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Wir sind die Besten!

Schöngeredet, wie trifft diese Einstellung die Patienten?

Immer wieder hören wir von unserem guten, „weltbesten“ Gesundheitssystem. Schaut man jedoch aus Sicht der Betroffenen, der Patienten, auf diese Behauptung, so kommen oft sehr berechtigte Zweifel auf.
Jeder Politiker muss seinen Bereich schönreden und behaupten, dort gibt es nichts zu verbessern, oder die Verbesserungen seien zu teuer oder die Ergebnisse stehen sich nicht dafür, wenn man den Zusatzaufwand ansieht.
In der Diskussion mit Vertretern der Hausärzte hört das bis dahin positive Gespräch plötzlich auf, wenn ich mich als Mitarbeiter eines ehemaligen Arbeitskreises der Diabetologengesellschaft vorstelle. Und Hausärzte findet man äußerst selten bei Vorträgen oder Kongressen unserer hervorragenden Diabetes-Spezialisten. Ich glaube, es herrscht die Ansicht, dass ein Hausarzt für alles zuständig ist, aus seiner Erfahrung jede Situation (zumindest auf dem Diabetessektor) beherrscht und neue Studien erfährt man ohnehin durch den Vertreter.

Ergebnisse sind leider ernüchternd!

Unsere immer bemühten Wiener Patientenanwälte stufen die Lage Österreichs bei der Diabetesbehandlung auf den sehr beachtlichen dreizehnten Platz ein, ein sehr schöner Platz, der sich ergibt, wenn man Zugang, Möglichkeit der freien Arztwahl, Zustand der Ordinationen etc. auch bewertet. Schaut man jedoch auf die internationale Stellung bei den Ergebnissen der Diabetesbehandlung, dann sind wir, gemeinsam mit Kroatien und Deutschland, auf dem letzten Platz (siehe folgende Grafik, Punkt 6 Outcomes, oder direkt unter
Externer Linkwww.healthpowerhouse.com/files/EDI-2014/EDI-2014-report.pdf auf Seite 17).

Euro Diabetes Index 2014

Zum Vergrößern bitte Bild anklicken.



Schulung ist für uns Diabetesbetroffene besonders wichtig – aber wo und wie wird sie uns geboten? Wenn unsere Ärzte schon ihr hervorragendes Wissen über Diabetesprobleme betonen, frage ich doch, wo uns die richtige Schulung geboten wird.
Wissen im System bekämpft noch lange keinen Diabetes, wenn dieses System nicht in der Lage ist, das Wissen dauerhaft und entsprechend den täglich wechselnden Bedürfnissen der Patienten diesen weiterzugeben und zu erreichen, dass diese Patienten mit eigenem Wissen Erfolge in der Führung ihres Diabetes erzielen. Wir vermuten, dass die Hälfte (zumindest) aller Diabetespatienten ohne Schulung dahinleben, von niemanden auf die Fehler in der Lebensführung personenbezogen unterrichtet sind (Diabetesberatung ist definiert mit mindestens 12 Stunden Unterricht in einer Gruppe, abgesehen von Training, Rückfragemöglichkeiten und neuer Schulung bei jeder Therapieumstellung). Dabei ist Prophylaxe noch gar nicht angesprochen. Die Hälfte aller Diabetiker – das sind mindestens zwischen 350.000 und 400.000 Österreicher (zumindest am Bauchumfang gemessen).
Siehe Selber denken, oder denken lassen? (ADA-Journal 5/2014, Seiten 4 – 5 ).

Wir haben in unserem ADA-Journal schon oft über fehlende Schulung geschrieben und darüber, dass sie meist nicht angeboten wird.
Siehe Krieg um ärztliche Qualitätskontrolle (ADA-Journal 5/2013, Seiten 4 – 5).

Unsere Vermutungen, welche Stolpersteine eine gute Therapie inklusive korrekter Schulung verhindern, wurden von keinem Verantwortlichen angesprochen.
Siehe hierzu Abstimmung mit den Füßen – Wo bekommen wir die beste Diabetesschulung? (ADA-Journal 6/2013, Seiten 4 – 5)

Wenn Schulung und lebenslange Führung, wie in jeder Studie zu neuen Therapien gefordert, ärztliche Aufgabe ist und nicht Teil der Pflege – und zur korrekten Schulung gehören z.B. variable Insulinfestlegungen – dann gehört § 50a Ärztegesetz (Verfassungsgesetz) abgeändert.
Den vollständigen Wortlaut dieses Paragraphen finden Sie unter
Externer Linkhttps://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR40049278
und der Schulungen verhindernde Absatz lautet: “(2) Eine berufsmäßige Ausübung der nach Abs. 1 übertragenen ärztlichen Tätigkeiten, auch im Rahmen nicht medizinischer Betreuung, ist untersagt”.

Wen kann es daher wundern, dass Schulungen in unserem Staat nur in Spitälern und ausgesuchten Ordinationen angeboten werden, am freien Markt (natürlich in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt) allerdings nicht.

Äusserst positiv sehe ich nur die Entwicklung im Bereich der Diabetesambulanzen der Wiener Gebiets-Krankenkasse. Siehe Diabetesambulanzen in Wien (ADA-Journal 2/2016, Seite 14). Hier kann jeder Betroffene seine Fragen und Probleme aufklären und hoffentlich auch lösen lassen.

Diese sechs Beispiele bringe ich hier – zum Beweis, dass wir in Österreich sicher nicht die Besten bei der Diabetesbehandlung sind. Unsere Politiker sollten sich anstrengen, die von mir gezeigten Stolpersteine zu beseitigen. Dies wäre positiv, wenn man bedenkt, dass so vielen Österreichern zugemutet wird, unaufgeklärt und unbegleitet viele Lebensjahre zu leiden oder zu verlieren und zu erleben, dass ihre soziale Existenz, ihr Leben im Beruf, mit Familie und Freunden vernichtet und zum Alptraum wird.

Foto: © WA Kassin

Dr. Erich Wolfrum
Obmann der „Aktiven Diabetiker Austria“

E-Mail: erich.wolfrum@aktive-diabetiker.at
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ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 27.08.2016 - 06:41 Uhr

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