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Selber denken, oder denken lassen?

Werden Sie Aktiv! Entscheidungen selber fällen und mitdenken ist angesagt!

Um unser Leben mit Diabetes richtig führen zu können, müssen wir mitdenken, und zwar immer wieder Entscheidungen selber fällen und diese an gewissen Eckpunkten ausrichten.

Wir können auch andere „Experten“ über unser Leben nachdenken lassen und dann dieses, unser Leben, nach den Anweisungen, die wir erhalten, ausrichten. Dieser zweite Weg ist oft viel einfacher, aber die Feinheiten unseres Lebens, die Besonderheiten unseres „Sozialen Seins“, werden dabei oft nicht berücksichtigt. Zum Beispiel meine ich: wenn ich gerne zweimal in der Woche mit meinen Enkeln Eis essen gehe, meine Insulinstrategie dafür aber nicht abändern, richtig stellen, für das Eis einfach mehr spritzen kann, dann ist das ein Fehler in meinem Leben.

Die Fähigkeit, selber zu denken, selber zu entscheiden, hängt in meinen Augen von zwei besonderen Bedingungen ab: erstens muss ich genau wissen, worum es geht – ich muss eine gute Schulung erhalten haben, die auch solche Fragen bespricht, und ich muss immer wieder im Leben die Möglichkeit bekommen, solche Einzelfragen mit einem kompetenten „Lehrer“ zu besprechen. Zweitens muss meine Diabetestherapie überhaupt die Möglichkeit bieten, solche spezielle Fragen zu lösen. Nun kann ich zwar auf das Eisessen verzichten und nur mit den Enkeln mitgehen, aber auf die Anpassung meiner Therapieanforderungen an mein berufliches Leben z.B. kann ich nicht verzichten, denn dann zahle ich beim Beruf oder bei der guten Diabetesführung drauf.

Neue Entwicklungen lassen Hoffnung aufkeimen.

Die Entwicklung im Gesundheitswesen, welche zur Zeit diskutiert wird, macht mich hoffnungsvoll:
Hausärzte sollen die Behandlungspfade der Patienten bestimmen, leiten, als „Drehscheibe“ fungieren. Ob nun bei meinem Hausarzt oder bei einem neu zu kommenden „Gesundheitszentrum“, in welchem verschiedene Ärzte sich gegenseitig unterstützen, wird eine Entscheidung getroffen, wo ich mit meinem Diabetes gut behandelt, sicher geführt werde, und diese Entscheidung sollte mir zu guter Schulung und zu für mich gut passenden Behandlungsmethoden verhelfen. Wenn ich die Bestrebungen richtig verstehe, dann darf ich bei meinem Hausarzt bleiben und gleichzeitig zu einem zweiten Arzt im gleichen Quartal für Diabetesfragen gehen.
Wir haben freie Arztwahl. Um unseren Hausärzten bei der „Drehscheibenfunktion“ zu helfen, könnten wir ja unsere eigenen Vorschläge mit einbringen. Dafür müssen sich die Ärzte, die für uns in Frage kommen, offen deklarieren. Zustimmung oder Ablehnung von ELGA, diabetesfit/insulinfit, sind bedeutende Kennzeichen, die ich wissen möchte, bevor ich bei einem Arzt meine eCard abgebe.

In Versammlungen, mit mehrheitlich Ärzten als Teilnehmer, herrscht immer betretenes Schweigen, wenn ich dies laut verlange und dann kommt der Hinweis auf das Werbeverbot der Ärztekammer: öffentlich darf ein Arzt nicht melden, ob er für oder gegen ELGA ist, ob er sich mit Diabetes optimal oder nur ein wenig auskennt.
Werbeverbote der Ärztekammer sind jedoch nicht in Stein gemeiselt, können auf Patientenwunsch auch einmal abgeändert werden. Wir wünschen dies nun seit einigen Jahren, nicht nur bezüglich Hausärzten oder Internisten, sondern für alle Ärzte, welche Diabetiker benötigen. Zum Frauenarzt sollte eine Diabetikerin nur gehen, wenn er sich mit unserem Zustand wirklich auskennt, für Orthopäden, für Sportärzte gilt das gleiche.

Diese Veränderungen im Gesundheitswesen, über welche zur Zeit viel gesprochen wird, haben natürlich einen finanziellen Hintergrund: Entscheidungen, Beratungen in einem Spital sind immer viel teurer als bei einem niedergelassenen Arzt. Und die Drehscheibenfunktion soll daher nicht bedeuten: alle Diabetiker in Spitalsambulanzen, denn dort kennt man sich besser aus, sondern eben zu einem anderen, gleich teuren niedergelassenen Arzt.

Die Entwicklung in den nächsten Jahren wird hoffentlich zeigen, dass es immer mehr diabetesfite/insulinfite niedergelassene Ärzte geben wird, bei welchen wir für unser Leben mit Diabetes beraten, geschult und angeleitet werden.

In einem Krankenkassenvertrag mit einem niedergelassenen Arzt gehört daher immer die Drohung hinein, daß dieser Vertrag zu beenden ist, wenn es sich herausstellt, dass keine gute Schulung für den Patienten, keine diabetesfite Behandlung angeboten wird oder der Arzt nicht dafür sorgt, dass dies dem Patienten angeboten wird und dies beim Patienten auch Wirkung zeigt. Es gibt Krankenkassen, die halbieren gewisse Beiträge, um dadurch das selbständige Denken ihrer Patienten finanziell zu ermuntern – also: selber denken, durch gute Schulung wissen, worum es geht, und die immer besser werdenden Möglichkeiten der Therapie auch wirklich anwenden.

Foto: © WA Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 25.08.2014 - 11:34 Uhr

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