Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

Das diabetische Fußsyndrom

Das diabetische Fußsyndrom ist ein wichtiges Thema, auf das immer wieder aufmerksam gemacht werden sollte. Leider wird es häufig in den Hintergrund gedrängt, obwohl es eine der häufigsten Spätkomplikationen des Diabetes mellitus darstellt.

Das diabetische Fußsyndrom ist eine der häufigsten Folgeerkrankungen der diabetischen Neuropathie mit steigender Krankheitshäufigkeit. Etwa 20% aller Diabetiker sind früher oder später davon betroffen.

Unter dem Begriff werden alle krankhaften Veränderungen zusammengefasst, die begünstigt oder verstärkt durch eine diabetische Grunderkrankung entstehen. Dazu zählen z.B. das diabetische Fußgeschwür, Nagelbettschädigungen bis hin zu Infektionen sowie Fehlbildungen der Zehen bzw. des ganzen Fußes. Hauptverantwortlich sind die Schädigung sensorischer, motorischer und autonomer Nerven (Polyneuropathie) mit ca. 50%, Gefäßerkrankungen (Angiopathie) mit 15% und Mischformen aus beiden mit ca. 35%. Bei einer verzögerten oder unwirksamen Behandlung kann ein diabetisches Fußsyndrom zur Amputation führen.

Grundsätzlich ist jeder Diabetiker gefährdet, ein Fußgeschwür zu entwickeln. Ein erhöhtes Risiko besteht bei:


  • vorangegangenen Amputationen
  • vorangegangenen Geschwüren im Fußbereich
  • einer peripheren Nervenerkrankung
  • Rauchern
  • eingeschränktem Sehvermögen
  • peripherer arterieller Verschlusskrankheit
  • Nierenerkrankung (Nephropathie, insbesondere Dialysepatienten)
  • schlechter Blutzuckerkontrolle
  • Veränderungen der Muskeln und/oder des Skeletts des Bewegungsapparates (muskuloskelettale Deformitäten)

Das Wichtigste, um einem diabetischen Fußsyndrom vorzubeugen, ist eine tägliche genaue Kontrolle der Füße auf Veränderungen wie z.B. Rötungen, Druckstellen oder Wunden. Ein kleiner Spiegel ist dabei meist eine große Hilfe. Betroffene sollten auch täglich ihre Füße mit warmen Wasser waschen und dabei immer auf die Wassertemperatur achten (Verbrühungsgefahr). Nach dem Waschen werden die Füße abgetupft (nicht rubbeln!), dabei nicht auf die Zehenzwischenräume vergessen. So kann dem Entstehen eines Fußpilzes entgegengewirkt werden. Die Füße sollen täglich eingecremt werden, am besten mit einer Fußcreme die Urea enthält. Urea ist die Bezeichnung für Harnstoff, dieser bindet die Feuchtigkeit in der Haut und wirkt trockener und schuppiger Haut entgegen.

Die Nagelpflege sollte sehr vorsichtig durchgeführt werden. Zum Kürzen der Nägel bietet sich eine Papierfeile an. Scheren und andere spitze und scharfe Gegenstände sind für Diabetiker tabu, da die Verletzungsgefahr sehr hoch ist. Die Hornhaut sollte regelmäßig mit einem Bimsstein entfernt werden. Auch hier gilt es, keine scharfen Gegenstände zu verwenden.

Diabetiker sollten barfuß Gehen meiden. Auch hier besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr. Um Druckstellen zu vermeiden, ist es sinnvoll nahtlose Socken zu tragen und diese täglich zu wechseln. Beim Schuhkauf darauf achten, dass diese nicht zu eng sind und vorzugsweise aus Leder bestehen. Leder passt sich sehr gut an den Fuß an, dadurch besteht eine geringere Gefahr sich Blasen oder Druckstellen zuzuziehen.

Wenn die Fußpflege und -kontrolle nicht selbst durchführbar ist, sollte diese von speziell dafür ausgebildetem Fußpflegepersonal durchgeführt werden. Zusätzlich sollten Diabetiker mindestens einmal pro Jahr vom Facharzt oder in speziell dafür vorgesehenen Einrichtungen wie z.B. einer Fußambulanz eine Vorsorgeuntersuchung (Fußscreening) durchführen lassen.

Eine Vorsorgeuntersuchung sollte im besten Fall folgende Punkte umfassen:

  • Schulung der Betroffenen bezüglich korrekter Fußpflege und -kontrolle
  • genaue Inspektion der Füße durch das Fachpersonal
  • Überprüfung der unteren Extremitäten auf das Vorhandensein der Pulse
  • Sensibilitätstest
    • Tiefensensibilität – mit einem Reflexhammer wird der Achillessehnenreflex getestet
    • Vibrationsempfinden wird mit einer Stimmgabel getestet (z.B. nach Rydell-Seifert)
    • Schmerzempfinden wird mit einem spitzen Gegenstand getestet
    • Berührungsempfinden wird mit dem Monofilament (Plastikfaden) getestet
    • Temperaturempfinden wird anhand eines warmen und kalten Gegenstands getestet

Wenn am Fuß Veränderungen entdeckt werden, z.B. eine kleine Wunde, eine Blase oder ein eingewachsener Zehennagel, sollte ein Facharzt bzw. eine spezielle Fußambulanz für Diabetiker aufgesucht werden.
Bei Diabetikern ist die Wundheilung aufgrund oftmals vorhandener Durchblutungsstörungen bzw. fehlenden Schmerzempfindens aufgrund von Nervenerkrankungen verzögert.

Es ist wichtig, auch schon kleinste Wunden ernst zu nehmen, da sie ein großes Risiko darstellen und bei Diabetikern als Notfall gelten.

Foto: © Privat

Romana Jurkowitsch, BSc
ANP, Pflegeexpertin, DGKS

3512 Mautern an der Donau
Roseggerstraße 24/1/10

Telefon: 0664 / 88 74 78 92
E-Mail: romana.jurkowitsch@gmx.at




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 26.02.2014 - 15:28 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien