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Diabetes und beschleunigtes Altern

Diabetes kann Ihre Lebenszeit verkürzen. Und es könnte sein, dass Sie in der verbliebenen Zeit nicht besonders gut aussehen. Keine schönen Aussichten, meinen Sie? Sie können viel dagegen tun!

Diabetes kann Sie eine Dekade Leben kosten. Und dazu kommt noch: In der verbliebenen, verkürzten Lebenszeit könnten Sie auch noch schlecht ausschauen… Brr…schauderhafter Gedanke. Und so unfair! Daher gleich die gute Nachricht vorweg: dagegen lässt sich sehr viel unternehmen!

Well-Aging durch Verschiebung des Todeszeitpunktes bei Diabetes

„Anti-Aging ist ein typischer Modebegriff, der schon in sich nicht stimmig ist. Eine Nichtalterung ist bei lebenden Organismen unmöglich. Vielmehr erlauben natürliche Maßnahmen wie gesundheitsförderliche Ernährungsweise, körperliche Aktivität, Stressvermeidung, ausreichender Schlaf aber auch medizinische Therapien wie Hormonersatz ein sogenanntes Well-Aging.“ Sven David Müller, 2003.

Diabetes verschlechtert Ihre Langzeit-Prognose besonders dann, wenn diese sich häufig dazugesellenden Störungen noch hinzukommen:

  • zentrales Übergewicht (macht das Insulin häufig unwirksam, besonders wenn Ihr Bauchumfang auf über 80cm bei Frauen, oder 94 cm bei Männern erhöht ist),
  • LDL Cholesterin/Blutfette und oder der
  • Blutdruck nicht tief genug liegen.

Ohne Medikamente lässt sich das häufig nicht erreichen. Die Kombination dieser Risikofaktoren für Atherosklerose / Schlagadernverschlüsse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht das Risiko bei diabetischen Männern „nur“ um 400% und bei Frauen mit Diabetes, wo der sonst übliche Schutz durch Hormone vor der Menopause wegfällt, um ganze 600% gegenüber Nichtdiabetikern (100% relatives Risiko).
Wichtig: Sie können sehr viel dagegen tun!

Patienten-Behandlungskompetenz schützt vor Atherosklerose

Veränderung des Lebensstils, Ernährungs- und Trainingsmaßnahmen und vor allem sehr wirksame Medikamente, falls rechtzeitig angewendet, können die frühzeitige Atherosklerose und somit den kardiovaskulären Tod verhindern bzw. hinausschieben. Ein gesunder Alterungsprozess setzt insbesondere ein gesundes Körpergewicht voraus. Eine Körperfettreduktion bei abdominellem Übergewicht (das Fett zwischen den Eingeweiden muss weg!) scheint die wichtigste Maßnahme für einen gesunden Alterungsprozess darzustellen. Muskelmasse zu erhalten scheint dabei das wichtigste Anti-Aging Prinzip zu bleiben, gleichgültig wie man es nennt…
Ihre Behandlungskompetenz vor allem im Hinblick auf die notwendige Insulin- und Pharmakotherapie ist unerlässlich, um die für Sie geeigneten Medikamente mit zu wählen und vor allem auch systematisch langfristig einzuhalten. Denn die bei Diabetes und Begleitkrankheiten notwendige Behandlung muss im Laufe der Zeit angepasst werden, da ihre Komplexität zunimmt.

Daher: Modulare Schulung, wo Leute mit ähnlichen Problemen zusammenkommen. Jeder Diabetiker hat andere Bedürfnisse. Ausschließlich ambulantes Verfahren, welches Sie vor einer Spitalsaufnahme, vorzeitiger Pensionierung, notwendig gewordenen Kuren schützt. Während am Anfang Ihrer Diabetes-Erkrankung (durch das Phenomen von metabolic memory, dem Blutzuckergedächtnis), je nach Diabetes-Typ, entweder die Schulung für metabolisches Syndrom (drei Abende gegen Insulinresistenz) oder die FIT Schulung für funktionelle Insulintherapie die nahe–Normoglykämie mit relativ wenig Aufwand ermöglichen, nimmt dann im Laufe der Zeit die Bedeutung von Blutdruckschulung (drei Abende) und Blutfettschulung (zwei Abende) enorm an Bedeutung zu, um letztlich die Gefäss-Folgeschäden zu minimieren oder hinauszuschieben. Denn dann ist der Hebel der Bluzuckersenkung gar nicht mehr so wirksam wie zuvor. Es lohnt dann womöglich gar nicht mehr, nun zum falschen Zeitpunkt eventuelle Unterzuckerungen zu riskieren.

Die geeigneten Schulungsmodule bei Langzeitdiabetes sind in unserem modularen Schulungskonzept die erwähnten Hypertonie (Blutdruck) und Hyperlipidämie (Blutfett) Module, weiters Typ-2 Diabetes Update (Mechanismen, Therapien und Folgeschädenvorbeugung bei Typ-2 Diabetes, ein Nachmittag), FIT Update (Neuerungen pharmakologisch und technologisch in funktioneller Insulintherapie – Sensoren, Pumpen- inklusive Spätschädenvorbeugung und – Erfassung, ein Wochenende), Slim n FIT für metabolisches Syndrom (samt Inhalten der Standard – Diabetikerschulung inklusive der Verfahren gegen das zentrale Übergewicht, 3 Abende) und andere.

Für mehr Infos zur kompletten Schulungspalette und Termine werfen Sie einen Blick auf Externer Linkwww.diabetesFIT.org.

Also Gefäß-Schäden bei Diabetes lassen sich potentiell gut hinausschieben. Vor allem mit Ihrer kompetenten Hilfe in der Therapiedurchführung. So gewinnen Sie die verloren gedachte Lebensdekade zurück. Und wie wollen Sie dabei ausschauen?

Diabetes und beschleunigtes Altern: auch Hautsache

Der natürliche Alterungs-Prozess, die Glykolisierung von Eiweiß, auch in der Haut, ist bei Diabetes besonders ausgeprägt. Diabetes ist somit als Hauptfaktor von “accelerated ageing“, also des beschleunigten Alterns bekannt. Dabei entstehen wie auch klassisch besonders bei jeglicher HbA1c Erhöhung, die “advanced glycation end products”, kurz auch AGEs genannt.
Umso höher Ihr Zucker, desto mehr AGEs: und desto rascher das Altern. Denn wenn die glykosylierten Proteine sich ansammeln, läuft nun der Domino-Effekt. Die Hautbeschaffenheit verschlechtert sich rapide. Besonders anfällig für Schäden scheinen die Eiweißkörper Kollagen und Elastin, welche für die Beschaffenheit und Elastizität nicht nur der Haut, aber auch des gesamten Bindegewebes (Gelenkkapseln, Sehnen, Knorpelansätze) und der Blutgefässe verantwortlich sind. Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure sind eben jene Fasern, welche die Haut prall, fest, jung und elastisch halten. Sie sind nicht nur für das Aussehen, sondern auch letztlich für die Funktion dieser Bindegewebs-Organe verantwortlich. Kollagen ist das wichtigste Eiweiß des menschlichen Körpers. Falls beschädigt, werden die Moleküle letztlich trocken, unelastisch und brüchig, was zu Entstehung von Falten und vorzeitigen Absacken der Gesichtszüge und schlimmer noch, zu Beeinträchtigung der Funktion von Knorpel und Bindegewebe beiträgt. Bei Diabetes verschlechtert die Lage noch die zusätzliche Kombination mit Entzündungsprozessen in Form von Sehnenentzündungen (Schulter, Finger und Knie). Nach der rezenten Sudie im British Journal of Dermatology beginnt der Prozess der Kollagenbeeinträchtigung auch ohne Diabetes schon ab Mitte 30ig. Es ist anzunehmen, dass das alles bei Diabetes besonders früh beginnt und noch stärker ausgeprägt ist.

Hautsache und Bindegewebe: ist Well-Aging bei Diabetes möglich?

Nicht nur, aber gerade bei Diabetes sinnvoll, ist die Berücksichtigung folgender Punkte:
(1) Glykosylierung vermindern: Zweifellsohne ist eine gute, nahe-normoglykämische Diabeteseinstellung in den ersten 10-20 Diabetesjahren ganz entscheidend, um Beeinträchtigung der Gefäße und Nerven zu minimieren (Memory Effekt) und dieser Schutz-Effekt hält möglicherweise dann auch später trotz Lockerung der nahe-Normoglykämie an.

(2) Sonnenschutz: Es ist schon lange bekannt, dass Sonnenexposition das Hautaltern über den gleichen Mechanismus von AGEs Akkumulation beschleunigt. Sonnen -Schutzfaktor 30 gilt als besonders schützend und ist daher ratsam täglich aufzutragen! Dazu raten derzeit alle Dermatologen; der sonnenschädigende Mechanismus ist bei Diabetes und Hyperglykämie vermutlich noch weiter erhöht. Gleichzeitig jedoch muss erwähnt werden, dass Vitamin D Supplementation gerade bei Diabetes notwendig ist und bei Sonnenschutz noch mehr benötigt wird als ohne.

(3) Supplementation: Möglicherweise gewinnen Sie mit einer Diät reich an Vitaminen B1 und B6 (natürliche unverarbeitete Getreidesorten, Bohnen, Thunfisch, Pute…). Falls Sie ernährungspraktisch eher zu einer ketogenen, kohlehydratarmen Diät neigen, um Ihr Gewicht zu kontrollieren, ist die tägliche Supplementation mit einem Multivitamin Präparat (wie z.B. Neurobion forte in Österreich) sehr sinnvoll. Vitamin B ist ein potenter Inhibitor der AGEs.

(4) Antioxydantien: Prinzip “von innen nach außen”. Wichtig ist eine Ernährung, welche eine ausreichende Quelle für Antioxidantien (allen voran Vitamin C, Ascorbinsäure und Vitamin E, Tocopherol), inklusive Früchte, Nüsse, Gemüse, Preiselbeeren (“Cranberries“), grüner Tee. Weniger die Studien, aber vor allem die klinische Erfahrung zeigt, dass auch topische/lokale Anwendung bei Diabetes sehr sinnvoll ist.
Goldberg, US Dermatologe: Es ist wichtig, dass sowohl Vitamin E als auch Vitamin C die Hautschichten, wo Kollagen und Elastin vorhanden sind, erreichen. Also sowohl systemische als auch topische/lokale, perkutane Anwendung (Cremes, Lotionen mit diesen Zusätzen) sind wichtig.

Diese Bekämpfer der sogenannten freien Radikale verhindern die frühzeitige Glykosylierung der Eiweiße in der Haut. Für systemische Anwendung werden Mengen von 100 mg Ascorbinsäure, Vitamin C täglich empfohlen. Die dadurch erzielte Verminderung des oxydativen Stress soll die normale Funktion der Hautzellen gewährleisten, Linien und Falten minimieren und Hautausstrahlung optimieren. Tocopherol, also Vitamin E, besitzt zusätzlich zu den antioxydativen Eigenschaften noch die Fähigkeit die Entzündung zu minimieren und Turnover der Hautzellen zu optimieren, als auch zugleichb die UV-Protektion zu bieten. Dadurch werden die Falten merklich geringer ausgeprägt. Empfohlene Tagesdosis von Vitamin E für diesen Zweck wäre 200 IU (mässiger und niedriger Evidenzgrad).
Coenzyme Q10: Eine neue interessante Substanz mit antioxydativen Eigenschaften ist CoQ10, Ubichinon. Ähnlich wie Vitamin C und E hilft es, den Zelltod und Zellschädigung durch Glykosylierung zu minimieren. Systemische und topische Anwendungen sind möglich. Besonders wichtig bei Diabetikern mit Statintherapie (Hypercholesterinämie bzw. unzureichend gesenkte LDL Werte) und oder Parodontose. Hohe Dosen sind in einer japanischen Studie als wirksam gegen Falten gut belegt.

Aufbausubstanzen:
Chondroitin, Plysaccharid. Die von den Chondroblasten gebildete Substanz ist ein wichtiger Bestandteil des Knorpelgewebes und trägt zu dessen Widerstand gegen Kompression bei.
Glucosamin, eine Aminosäure, ist ein wichtiger Bestandteil im Bindegewebe, auch in Knorpel und Sehnen. Supplementation mit Chondroitin und mit Glukosamin ist gegen Arthrose und Knorpelabnutzung sehr sinvoll (hoher Evidenzgrad). Glukosamin verhindert kleine Falten und Absacken der Gesichtszüge (hoher und mässiger Evidenzgrad). Glukosamin scheint Blocke für Aufbau der eigenen Hyaluronsäure der Haut zu bilden. Hyaluronaüre ist für Wasserbindung in der Haut verantwortlich, Hyaluronsäure-Reduktion verrät letzten Endes das Alter der sich im Alter faltenden Haut. Tägliche Dosen von mehr als ein Gramm werden für Knorpelschutz und nun auch für kosmetische Effekte empfohlen.

(5) Entzündungshemmende Massnahmen: Inflammation (Entzündung) bei Diabetes ist viel stärker; sie dürfte besonders negativ zur Entwicklung der Bindegewebsproblematik beitragen. Da klassische Pharmaka, welche Entzündung hemmen beachtliche Nebenwirkungen entwickeln können, sollten sie eher sparsam verwendet werden. Interessanterweise bringt Radix Harpago (Teufelskralle), ein Tee aus einer afrikanischen Wurzel, hervorragende Effekte und starke Entzündungshemmung (meine Empfehlung: schmeckt mit viel Ingwer und Zimt ganz köstlich, Süsstoff nötig, da sehr bitter). Zu erwähnen ist auch REPULS®, ein Kalt-Rotlicht Gerät (Österreichiches Patent), um lokale Entzündungsreaktionen herabzusetzen. Sehr wirksam bei den häufigen bei Diabetes schmerzenden Erkrankungen CTS, schnellendem Finger, Dupuytrenschen Kontraktur, Impingement).

(6) Neue Wirkstoffe, welche die Glykosylierung verhindern: Dazu gehören unter andrem Alistin, Aminoguanidine, welche anstatt der Hauteiweiße als Köder glykosyliert werden und neuerdings auch Rosmarinsäure, welche sogar eine erfolgte Glykosylierung zurückdrehen kann.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe, den zweiten Teil zum Thema Diabetes und beschleunigtes Altern und erfahren Sie, welche Maßnahmen Sie setzen sollten, um das Well-Aging bestmöglich zu unterstützen.
Wir gehen dabei vorrangig den Fragen nach, ob Well-Aging für Diabetiker viel mühsamer ist, als für Menschen ohne Diabetes und wie Sie bei trockener Haut, bei der Haut-Pflege (um Folgeschäden zu vermeiden) und bei Haut-Infektionen am besten vorgehen sollten.

Foto: © Marcus Kaar

Prof. DDr. Kinga Howorka
Diabetologin DDG, MPH, MSc Gender Med., MSc Preventive & Ani-Ageing Med., MBA Applied Biomedicine, Acad. Hospital Manager,
Medical University Vienna, Center of Med.Physics & Biomed.Engineering

1090 Wien, Währinger Gürtel 18, AKH Ebene 4L
Ordination: Pezzlgasse 4/2, 1170 Wien
Seminare: Währinger Gürtel 13, 1180 Wien

Web: Externer Linkwww.diabetesFIT.org
E-Mail: kinga@howorka.com
Telefon: 01 / 40400 39810, Mobil (nur SMS): 0660 / 49 197 49

Das aktuelle Schulungsprogramm der FORSCHUNGSGRUPPE FUNKTIONELLE REHABILITATION UND GRUPPENSCHULUNG und Anmeldemöglichkeiten hierzu finden Sie unter Externer Linkwww.diabetesFIT.org
und unter folgendem Link auf der ADA-Homepage.




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