation, Gewichtsverlauf.

Pointiert formuliert könnte man sagen, der Patient muss bei Diabetesdiagnose sein Leben (oft unliebsam) verändern, weil er einen Laborwert (Blutzucker) behandeln muss, der lange Zeit noch dazu kaum gespürt wird (man fühlt sich gut!), allerdings heimtückisch dafür sorgt, dass schwerste Folgekrankheiten auftreten können. Diese Form einer Krankheit fordert viel Wissen und enormes Durchhaltevermögen und Disziplin.

Kontrollen alle 3 Monate

Ich als Ärztin kann fachlich individuell informieren, regelmäßig (z.B. gemäß „Therapie Aktiv“) Organe kontrollieren. Ein zentrales Diagnoseinstrument ist das Gespräch mit dem Patienten. Durch Abfragen Gefahr verheißender Symptome wird diagnostiziert, werden Schulungsinhalte wiederholt und der Patient lernt, auf Warnsymptome zu achten. „Verspüren Sie Druck auf der Brust oder Atemnot, Angina pectoris bei Belastung?“ – „Haben Sie Wadenschmerzen beim flotten Gehen? Nächtliches Sohlenbrennen? Gefühllosigkeit? Schäumenden Harn? Augenarztkontrolle erledigt? Etc.“
Es gelingt gut, in den dreimonatlichen Kontrollen, Organfunktionen (Herz, Nieren, Füße, etc.) schützend zu beobachten bzw. bei Notwendigkeit weitere Abklärungen durchzuführen. Fast jeder Patientenkontakt hat eine Abwandlung der Therapie zur Folge.

Gibt es Unterschiede in der Diabetesbehandlung aufgrund des Alters und des Geschlechts?

Mittlerweile wissen wir, dass der Diabetesverlauf, die Risiken, das therapeutische Ansprechen und auch die Diagnostik bei Frauen und Männer etwas unterschiedlich sind. Stoffwechselerkrankungen erfordern immer einen geschlechterspezifischen Zugang.

Generationenunterschiede

Bzgl. des Alters: Alter ist ein ganz wesentlicher Faktor, der Therapieentscheidungen beeinflusst! Es gelten andere Zielwerte (z.B. HbA1c, Blutdruck, etc.), andere Medikamentendosierungen, Berücksichtigung von möglichen Begleiterkrankungen und anderen Einschränkungen.

Was die Arzt-Patienten-Beziehung betrifft bevorzugen ältere Patienten eher paternalistische Entscheidungen, also vom Arzt allein bestimmte, jüngere und gut informierte (Internet!) suchen einen gemeinsamen und gleichberechtigten Entscheidungsfindungsprozess („shared decision making“) in der Therapie.

Das Diagramm zeigt auch, dass der Patient mit vielen Themen und über weite Strecken allein mit seiner Lebensstiländerungen befasst – und oft überfordert! – ist. Meine ärztliche Einflussnahme beschränkt sich auf Kontakte bestenfalls alle drei Monate. In diesen kann ich nicht umfassend betreuen.

Fehlend und deshalb als sinnvolle Ergänzung sehe ich:
Schulungswiederholung/-auffrischung (wird häufig von den Patienten gewünscht!)
bezahlte Beratungen bei Diätologen,
regelmäßige Treffen mit Coaches/Psychologen zur Motivation: in Gruppenarbeit, einzeln, je nach Bedarf
beratende Bewegungstrainer: in Gruppen, einzeln, je nach Bedarf
Etablierung von diabetologischen Schwerpunktpraxen

Wenn Sie, lieber Leser, Diabetiker sind, wechseln Sie gedanklich mal die Seite und seien Sie Arzt: Was würden Sie Ihrem Patienten empfehlen? Was würden Sie sich selbst raten? Und: Halten Sie sich selbst an Ihre eigenen Ratschläge?

INFO

Diese Therapieziele sollten Typ 2 Diabetiker alle drei Monate mit dem praktischen Arzt und einmal jährlich mit dem Facharzt besprechen:

HbA1c Wert
Nüchtern-Blutzucker im Bereich von 110mg/dl
Postprandialer Zucker 2 Stunden nach dem Essen max. 135mg/dl.
LDL-Cholesterin („böses Cholesterin“) unter 100mg/dl
Blutdruck – sollte den aktuellen Empfehlungen entsprechend 130/80mmHg nicht übersteigen. Bei Einnahme von blutdrucksenkenden Tabletten sollte der Blutdruck täglich selbst kontrolliert werden.
Blutfette – Fettstatus
Mikroalbumin im Harn
Kreatinin
Gewicht
Ärztliche Fußuntersuchung sowie Kontrolle des Vibrations-, Druck- und Temperaturempfindens einmal jährlich!

Foto: © Privat

Dr. Sabine Nöbauer
Fachärztin für Innere Medizin

4400 Steyr, Handel-Mazzetti-Promenade 8

Telefon: 0676 / 944 22 99
E-Mail: dr.sabine.noebauer@gmx.eu




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Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien