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Probleme von Schülern mit Diabetes mellitus

Fragen an uns

Aufruf an alle: Wenn Sie so etwas ähnliches je erlebt haben, bitten wir um ausführliche Schilderung, um dies in ADA-Journal und im Internet zu besprechen.

Gleichgültig, ob Insulinmangel (Typ 1) oder Resistenz (Typ 2) – Schüler mit Diabetes haben es schwer. Hier Fragen, die an uns gerichtet wurden – und unsere Antworten dazu:

Welche Probleme ergeben sich erfahrungsgemäß häufig in Zusammenhang mit einer bestimmten Erkrankung und dem Schulbesuch?
Verweigerung des Schulpersonals, den Schülern zu helfen, sei es bei Messungen, beim Insulinspritzen oder bei Nahrungsaufnahme zum Anheben des BZ. Dies wird oft begründet mit Weisungen von oben, da Schulen die Haftung nicht übernehmen dürfen. Gutwillige Lehrer müssen sich daher für ihre Unterstützung jeweils „außer Dienst“ stellen.

Was kann die Schule tun, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen, welche Vorkehrungen wären seitens der Schule zu treffen?
Sobald ein Schüler betroffen ist, Lehrerversammlung für Unterweisung durch Arzt oder Diabetesberater. Schüler kann mit seinen nötigen Vorkehrungen selber am besten umgehen – Achtung bei übervorsichtigen Eltern! – er muss nur die Möglichkeit dazu haben. Das Verschwinden auf die Toilette beim Insulinspritzen ist unhygienisch und eine Zumutung. Oft bildet sich bei offenem Umgang ein Stolz des Schülers, was er kann.

Welche Belastungen durch die Krankheit können die schulische Leistungsfähigkeit im Schulalltag allgemein oder besonders bei Schularbeiten, Tests und anderen Stresssituationen beeinträchtigen? Was sollte/könnte bei der Leistungsbeurteilung wie Berücksichtigung finden?
Der Stress kommt meist aus der persönlichen Umgebung des Schülers. Bei einem Seminar über Jugenddiabetes war die hervorragende Aussage aller vortragenden Ärzte: „Der Stress kommt meist von Seiten der übervorsichtigen Eltern.“ Schüler sollten in der eigenständigen Steuerung ihres Diabetes selbständig agieren können, mit allenfalls wöchentlichen Ergebniskontrollen.

Was sind häufige Begleiterkrankungen?
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Was ist beim Schulsport und bei Schulveranstaltungen zu beachten?
Bewegung, also Teilnahme am Schulsport, ist wesentlich zur Führung des Diabetes (50 % aller Therapien). Das Ausschließen verursacht seelische Wunden. Eine Kontrolle bezüglich Blutzuckerschwankungen ist angezeigt, beim ersten Skikurs ist sachkundige Begleitung erwünscht.

Was sind sensible Phasen in der Entwicklung des kranken Kindes? (z.B. plötzliches Vernachlässigen der Medikation in der Pubertät)
Stolz über eigene Fähigkeit – und dies ist Erziehungssache – verhindert solche Phasen.

Welche Probleme ergeben sich in Zusammenhang mit Medikamenten? Gibt es Lösungsvorschläge?
Jeder Arzt, jedes Krankenhaus behandelt Diabetes anders. Der Schularzt sollte diabetes- und insulinfit sein und seine Ideen mit dem therapieführenden Arzt absprechen.

Spielt das Problem der Stigmatisierung bei dieser Erkrankung eine große Rolle? Wie kann Stigmatisierung verhindert werden? Was kann, unter welchen Voraussetzungen, im Klassenverband thematisiert werden? Was sollte vermieden werden?
Stigmatisierung erfolgt meist bei nicht korrekter, nicht wirksamer Therapie. Die Regelung muss von ärztlicher Seite angegangen werden. Der Klassenverband sollte voll informiert sein, insbesondere über die physikalischen Wirkungen der Hormone, über die Ursachen von Schwankungen und über die Behebung von falschen Blutzuckerwerten (Sport-BE). Ein Beispiel für Stigmatisierung: Mutter spritzt auch Insulin, zieht sich dafür in Gesellschaft den Rock aus (oder geht auf Toilette). Sohn soll sich vor seinen Kameraden die Hose ausziehen – natürlich verweigert er dies und spritzt daher nicht. Lösung: Das Spritzen durch Textilien zeigen.

Was sollte jedenfalls in der Schule bekannt sein und was kann verschwiegen bzw. nur dem Schularzt mitgeteilt werden?
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Was kann zur psychosozialen Unterstützung und Integration der Kinder im Klassenverband getan werden? Wie können sich Lehrpersonen in bestimmten (Not)Situationen unterstützend verhalten?
Richtige Ernährung in Schule und deren Umgebung muss gefördert werden, zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke sollten nicht angeboten werden. Lange „Studierzeiten“ (Computer) ohne „Bewegungspausen“ sind zu vermeiden.

Welche Kooperationen, welche Vernetzung ist notwendig?
Der Schularzt muss diabetes- und insulinfit sein, ein Krankenhaus mit Kinderabteilung oder ein guter Diabetologe sollte „Patenschaft“ über die Schule übernehmen.

Was erwarten sich die Eltern vom Schularzt? Gibt es Wünsche an den Schularzt?
siehe oben

Welche regionalen Ansprechstellen gibt es? Wo findet man Hilfe?
Typ 1 ist behandelt im Krankenhaus, daher dort die Kinderabteilungen. Mir bekannt in Kärnten: Dr. Peter Kitzler, 04635 / 15341

Gibt es Good Practice-Erfahrungen und Beispiele?
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wir wurden gefragt von:
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Koordination Schulärztlicher Dienst [Abt. III/11/KSD]

Bitte wenden Sie sich an uns, wenn Sie solche oder ähnliche Probleme in der Schule, Kindergarten oder anderswo erlebt haben! Wir werden versuchen, Sie tatkräftig zu unterstützen!

Foto: © Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
Telefon: 01/587 68 94




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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 25.06.2013 - 11:36 Uhr

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