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Umstellung auf Insulinpumpe - Mein Zucker und ich...

Durchwegs erfreuliche Ergebnisse bei der Umstellung auf die Insulinpumpen-Therapie.
Ein Erfahrungsbericht von Gabriele Jäger, Typ-1-Diabetikerin aus Götzendorf.

Die Einstellung in der Externer LinkRudolfsstiftung erfolgte stationär mit 5 Mitstreitern von Montag bis Freitag. Bei der Aufnahme wurden ein EKG und eine Blutuntersuchung vorgenommen beziehungsweise bei Bedarf auch ein Ultraschall des Abdomens.

Der Tagesablauf war sehr strukturiert gestaltet: Täglich gab es zwei gemeinsame Besprechungen mit dem Oberarzt, wo wir alle in die Festsetzung und Bedarfsermittlung des Insulins beziehungsweise in die Fehlerfindung anhand unserer BZ-Aufzeichnungen mit einbezogen wurden. Die Insulin-Raten wurden bei Bedarf täglich in Absprache mit dem Oberarzt kontinuierlich angepasst und verbessert. Diabetesschulungen waren ebenso an der Tagesordnung.

Der Bedarf an Basal-Insulin hat sich stark verringert!

Durch die Umstellung auf die Insulinpumpe hat sich mein Basisbedarf (und auch jener aller anderen Mitstreiter) drastisch geändert. Ich bin von ursprünglich 28 Einheiten Basis bei der Pen-Therapie auf insgesamt 19 Einheiten bei der Pumpentherapie gesunken. Der Bedarf des Basis-Insulins wurde durch Fasten bei einzelnen Mahlzeiten auch getestet und präzise angepasst. Der stündliche Bedarf wird in der Insulinpumpe eingetragen, sodass es im Laufe eines Tages, je nach Bedarf, unterschiedlich hohe Abgaben gibt.

Nach 5 Tagen war es endlich soweit, wir wurden entlassen.In der Folgewoche hatten wir zwei Kontrolltermine, um zu überprüfen, ob die Einstellung zuhause bei geänderten Bedingungen auch passt und um gegebenenfalls weitere Veränderungen vornehmen zu können.

Für zuhause wurde uns empfohlen, bei niedrigen Werten die betreffende Insulin-Rate sofort zu ändern, bei zu hohen Werten erst bei 2 maligem Auftreten bei selben Bedingungen die Rate anzupassen. Eine weitere Kontrolle wurde – sofern die Einstellung mittlerweile zufriedenstellend war – nach einem Monat vereinbart, wobei bei Bedarf auch noch wöchentliche Kontrolltermine eingeplant wurden.
Von unserer Gruppe haben vier Personen die Externer LinkMedtronic 640G, eine Person die Externer LinkOmnipod-Pumpe und eine Person eine Externer LinkAccu Chek Pumpe gewählt.

Genaue Informationen kann ich als Medtronic 640G-Wählerin also nur zu dieser geben.

Hier kurz ein paar Eigenschaften der Medtronic 640G Pumpe:

  • Süßwasser-geprüft: sprich wasserdicht (Achtung: ist nicht auf Salzwasser geprüft). Duschen ist ebenfalls möglich, theoretisch auch ein Vollbad, wobei ich persönlich aufgrund der Badetemperatur von mehr als 37 °C davon abraten würde.Rein aus Pumpentechnischer Sicht wäre dies jedoch möglich.
  • Temporäre Basalrate: d.h. die Basalrate kann je nach Bedarf prozentuell für einen gewünschten Zeitraum bei Sport/Bewegung herabgesetzt bzw. bei Krankheit hinaufgesetzt werden.
  • Insulinvorrat: Die Pumpe gibt Alarm ab, sobald im Reservoir nur noch 20 EH (individuell einstellbar) enthalten sind. Auch ist jederzeit abrufbar, wie viele Einheiten Insulin noch enthalten sind bzw. wie lange das vorhandene Insulin in der Pumpe noch ausreicht.
  • Batterieleistung: Auch für die Batterie gibt es eine Anzeige. Die Erinnerungsfunktion für den Katheterwechsel ist ebenfalls hilfreich.
  • Aktives Insulin: auf dem Display wird das noch aktive Insulin aus der letzten Bolus-Abgabe (Essen- oder Korrekturinsulin) angezeigt.
  • Bolus-Expert: anhand dieser Funktion wird für die BE-Menge der Mahlzeit aus den eingespeicherten Essens-Bolus-Raten die Insulin-Abgabemenge vorgeschlagen. In der Abgabemenge wird auch eine Korrektur des gemessenen BZ empfohlen (sowohl bei BZ zu hoch oder BZ zu niedrig), sowie das noch vorhandene aktiv wirkende Insulin mitberücksichtigt. Diese Funktion erleichtert die Berechnung des Insulinbedarfs enorm – gerade für Personen, für die mehrere unterschiedliche Essens-Bolus-Raten untertags notwendig sind.
  • bei Pumpenausfall: seitens Medtronic wird eine neue Pumpe innerhalb von 24 Stunden bereitgestellt. Bis dahin ist eine Behandlung des BZ mit Einmalspritzen oder Pens notwendig.

Alles in Allem kann ich die Rudolfsstiftung für eine stationäre Einstellung auf eine Insulinpumpe wärmstens weiterempfehlen.

Rudolfstiftung sehr zu empfehlen!

Ich habe bereits Erfahrung mit Rehab-Aufenthalten, jedoch kann ich behaupten, dass mit einem 3-wöchigen Rehab-Aufenthalt das Ergebnis nicht annähernd so gut war, wie 5 Tage intensivste Betreuung in der Rudolfsstiftung.
Dies konnte aber nur durch den Einsatz von OA Dr. Kopp erreicht werden, der sich 2 mal täglich auch wirklich mit der ganzen Gruppe intensivst beschäftigte.
Auch Schwester Merlena ist lobend erwähnenswert. Ihre Unterstützung in allen Belangen (sei es durch Infos zur Materialbeziehung, Einhaltung der Tagespläne zum strukturierten Ablauf im Krankenhaus, u.v.m.), ist sicherlich nicht selbstverständlich.
Mir persönlich hat auch der Austausch mit Gleichgesinnten, sowie die gemeinsamen Bemühungen, uns gegenseitig bei Fragestellungen zu unterstützen, sehr geholfen.

Wir IP-Junkies, wie wir uns selbst genannt haben, halten weiterhin über unsere WhatsApp Gruppe Kontakt, wo wir uns gegenseitig in allen Diabetes-Belangen austauschen.

Gabriele Jäger





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Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien