Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

Motivation ist schon der erste halbe Schritt

Aller Anfang ist schwer

Manche Typ 2 Diabetiker wollen es nicht wahr haben, aber:
WIR SELBST sind für unsere Gesundheit verantwortlich!

Maria K.1, eine 56-jährige deutlich übergewichtige, resolute und adrett gekleidete Frau, ist erleichtert, als sie von mir in die Ordination hineingebeten wird.

„Wissen Sie, Herr Doktor“, sprudelt sie los, „ich habe meine demente Mutter bis zu ihrem Tode vor einem Jahr gepflegt, zusätzlich zu meinem anstrengenden Beruf in einem Sekretariat eines Rechtsanwalts mit einem 10-Stunden-Tag. Für Bewegung als Ausgleich war da keine Zeit mehr. Am späten Abend, nachdem alles erledigt war, musste ich mich mit Süßigkeiten belohnen. Dadurch habe ich 15 kg zugenommen. Als ich dann vor 7 Monaten mit dem Rauchen aufgehört habe, kamen weitere 3 kg dazu. Und jetzt sind nicht nur meine Cholesterinwerte erhöht, sondern auch der Zucker und ich habe Bluthochdruck bekommen. Ich muss jetzt die Notbremse ziehen, bevor etwas passiert. Ich kann mich schon gar nicht mehr im Spiegel anschauen. Deswegen bin ich jetzt hier.“

Dies ist gar kein Einzelfall, sondern unsere tägliche Routine im Lebens.Resort, dem Stoffwechselrehabilitationszentrum inmitten des Waldviertels.
Bei Frau K. liegt aufgrund des bauchbetonten Übergewichts mit einem Bauchumfang von 112 cm, der Cholesterinerhöhung mit niedrigem HDL-Cholesterinanteil, des Bluthochdrucks und der erhöhten Blutzuckerwerte ein Metabolisches Syndrom vor, das auch als Prädiabetes bezeichnet werden kann.
Ihr derzeitiger HbA1C ist 6,1% und der oGTT ist bis auf den erhöhten Nüchternblutzucker unauffällig. In dem validierten und mehrfach evaluierten FINDRISK-Test2 erzielt sie aufgrund ihres familiären Risikos (ihre Mutter erkrankte an Diabetes mellitus Typ 2) 24 Punkte, was einem sehr hohen Risiko von 50% entspricht, in den nächsten 10 Jahren an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.

Die Menschheit nimmt zu!

Durch die zunehmende „Verfettung“ unserer Bevölkerung wird die Zahl der Risikokandidaten genauso wie die der Diabetiker stark steigen. Dabei hat Frau K. durch ihre Motivation die besten Chancen, aus ihrem Teufelskreis auszubrechen. Belege, dass es funktionieren kann, gibt es zuhauf. So zeigte das große amerikanische Diabetes Prevention Program (DPP) 2002, dass es durch eine über fast 3 Jahre konsequent durchgeführte Lifestyle-Intervention mit mindestens 150 min. Bewegung in der Woche und einer erzielten Gewichtsabnahme von über 7% zu einer Risikoreduktion von -58% in der Gesamtkohorte und sogar von -71% bei den über 60-Jährigen kommt, im Vergleich dazu mit einer reinen Metformin-Therapie um nur -31%. Und das ist nur ein Beispiel aus vielen hochrangigen Studien.

Anstoß zur Selbsthilfe

Eine andere belegte, dass auch bei bereits manifestierter Erkrankung durch intensivierte Lebensstil-Modifikation mehr partielle und vollständige Remissionen als durch konventionelle Maßnahmen (Medikamente und Schulung) erzielt werden können. Eigentlich verständlich, denn eine substanzgebundene Therapie, auch wenn deren Wirkstoff noch so tief an der Wurzel des Übels angreift, kann immer nur Symptome bekämpfen, aber nicht den zugrunde liegenden Missstand.

Aus dieser Erkenntnis heraus wurde in der Deutschen Diabetes-Stiftung die Aktion „Motivation zur Lebensstiländerung – Chance bei Diabetes“ ins Leben gerufen.
Ein sehr gelungenes und probates Mittel, die Betroffenen zu motivieren, ist die Fragebogen-Aktion „Diabetes-Champion“3, mit der anhand von Fragen zum Lebensstil nach der besten Methode gesucht wird, durch die es zu einer partiellen oder vollständigen Remission der Erkrankung gekommen ist. Die besten Beispiele sollen als Vorbild und als Promoter für andere Schicksalsgenossen dienen.

Einer davon ist Hans Lauber. Er hat mit seiner Methode „Motivierend Messen – Echt Essen – Lustvoll Laufen“ seinen Diabetes wegtherapiert und darüber ein Buch verfasst4. Doch das Lesen eines solchen Buchs wird in den seltensten Fällen aus einer „Couch-Potato“ einen „Turnschuh“ machen. Das Problem ist die Umsetzung, der Transfer vom „Wollen“ ins „Tun“. Die primär dafür geeigneten Personen, die Hausärzte, im Idealfall lebenslange Begleiter und Berater, sind aufgrund ihrer Überlastung oft nicht mehr in der Lage, ihren Schützlingen diesen mühsamen Weg aufzuzeigen oder sie gar bei diesem Prozess engmaschig zu führen. Das ist die große Chance der „Therapie aktiv“ Ärzte, der Rehabilitationszentren und der zahlreichen Selbsthilfe-Gruppen. In strukturierten Schulungsprogrammen wird von auf diese Themen spezialisierten Fachkräften nicht nur das notwendige Wissen vermittelt, sondern auch in der Gruppe erlebbar gemacht.

Wir können viel schaffen, wenn wir nur wollen!

Dieses Gemeinschaftserlebnis ist der Motor, der die gewohnte Trägheit überwinden hilft. Durch strukturierte Selbstmessungen und Gewichtskontrollen werden die Effekte von Ernährung und Bewegung unmittelbar wahrgenommen und diese Erkenntnisse bewirken einen neuen Motivationsschub.

So gelang es auch unserer Patientin Maria K. während des dreiwöchigen Aufenthalts 4 kg abzunehmen, ihre BZ- und Cholesterin-Werte deutlich zu verbessern und den Blutdruck soweit zu senken, dass die Dosis eines Medikaments verringert werden konnte. Eine Metformin-Therapie war zu diesem Zeitpunkt nicht notwendig. Hoffentlich bleibt es noch lange so!

1 Name vom Autor aus Datenschutzgründen geändert
2 Externer Linkwww.oedg.org/pdf/DDS_Findrisk_Fragebogen.pdf
3 Externer Linkwww.chance-bei-diabetes.de/diabetes-champions.html
4 „Fit wie ein Diabetiker“; Externer Linkwww.lauber-methode.de

Foto: © Privat

Dr. Christian-Armin Rosenberg
Lebens.Resort & Gesundheitszentrum GmbH, Stv. Leiter Fachbereich Stoffwechselrehabilitation
Medizinische Abteilung
3631 Ottenschlag im Waldviertel, Xundheitsstraße 1

Telefon: 02872 / 200 20
Web: Externer Linkwww.lebensresort.at
E-Mail: christian-armin.rosenberg@lebensresort.at




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 23.12.2013 - 12:41 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien