Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

Diabetes und beschleunigtes Altern - Teil 2

Diabetes kann Ihre Lebenszeit verkürzen. Und es könnte sein, dass Sie in der verbliebenen Zeit nicht besonders gut aussehen. Keine schönen Aussichten, meinen Sie? Dann lesen Sie den 2. Teil.

Im zweiten Teil zum Thema Diabetes und beschleunigtes Altern erfahren Sie, welche Maßnahmen Sie setzen sollten, um das Well-Aging bestmöglich zu unterstützen.
Wir gehen dabei vorrangig den Fragen nach, ob Well-Aging für Diabetiker viel mühsamer ist, als für Menschen ohne Diabetes und wie Sie bei trockener Haut, bei der Haut-Pflege (um Folgeschäden zu vermeiden) und bei Haut-Infektionen am besten vorgehen sollten.

Diabetes und Haut: Ist Well Aging für Diabetiker viel mühsamer, als für Menschen ohne Diabetes?

Well Aging bei Diabetes ist nicht wirklich viel mühsamer als ohne Diabetes, da systematisches Training, soziale Vernetzung, Selbstakzeptanz, Ernährungsmaßnahmen bzw. die Supplementation (Vitamin D, Antioxydantien, Glukosamin) bei Gesunden auch als sinnvoll belegt sind. Nur bei Diabetes müssen wegen „accelerated Aging“ diese erprobten Gegenmaßnahmen etwas entschlossener und möglichst früh umgesetzt werden, bevor beschleunigt durch die Glykosylierung irreversible Alterungsprozesse mit Organschäden vorkommen.

Was die Hautalterung anbelangt, stützt sich Antiaging grundsätzlich genau so wie bei Nichtdiabetikern auf die gleichen Säulen auf:

(1) Exfoliation. Die oberflächlichen, verhornten, brüchigen, oberflächlichen Hautschichten werden entfernt. Fruchtsäure- oder Urea-hältige Präparate sind bei Diabetes essentiell. Auch bei Fußpflege und Fingerpflege (Fingerkuppen-Narben nach Einstichen für Blutglukose-Selbstkontrolle) sind mit 5-10% Urea Creme zu behandeln (bei DM: Schrundensalbe Kosten unter 2 Euro). Dicke Verhornung sollte zuvor mechanisch (am günstigsten mit einer grobkörnigen Nagelfeile für Kunstnägel, Kosten < 5 Euro) entfernt werden.

(2) Kollageninduktion. Besonders wichtig im Gesicht. Das kann auch mit Radiofrequenz (z.B. Exilis®, BTL) als Standardverfahren für Rejuvenation erzielt werden. Die Fibroblasten werden dazu gebracht, neue Fasern zu produzieren. Ein weiteres Verfahren dazu ist Microneedling oder Mesotherapie. Kleineste Spritzen von mikroskopischen Substanzmengen zum Unterstützen der Kollagenbildung werden subkutan (unter die Haut) eingebracht. Ausstrahlung und Hautstruktur verbessern sich dramatisch, Kollagen und Hyaluronsäuremenge wird stark höht. Besonders effektiv ist dieser Effekt bei Microneedeling mit PRP, (Platelets Rich Plasma, Vampire Lift), wo eigene Wachstumsfaktoren (aus eigenen Blutplättchen, Blutabnahme und Zentrifugation notwendig) durch kleinste Einstiche subkutan eingebracht werden. All diese Verfahren sind sehr wirksam, können bei Erfahrung des Therapeuten auch bei Diabetes verwendet werden. Sie sind erheblich billiger als vergleichbar wirksame chirurgische Interventionen.

(3) Volumenunterstützung, Hyaluronsäure – Füllungen.
Besonders bei Gesicht-Behandlungen. Schon dadurch in Kombination mit konservativer Kollageninduktion lässt sich heute eine chirurgische Korrektur bei älternden Gesichtern praktisch komplett umgehen.

(4) Sporadisch kann auch rege Mimik zu tiefen Falten führen, welche mitunter die Verwendung eines Neuromodulators erfordern. Diese Notwendigkeit kann üblicherweise durch eine Serie der Behandlungen mit Radiofrequenz (z.B. Exilis®) komplett abgewendet werden.

(5) Fadenlifting. Dünnste, vollkommen resorbierbare Polydioxanonfäden. Kurz, schmerzlos, nebenwirkungsarm, wirksam, kosteneffektiv.

Trockene Haut bei Diabetes

Die trockene Haut ist unangenehm. Und tatsächlich, obgleich sie lediglich eine harmlose, konstitutionelle Hauteigenschaft darstellen kann, potentiell könnte sie auch als schwerwiegende Funktionsstörung im Rahmen der autonomen Neuropathie bei Diabetes nach längerer Diabetesdauer gewertet werden. Zur Erfassung der Neuropathie ist eine Sensibilitätsuntersuchung bei jährlichem Fußstatus (Vibrationsuntersuchung mit Stimmgabel nach Rydel Seiffer) absolut unentbehrlich.
Zur Feststellung der autonomen Neuropathie ist eine weitere spezifische Untersuchung wie z.B. Erfassung der Herzratenvariabilität nach längerer Diabetesdauer jährlich von Nöten. Falls die Nerven des autonomen Nervensystems angegriffen sind, entwickelt sich häufig bei Diabetes Erektionssunfähigkeit oder auch abnormes Schwitzen (Nachtschweiß, sog. gustatorisches Schwitzen beim Essen, etc), Magenentleerungsstörung, nur um einiges zu nennen. Bei Diabetes und autonomer Neuropathie kann dann die Sekretion der Talgdrüsen beeinträchtigt sein; die Haut ist dann besonders an den unteren Extremitäten und an den Füßen spröde, verletzbar und gefährdet. Einfetten und Entfernen der Verhornung bzw. der oberflächlichen Hautschichten durch Exfoliation mit Urea Cremes ist dabei sehr wichtig. Nur die Entfernung der verhornten Schichten kann die Elastizität der Haut aufrecht erhalten.
Nach 30-40 Diabetesjahren ist der Anteil der Patienten mit autonomer und sensomotorischer Neuropathie ganz erheblich. Eine spezifische Diagnostik und Schulung in den Schwerpunkt-Zentren wäre als absolut notwendig zu fordern, um weitere Tertiärschäden im Sinne der Infektion und womöglich nötigen Amputation hintanzuhalten

Haut-Pflege bei Diabetes und Folgeschäden

Durch die geschilderten Massnahmen gegen übermässige Glykosylierung, Sonnenschutz, und Antioxydantien können wirksame Schutz-Effekte erzielt werden, obgleich Studien im Sinne der Evidence based medicine EBM dazu nur sparsam sind.

In der Praxis im Hinblick auf die Vorbeugung des diabetischen Fußes ist die Exfoliation entscheidend (Cremes mit 5-10% Urea) um die Verhornung systematisch zu minimieren. Denn nur elastische Haut widersteht den immer wiederkehrenden Verletzungen und Infektionen. Dabei ist die frühzeitige Therapie und Vorbeugung der Infektionen sehr wichtig. Druckstellenentlastung (orthopädische Einlagen) entscheidet häufig über das Schicksal der Betroffenen. EBM belegt ist die Verminderung der Wahrscheinlichkeit der Amputationen durch Schulung. Sensomotorische Neuropathie mit Verminderung der Sensibilität geht hier allen Ursachen der Amputation voran. Diese zu erfassen, den Patienten zur Vorbeugung zu schulen ist somit von grösster Bedeutung. Es ist zweifelhaft, ob und welche Cremes die Wirksamkeit einer geeigneten Diagnostik und Schulung je erlangen werden…

Die geeigneten Schulungsmodule hierzu sind in unserem modularen Schulungskonzept: Typ-2 Diabetes Update (Mechanismen, Therapien und Folgeschädenvorbeugung bei Typ-2 Diabetes, ein Tag), FIT Update (Neuerungen pharmakologisch und technologisch in funktioneller Insulintherapie inklusive Spätschäden Vorbeugung und Erfassung, ein Wochenende), Slim n FIT für metabolisches Syndrom (samt Inhalten der Standard – Diabetikerschulung inklusive der Verfahren gegen das zentrale Übergewicht, 3—4 Abende).

Weitere Infos, Termine und die komplette Schulungspalette hierzu finden Sie auf Externer Linkwww.diabetesFIT.org.

Haut-Infektionen bei Diabetes

Falls Sie Gefühlsbeeinträchtigung an den Füssen haben (sensorische Neuropathie, Rydel Seiffer unter ca 3-4/8) schauen Sie bitte täglich Ihre Füsse an, ein Spiegel und Brille sind dazu häufig nötig. Nein, auch die Fußpflege ein mal pro Monat wird Sie von der täglichen Fußinspektion nicht befreien… Druckstellenentlastung ist essentiell! Bitte besprechen Sie das bei Ihrer nächsten Fußkontrolle beim Arzt.

Und was tun bei der geringsten Verletzung? Bitte besorgen sie sich H2O2 Wasserstoffperoxid 3% als erweiterte Minimalausrüstung bei Neuropathie um allfällig sofort eine Hautdesinfektion des verletzen Areals herbeizuführen…
einfach die Zehe, oder verletzte Extremität in 3% Lösung eintauchen und bis zum Aufschäumen „baden“. 3% Wasserstoffperoxid ist eine sehr wirksame „erste Hilfe“, auch gut anwendbar falls eine Heilung im Sinne eines Ulcus eine Zeit lang nicht möglich ist (chronische Therapie erfordert immer eine medizinische und spezialisierte Begutachtung, hier spreche ich nur eine akute, plötzliche Verletzung an). Die desinfizierende und auch Sprosspilze abtötende Wirkung hält allerdings relativ kurz an.
Wichtig ist die Bekämpfung von Sprosspilz-Infektionen bei Diabetes. Candibene® Creme benötigen viele, welche nun durch die verbreitete Anwendung von Glukose-transportinhibitoren (SGLT2 Inhibitoren, fördern Zucker Ausscheidung in den Harn und senken die Nierenschwelle für Glukose) sich nicht im Klaren sind, dass Vorhaut- oder Vaginalinfekte durch eine Erhöhung von Zuckergehalt im Urin stark unterstützt werden… Clotrimazol hältige Cremes können daher hier schon prophylaktisch angewendet werden.

Nagelpilz ist eine lästige und häufige Erscheinung bei Diabetes. Wirklich schützen können Sie sich nicht, Hautpilze kommen ubiquitär vor. Eine neue Therapie ist eine kurzfristige Temperaturerhöhung auf knapp über 40 C° mittels Radiofrequenzverfahren mittels Exilis®.

Das Verfahren Exilis wird primär für Verjüngung der Haut angewendet (gegen Falten im Gesicht, gegen zuviel Fett am Bauch, gegen zuviel Haut nach Gewichtsreduktion). Es behandelt den Nagelpilz effektiv (Temperaturerhöhung) häufig mit einer einzigen Sitzung. Nur manchmal sind zwei oder drei Sitzungen nötig, falls die Nagel-Pilzausdehnung sehr fortgeschritten ist. Dies ist eine wirkliche Neuerung, praktisch und so effektiv wie monatelange Pharmakotherapie.

Das Fettgewebe muss weg! “Fettwegspritze” / Injektionslipolyse oder Radiofrequenzbehandlung (Exilis®, siehe Abb.) hilft vor allem, das subkutane, nicht aber das intraabdominelle (zwischen den Eingeweiden liegende) Fettgewebe zu vermindern. Dazu benötigen Sie zusätzlich mehr Bewegung, weniger Kalorien!

Foto: © Marcus Kaar

Prof. DDr. Kinga Howorka
Diabetologin DDG, MPH, MSc Gender Med., MSc Preventive & Ani-Ageing Med., MBA Applied Biomedicine, Acad. Hospital Manager,
Medical University Vienna, Center of Med.Physics & Biomed.Engineering

1090 Wien, Währinger Gürtel 18, AKH Ebene 4L
Ordination: Pezzlgasse 4/2, 1170 Wien
Seminare: Währinger Gürtel 13, 1180 Wien

Web: Externer Linkwww.diabetesFIT.org
E-Mail: kinga@howorka.com
Telefon: 01 / 40400 39810, Mobil (nur SMS): 0660 / 49 197 49

Das aktuelle Schulungsprogramm der FORSCHUNGSGRUPPE FUNKTIONELLE REHABILITATION UND GRUPPENSCHULUNG und Anmeldemöglichkeiten hierzu finden Sie unter Externer Linkwww.diabetesFIT.org
und unter folgendem Link auf der ADA-Homepage.




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 27.08.2016 - 08:20 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien