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Liebe neugierige Diabetiker!

Wundermittel Magnesium?

Neues, Verblüffendes, Trauriges und Aufbauendes beim Magnesiumsymposium an der Militärakademie Wr. Neustadt.

Letztes Mal habe ich unseren Magnesiumkongress an der Akademie in Wiener Neustadt angekündigt, mit all den freundlichen teilnehmenden Preußen, wenn Sie sich erinnern können. Der Kongress unter dem Namen „Wundermittel Magnesium?“ hat nun stattgefunden. Warum ich Sie darauf hingewiesen habe? Das hat Ihr Cheforganisator, Herr Dr. Wolfrum, auch nicht genau gewusst und mir eine Mail des Inhalts geschrieben, dass er „grüble“, ob er dort am Platze wäre. Ich schrieb ihm zurück, er solle aufhören zu grübeln und kommen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Obwohl es natürlich ein Kongress im Zeichen von Magnesium war, kam Diabetes nicht zu kurz. Das liegt daran, dass immer mehr Fakten auftauchen, die dieses Mineral in geradezu verblüffender Weise mit Diabetes in Zusammenhang bringen. Wenn Sie mir vorhalten, es gäbe in der Diabetologie wohl noch andere Themen, so muss ich Ihnen Recht geben. Ich bin in der Position eines Mechanikers, dem Sie Ihr Auto anvertrauen und der leider nichts anderes gelernt hat, als den Vergaser einzustellen. Wenn das die Fehlfunktion beheben kann, dann hatten Sie Glück. Leider stellt sich heraus, dass die Vergaserprobleme nicht allzu selten sind.

Zu den Fakten: Prof. Klaus Kisters, der Chef des Centers of Excellence für Hochdruckkrankheiten in Herne, zeigte eine Reihe von Verschlechterungen bei diabetischen Hypertonikern, die besonders in der Magnesiummangelgruppe auftraten. Unsere eigene Arbeitsgruppe beschrieb anhand neuer Ergebnisse Eigenheiten des Magnesiumumsatzes im Körper, wobei eine Art Eigendynamik des Magnesiumverlustes offenbar wurde. Je weniger Magnesium man nämlich in den Zellen hat – hier ist, wie Sie wissen, die Gefahr bei Ihnen besonders groß – desto schneller tritt Magnesiumverlust bei Stoffwechselerhöhung durch Aufregung oder Sport ein. Umgekehrt gilt aber glücklicherweise, dass der Magnesiumverlust immer geringer wird, je besser Sie mit Magnesium versorgt sind.

Magnesium ist eigensinnig

Gute Magnesiumversorgung erzeugt folgerichtig eine Art Dauerschutz, während schlechte Versorgung immer schneller in Magnesiummangel abtrudeln kann. Es kommt einem fast so vor, als würde Magnesium für Achtung ausgiebig belohnen und für Missachtung schnell bestrafen. Ein widerliches Mineral, finden Sie nicht?!

Dass Magnesiumversorgung nicht durch ein Wundersalz mit superben Aufnahmequalitäten im Darm erfolgen kann, wird einfach dadurch klar, dass jeder Magnesiumerzeuger versucht, ein für ihn typisches Magnesiumsalz zu propagieren. Gäbe es das Wundersalz, würden es natürlich alle verwenden. Da das aber nicht der Fall ist, beweist der Umkehrschluss, dass alle verwendeten Salze ähnlich wirken.
Am besten scheint mir gegenwärtig eine Salzkombination, deren Bestandteile sich bei verschiedenen Darm-pH-Werten lösen können, so dass in jeder Nahrungssituation und bei jedem Krankheitstyp immer eines der angebotenen Salze, die sämtlich ein pH-Optimum der Dissoziation haben, schnell aufgenommen werden kann.

Prävention schon in jungen Jahren

Herr Prof. Vormann, last not least, der Chef des Institutes für Prävention und Ernährung in Ismaning bei München, hatte einige Statistiken mitgebracht, die auch ich noch nicht alle kannte und die mich, gelinde gesagt, beeindruckten:
Sie wissen, meine Damen und Herren, dass Ihre Krankheitsgruppe besonders zu arteriosklerotischen Veränderungen im Sinne einer Makroangiopathie neigt. Vormann zeigte in der sogenannten ARIC Studie (Am Heart J. 2010; 160: 464-470), dass der plötzliche Herztod bei Arteriosklerose Gefährdeten mit guter Magnesiumversorgung um 80 % (!) weniger verbreitet ist, als bei schlecht versorgten, und auch das Schlaganfallrisiko war um 40 % geringer (Ascherio et al. Circulation 1998; 98: 1198-1204). Sogar das Diabetesrisiko sinkt bei gut Magnesiumversorgten um etwa 40 % (Lopez-Ridaura et al. Diabetes Care 2004; 27: 134-140). Ähnliches fanden Guerrero – Romero heraus (Guerrero-Romero et al. Eur J Clin Invest 2008; 38: 389-396), die ihre Untersuchungspersonen sogar zehn Jahre lang begleiteten. Das erstaunlichste und gleichzeitig traurigste Ergebnis aber schien mir zu sein, dass Magnesiummangel in der Jugend das Altersdiabetesrisiko um bis zu 80 % hinaufsetzt (Kim et al., Diabetes Care 2010; 33: 2604-2610). Wer die lustige und sportliche Lebensweise der Jungen – gepaart mit Disko, Liebe und Kaffee – kennt, weiß um ihr Magnesiummangelrisiko. Besonders an der Militärakademie grassiert er, der Magnesiummangel, weil viel Sport und Lebenslust ein gefährliches Gespann bilden. Deshalb haben wir in einem abschließenden Memorandum des Kongresses dringend mehr Magnesiumsubstitution für unsere Jungen gefordert, deren Magnesiumzustand von Jahr zu Jahr bedenklicher wird, wie wir leider immer wieder messen müssen. Wir werden Pharmaunternehmen oder Mineralwasserherstellern um den Bart gehen, wer weiß, was herauskommt. Abstellen müssen wir den Mangel unter allen Umständen.

Hier hat der Grübler Dr. Wolfrum seine Nützlichkeit unter Beweis gestellt. Er regte an, eine eventuell gelungene Intervention für eine bessere Magnesiumsituation an der Militärakademie an die große Reklameglocke zu hängen und so ein gelungenes Beispiel für einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Jugend vor hohem Altersdiabetesrisiko überall zu propagieren.
Hoffentlich gelingt es! Bis zum nächsten Mal.

Foto: © Privat

Univ.-Prof. Dr. Sepp Porta
Leiter des Instituts für angewandte Stressforschung

8111 Judendorf-Straßengel, Gratweiner Straße 21
E-Mail: stresscenter@netway.at
Web: Externer Linkwww.csa-online.at




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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 25.06.2013 - 11:10 Uhr

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