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Shinrin-Yoku – Waldbaden

Wie der Aufenthalt unter Bäumen unser Immunsystem stärkt.

Ein Frühlingstag in einem der zahlreichen schönen Wälder Österreichs. Die Sonne scheint durch bunte Blätter. Ein Windstoß lässt sie farbenfroh zu Boden schweben. Dort rascheln sie bei jedem Schritt. Ein wunderbarer Ausflug – baden im Wald sozusagen.

Wenn man dann noch einen Baum umarmt und eine derartige zumindest dreistündige Wanderung an drei auf einander folgenden Tagen wiederholt, hat man mehr als nur Bewegung gemacht und frische Luft getankt. Mit „Shinrin-Yoku“ – so der japanische Begriff für Waldbaden, vermehren sich körpereigene Killerzellen ebenso rasant, wie das Anti-Krebs-Protein Perforin. Auslöser dafür sind Terpene. Und die werden von den Bäumen selbst erzeugt.
Bereits 1982 führte das Forstamt des Inselstaates den Begriff ein. Ziel war es, die japanische Bevölkerung, die auf nur rund neun Prozent des Staatsgebietes zusammengedrängt lebt, dazu zu motivieren, mehrtägige Waldausflüge zu unternehmen. Denn Wälder hat Japan reichlich. Mittlerweile wurde von Wissenschaftlern der Nippon Medical School belegt, dass ausgedehnte Waldspaziergänge nicht nur die Stresshormone im Blut senken, sondern auch immunstärkend und krebsvorbeugend wirken.

Immunsystem wird gestärkt!

Wer drei bis vier Stunden an drei aufeinanderfolgenden Tagen durch die Wälder streift, hat einen Anstieg der körpereigenen „Killerzellen“ um 50 (!) Prozent zu verzeichnen. Diese Zellen befördern Viren aus dem Körper und töten Tumorzellen ebenso wie potentielle Krebszellen. Außerdem wird das Protein Perforin aktiviert, das in bösartige Zellen eindringt und sie durch weitere Enzyme von innen zerstört.

Ursache für diesen gewaltigen Anstieg körpereigener Verteidigungswaffen sind Terpene, gasförmige chemische Substanzen, die eigentlich dazu dienen, das Immunsystem der Bäume zu schützen, falls sich ihnen Schädlinge nähern.

Bekannt sind Terpene bereits seit knapp 100 Jahren, wie der Auszug aus wikipedia beweist:
Die Terpene wurden nach einem Vorschlag des französischen Chemikers Marcelin Berthelot von August Kekulé nach dem Baumharz Terpentin benannt, das neben Harzsäuren auch Kohlenwasserstoffe enthält. Ursprünglich wurden nur diese als Terpene bezeichnet; der Begriff wurde dann später erweitert und genauer spezifiziert. Wichtigste Forscher auf dem Gebiet der Terpene waren neben anderen vor allem Otto Wallach und Leopold Ruzicka. Beide Wissenschaftler wurden für ihre Leistungen zur Erforschung der Terpene mit dem Nobelpreis für Chemie (O. Wallach 1910 und L. Ruzicka 1939) gewürdigt.

Zu den Anfangszeiten der Naturstoffisolierungen, im 19. Jahrhundert, war die Aufklärung von chemischen Strukturen sehr aufwändig, was dazu führte, dass viele chemisch identische Terpene verschiedene Namen erhielten, die sich weitgehend von ihrer biologischen Herkunft ableiteten. Erst Otto Wallach zeigte 1884, dass viele dieser Verbindungen tatsächlich identisch waren. Im Jahr 1892 konnte Wallach dann die ersten neun Terpene eindeutig beschreiben und hat im Jahr 1914 seine Erkenntnisse in dem Buch Terpene und Campher veröffentlicht. Er erkannte, dass die Terpene auf Isopreneinheiten aufbauen. Ein weiterer Pionier auf dem Gebiet der Strukturaufklärung der Terpene war Adolf von Baeyer. Trotz der Forschungsarbeit
waren lange Zeit nur sehr wenige niedere Terpene eindeutig identifiziert. So konnte erst 1910 die erste korrekte Formel eines Sesquiterpens, des Santalens, durch Friedrich Wilhelm Semmler ermittelt werden.
Die Biogenetische Isoprenregel wurde 1887 von Otto Wallach aufgestellt und 1922 von Leopold Ruzicka unter diesem Namen formuliert. Die Biosynthese der Terpene wurde schließlich von Feodor Lynen und Konrad Bloch im Jahr 1964 geklärt. Beide Wissenschaftler wurden mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt.

Im Rahmen weiterer Studien wollen die japanischen Forscher nun abklären, ob man diesen pflanzlichen Wirkstoff auch über die Haut und nicht nur über die Atemluft aufnehmen kann. Dann macht es auch Sinn, Bäume zu umarmen, denn Terpene gibt es nicht nur in Blättern und Nadeln sondern auch in der Rinde.

Fazit: Waldausflüge sind nicht nur zur Stressbekämpfung, zur Absenkung von Bluthochdruck und Zuckerwerten, sondern auch zur Stärkung der Immunabwehr ein taugliches und auch kostenloses Mittel. Und wer jetzt noch das manchmal nicht ganz so freundliche Wetter als Ausrede benutzen will – es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Bekleidung.

Achtung: Diabetiker, die drei bis vier Stunden durch die Wälder streifen, sollten auf jeden Fall ihr Blutzuckermessgerät, Traubenzucker und ein Fruchtsaftgetränk bei sich haben und etwa jede Stunde den Blutzucker messen. Auch gutes und bequemes Schuhwerk, das keine Druckstellen verursacht, ist wichtig. Am besten geht man zu zweit, das ist am Sichersten und macht noch mehr Spaß!

Foto: © Veronika Kub

Peter P. Hopfinger
Diabetes Austria,
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 28.04.2016 - 10:25 Uhr

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