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Beruhigter Leben!

Es liegt an uns, ob wir beunruhigt durch den Alltag gehen, oder kritisch und selbstsicher Fragen stellen – dies kann unsere Therapie und dadurch unser Leben stark beeinflussen.

Die Welt um uns wird immer unruhiger. Und unser persönliches Leben könnte viel besser aussehen, wenn wir nicht ständig mit Blutzuckerhöhe, Angst vor Folgeschäden, für uns unerklärbaren Vorgängen in unserem Kreislauf und mit deren Auswirkungen auf unser tägliches Leben kämpfen müssten.

Die Verbesserung von zumindest einem Teil davon liegt jedoch in unserer Hand:
wir können, befähigt durch gute Schulung und durch vergleichende Gespräche mit anderen ADA-Mitgliedern, beginnen, die diabetesbedingten Vorgänge besser zu verstehen und Abwehrmaßnahmen in unser Leben einzubauen.

Wir können uns diejenigen Medikamente aussuchen, die für gerade uns besonders geeignet sind und die wenigsten Nebenwirkungen bei uns erzeugen.
Wir können uns eine Therapie zeigen lassen, die unser tägliches Leben am wenigsten stört. Wir können – die liebe Familie möge es uns verzeihen – mehr Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse nehmen. Zeit für uns selber haben, Bewegung, Therapieschritte, richtiges Essen so und dann zu machen, wenn es genau für uns richtig ist, auch ohne dabei auf die besonderen Wünsche von Partnern, Kindern, Haustieren, sonstigen sozialen Verpflichtungen zu achten.
Zusammengefaßt: wir können viel mehr selbstbestimmt leben.

Unser persönliches Ziel: ein “selbstbestimmtes Leben”.

Allerdings sind wir für so ein Leben nicht erzogen, die Umwelt verlangt von uns, daß wir funktionieren, aber nicht immer, wie es für uns passend ist. Oft bekommen wir Therapie nach Standardschema und von Schulung, die meine persönlichen Umstände berücksichtigt, ist überhaupt nicht zu reden. Und wenn wir unsere eigenen Beweggründe einmal etwas kritischer ansehen, so sind viele unserer Ausreden genau das, was wir selbst in diesem Moment hören wollen.

Bewegung machen, um die Häuserblöcke spazieren, noch dazu schnell, oder doch lieber die interessante Fernsehsendung ansehen.

Auf Kur fahren und nicht wissen, was dort von mir verlangt wird, ob ich dies überhaupt leisten kann und will, oder die Ausrede des lieben Haustieres, um dass ich mich kümmern muß, hervorholen.

Und besonders Insulinspritzen – das tut doch weh und das verwendet mein Arzt als Drohung, bevor er überhaupt über die restliche Dauer meines Lebens zu sprechen anfängt. Also: anfangen sollten wir, indem wir etwas wirklich wollen. Vielleicht genügt es, einmal nachzudenken, was man wollen kann und was man damit bewirkt. Um zu wissen, was man will, benötigt man vielleicht Gleichgesinnte, mit welchen man redet. Oder als Berater einen guten Arzt, mit welchem man nicht über gerade nötige Medikamente spricht, sondern über die Lebensaussichten. Wenn man ihn darauf streng anspricht, wird er gerne darauf eingehen. Und wenn ich einmal weiß, was ich will, dann kommen wir um die Umstellung unserer Lebensweise nicht herum.

Um beruhigt leben zu können, brauchen wir eine gute Schulung. Diese Schulung wird in allen Therapierichtlinien als erster Schritt vorgeschrieben und sie soll uns befähigen, selber unser Leben auf die Notwendigkeiten von Diabetes einzurichten und die einzelnen Schritte zu verstehen, die Auswirkungen zu erkennen und die Folgen abzuschätzen. Aber gute Schulung wird so selten angeboten, daß wir alle schon verzweifeln. Mehr als zwanzig Jahre fordern wir Schulungen, immer weniger Betroffene werden jedoch geschult, und wenn, dann reicht das, was sie zu hören bekommen, sicher nicht aus. Ich persönlich kenne nur eine Ärztin, die z.B. mit ihren Patienten im Rahmen der Schulung in die Pizzeria gegangen ist und die von den Patienten die Nierenschwelle bestimmen ließ.

Gute Diabetiker-Schulungen werden viel zu selten angeboten.

Allerdings sagt man der Erziehung durch diese Ärztin nach, daß sie schon viele Menschenleben gerettet hat, weil diese es gelernt hatten, ihr Leben selbstbestimmt einzugerichten, Therapieschritte zu hinterfragen und iatrogene, d.h. von Ärzten verursachte Schwierigkeiten zu vermeiden.

Wenn bei Ihnen der Wunsch nach einer guten Schulung aufkommt, dann fragen Sie. Rufen Sie die Ärztekammer an, die für Sie zuständige Krankenkasse, den Patientenanwalt mit der Sammlung der nichtgenügenden Antworten, und die Politiker in Ihrer Umgebung mit der Forderung, endlich für gute Diabetes-Schulungen zu sorgen („Wie kommen Sie zu mir?“ Antwort: „Ich habe Sie doch gewählt, Sie sind doch mein Vertreter.“)

Wenn es uns gelingt, einen Teil unseres Lebens nach unserem Wissen und Wollen zu leben, selbstbestimmt einzurichten, dann werden wir merken, für wieviel andere Dinge im Leben wir plötzlich Zeit und Kraft haben.

Und insgesamt werden wir viel beruhigter und erfolgreicher leben.

Foto: © WA Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 03.11.2014 - 11:23 Uhr

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