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Diabetes und Sexualität

Tipps und Tricks für ein erfülltes Liebesleben.
Sexualfunktionsstörungen bei Diabetikern sind keine Seltenheit. Durch eine optimale Therapie bringen Sie wieder „Feuer“ in Ihre Beziehung.

Ein sehr wichtiger Bestandteil der Lebensqualität bei Diabetes ist die Erhaltung oder Wiederherstellung der Sexualität (WHO Report 2006). Bis zu 80 % der männlichen und über 50 % der weiblichen Diabetiker leiden an Sexualfunktionsstörungen, die bei Frauen mit Depressionen und bei Männern mit organischen Problemen korrelieren.

Viele Patienten wünschen sich, dass der Hausarzt/Diabetologe sexuelle Probleme anspricht. Bis zu 80 % dieser sexuellen Probleme können durch eine optimale antidiabetische Therapie, genaue Medikamenten-Anamnese, eine effektive Blutdruck- und Stoffwechseleinstellung und Lifestyle Modifikation gelöst/bzw. verbessert werden. Aussicht auf Erhaltung der sexuellen Gesundheit verbessert die Compliance.

Sexualfunktionsstörungen bei Frauen mit DM1 und DM2

Bis zu 43 % aller Frauen leiden an einer Sexualfunktionsstörung _. Für Diabetikerinnen ist das Risiko an einer „Female Sexual Dysfunction *(FSD)*“ zu erkranken 2,5 mal so hoch, und prämenopausale Patienten sind stärker betroffen _(Pontiroli et al, 2013). Zur FSD zählen nach DSM-V Kriterien das gestörte sexuelle Verlangen bzw. Interesse, die Erregungsstörung, sexuelle Schmerzsyndrome und Orgasmusstörung. Die Beschwerden/Störungen dauern länger als 6 Monate und verursachen einen Leidensdruck _. Bei Typ 1 Diabetikerinnen korreliert die FSD mit dem Auftreten von Depressionen, Angst und der Beziehungsqualität, die Depression per se ist der Haupt Prädiktor für Entstehung einer FSD _(Enzlin et al, 2003).

Bei Typ 2 Diabetikerinnen sind neben der Diabetesdauer, dem Lebensalter, der BMI, und diabetische Komplikationen für die FSD maßgeblich. Neben Dyslipidämie und metabolischem Syndrom spielen aber auch die Depression und der Status „verheiratet sein“ eine sehr wichtige Rolle (Esposito et al, 2010, Cortelazzi D et al).

Depressionen wiederum verursachen oder verstärken Sexualfunktionsstörungen (siehe Tabelle 1). Erschwerend hinzukommt die Tatsache, dass eine Vielzahl von Antidepressiva Sexualfunktionsstörung verursachen können und damit zu einem Teufelskreis bzw. Circulus Vitiosus führen.

Tabelle 1: Zusammenhang zwischen sexuellen Funktionsstörungen,  Diabetes und Depression bei Frauen.

Sexualfunktionsstörungen bei Männern mit Diabetes

Die Prävalenz der Sexualfunktionsstörungen bei Männern ist in Tabelle 2 ersichtlich (Laumann 2007, Carvalheira A). Bei männlichen Diabetikern stehen die „organischen Ursachen“ in Vordergrund: Es konnte gezeigt werden, dass das Risiko,eine erektile Dysfunktion (ED) zu entwickeln, 2 bis 3 mal erhöht ist, was vor allem auf die gestörte Gefäßfunktion zurückzuführen ist.

Sexualfunktionsstörungen bei männlichen Diabetikern.

Die ED stellt einen unabhängigen Risikofaktor für eine koronare Herzkrankheit (KHK) dar und kann mit 60 bis 80%iger Wahrscheinlichkeit in 3 bis 5 Jahren zu einer KHK zu führen. Siehe Grafik 1, (Schauten et al, Montorsi P). Das ist besonders für Diabetiker, die oft einen „stillen Herzinfarkt“ erleiden, gefährlich. Daher müssen Diabetiker mit einer ED kardiologisch abgeklärt werden ( = Alarmsignal).

Grafik 1: Zusammenhang: Diabetes - Erektionsstörung – Koronare Herzerkrankung

Diagnostik & Management

In jedem Fall sollte die Sexualfunktion vom behandelnden Arzt als Teil der „vegetativen oder allgemeinen Anamnese angesprochen werden. Mit dem PLISSIT-Model wird die Erlaubnis (Permission) vom Patienten eingeholt und vom Arzt gegeben über Sexualität zu sprechen _. In weiterer Folge werden begrenzte Informationen (Limited Information) über physiologische und pathophysiologische Vorgänge gegeben. z.B. _„Diabetes kann ihre Gefäße angreifen und kann so zu einer Sexualfunktionsstörung führen.“ Durch konkrete Vorschläge (Specific Suggestions) wird auf die Beschwerden des Patienten eingegangen: z. B. „Bei guter Stoffwechsellage und regelmäßigem Sport verbessert sich ihre Sexualfunktion“. (Aversa et al, Esposito et al, Giuliano et al).

Sex-Tipps und Tricks bei Diabetes.

Hiermit sind bis zu 80 % der sexuellen Probleme lösbar. Bei weiterem Bedarf kann eine Überweisung zu einem Sexual-Mediziner erfolgen: Dort wird eine Intensive Therapie mit pharmakologischer Intervention, Sexualtherapie, Verhaltenstherapie oder Psychotherapie durchgeführt.

Für weitere Fragen zum Thema Sexualität wenden Sie sich gerne an die Autorin dieses Artikels – Prof. Dr. Michaela Bayerle-Eder.

Foto: © Privat

Prof. Dr. Michaela Bayerle-Eder
Medizinische Universität Wien, AKH Wien, Klinik für Innere Medizin III, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel & Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie

1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20 ,

E-Mail: michaela.bayerle-eder@meduniwien.ac.at




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Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien