Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

Typ-1-Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter

Kinder und Jugendliche mit T1D: Versorgung durch multidisziplinäres Team erforderlich.

Typ-1-Diabetes mellitus (T1D) ist eine der häufigsten chronischen Stoffwechselerkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Die Zahl der Neuerkrankungen ist in den letzten 20 Jahren stark gestiegen, sowohl weltweit als auch in Österreich.
Das Ziel bei der Behandlung von Kindern mit Typ-1-Diabetes ist es, eine „nahezu normale Blutzuckereinstellung“ mit möglichst wenigen Hypoglykämien zu erreichen, um Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter zu vermeiden.
Die Zusammenarbeit von niedergelassenen Kinderfachärzten, Hausärzten und Klinikärzten ist bei der Diagnosestellung, bei zusätzlichen Erkrankungen und in der psychosozialen Betreuung von Kindern mit T1D und deren Familien von großer Bedeutung.

Symptome:
Bei der Diabetes-Erstmanifestation sind Kinderfachärzte und/oder Hausärzte oft die erste Kontaktperson. Kinder präsentieren sich nicht immer mit diabetesspezifischen Symptomen. Oft erfährt man die typischen Symptome wie vermehrtes Trinken, häufigeres Harnlassen, Gewichtsverlust und das Wiedereinnässen in der Nacht, nur durch gezieltes Nachfragen.
Je jünger die Kinder bei der Manifestation sind, desto unspezifischer und schwerer kann diese sein, speziell bei Kindern unter 2 Jahren. Die Symptome bei Kleinkindern sind: immer wiederkehrende Pilzinfektionen im Windelbereich, vermehrtes Trinken und schwere, sehr nasse Windeln, Gewichtsverlust, Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Kleinere Kinder entgleisen schneller als Erwachsene und müssen deshalb möglichst rasch einem pädiatrischem Diabeteszentrum zugewiesen werden, um die Rate der diabetischen Ketoazidosen (DKA) zu senken.

Therapie und Management:
Was das Management von Kindern und Jugendlichen mit T1D betrifft, so gibt es keine einfache Formel für Insulindosis, Diät und Lifestyle, die für alle Patienten angewendet werden kann.

Ziele
Im Vordergrund stehen die Vermeidung von Akutkomplikationen (schwere Hypoglykämie und diabetische Ketoazidose), die Prävention von diabetesbedingten Spätkomplikationen auch im Frühstadium, die normale körperliche Entwicklung (Pubertät, Längenwachstum, Gewichtszunahme), sowie eine normale psychosoziale Entwicklung (Besuch des Kindergartens, Schule, Teilnahme an Schulausflügen und Schulsportwochen …).

Management
Wird bei einem Kind Diabetes diagnostiziert, bedeutet das für die Eltern zunächst einen Schock- und Ausnahmezustand. Das Leben des Kindes und der Familie ändert sich durch die Diagnose, alles wird komplizierter und aufwändiger.
Aufgrund der Komplexität des kindlichen Diabetes (Insulintherapie, Diabetesschulung, Diät, psychologische Aspekte…) ist es unbedingt erforderlich, dass alle Kinder und Jugendlichen mit T1D einem pädiatrischen Diabeteszentrum mit einem multidisziplinären Team (ÄrztInnen mit Spezialisierung in Pädiatrischer Diabetologie, DiabetesberaterIn, DiätologIn und PsychologIn) zur Therapie und Schulung zugewiesen werden.

Therapie und Insulintherapie
Die Therapiesäulen des T1D sind: die Insulinsubstitution (als lebensnotwendige und lebenslange Therapie), Ernährung, Blutzuckermessung, Bewegung, Schulung (vor allem auch zum Selbstmanagement, sowie aller Betreuungspersonen Eltern, Schule, Hort, Kindergarten, etc.) und die psychosoziale Betreuung.

Die Wahl des Therapieregimes hängt von vielen Faktoren (wie Alter, Lifestyle, Sport, Familienstruktur…) ab.
In der letzten Dekade ist es bei der Insulintherapie im Kindes- und Jugendalter zu einem Paradigmenwechsel insofern gekommen, dass der Einsatz der intensivierten Therapien, wie Basis-Bolus Therapie und insbesondere die Insulinpumpentherapie, bevorzugt wird.
In der pädiatrischen Diabetologie ist es notwendig, dass Therapien zum Einsatz kommen, die folgende Anforderungen erfüllen: möglichst physiologische Insulinsubstitution, um Spätkomplikationen und Akutkomplikationen zu vermeiden, möglichst wenig Injektionen (v.a. bei Kleinkindern) und die Insulinapplikation sollte in möglichst kleinen Einheiten dosiert werden können. Die Insulinpumpentherapie erfüllt diese Anforderungen und wird bereits bei 40-50% der Kinder und Jugendlichen mit T1D eingesetzt. Besonders in der Altersgruppe der Kleinkinder wird diese Therapieform bei über 90% der Patienten eingesetzt, da sie die oben angeführten Anforderungen für diese Altersgruppe am besten erfüllt.

Schulung
Eine strukturierte, altersgerechte und qualitätsgesicherte Schulung im Selbst-Management der Erkrankung stellt die Grundlage einer erfolgreichen Diabetestherapie dar und muss allen betroffenen Kindern und deren Eltern bzw. Betreuern ermöglicht werden. Ein multidisziplinäres Team, bestehend aus einem/r Kinderarzt/-ärztin mit Spezialisierung in Pädiatrischer Diabetologie, einer DiabetesberaterIn, diabeteserfahrenem Pflegepersonal, DiätologIn und PsychologIn, ist dazu erforderlich.

Langzeitmanagement, Schule und Kindergarten
Um eine gute Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit T1D zu gewährleisten, muss eine gute Kommunikation zwischen Kinderfachärzten/Hausärzten und Klinikärzten, Schule und Kindergarten stattfinden. Oft haben Kinderfachärzte oder Hausärzte Einblicke in Familienstrukturen und dynamische Prozesse innerhalb der Familie, die für die Klinikärzte nicht offensichtlich sind.

Obwohl sich der Alltag von Kindern mit Diabetes beinahe „normal“ gestaltet, benötigen sie laufend die Unterstützung von Erwachsenen. Neben der medizinischen Versorgung ist das vor allem Rückhalt, um ihre tägliche Routine rund um die Krankheit zu bewältigen. Kinder brauchen auch in der Fremdbetreuung kleine Unterstützungen, wie Erinnerungen an die Blutzuckermessung und Hilfe bei einfachen Berechnungen rund um die Insulinpumpe oder die Insulingabe mittels Pen und vor allem Verständnis für ihre ganz spezifischen Bedürfnisse.

Es ist deshalb unerlässlich, PädagogInnen diabetologisch zu schulen, damit das Diabetesmanagement in der Zeit der Fremdbetreuung ordnungsgemäß durchgeführt wird und um eine Sicherheit in der Diabetestherapie für die betroffenen Kinder zu gewährleisten. Ziel ist es, dass Kinder mit Diabetes nicht vom normalen kindlichen Alltag ausgeschlossen werden.
PädagogInnen in Kindergärten und Schulen können sich schulen lassen, Pflicht dazu besteht keine. Die Lage in Österreich ist keine einheitliche. Manche Kindergärten und Schulen stehen dem Thema Diabetes offen gegenüber und haben keine Probleme damit, Kinder mit Diabetes aufzunehmen und zu betreuen. Andere wiederum sind von der Angst der Verantwortung geleitet und fühlen sich überfordert, die Verantwortung für diese Kinder während der Betreuungszeit zu übernehmen.

Transition:
Im Alter von 18-19 Jahren sollten die Patienten an die Erwachsenenmediziner übergeben werden. Diese Transition soll flexibel, je nach „Reife“ des Jugendlichen, geordnet und im Idealfall im Rahmen einer Transitionsklinik erfolgen.
Es ist wichtig, dass man eine gute, geplante, geordnete Übergabe macht und, dass keine „Lücke“ in der Betreuung entstehen sollte. Spezielle Transitionskliniken und Internistische Kliniken, die auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen und bei denen eine Verbindung zwischen Pädiatrischem und Internistischem Zentrum besteht, haben sich sehr bewährt.

Auf diesem Gebiet ist aber noch viel zu tun, denn nur allzu oft sind Jugendliche mit T1D leider noch immer „Lost in Transition“.

Priv. Doz. Dr. Elke Fröhlich-Reiterer

Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz
Klinische Abteilung für Allgemeine Pädiatrie
Bereich Endokrinologie und Diabetes

8036 Graz, Auenbruggerplatz 34

E-Mail: elke.froehlich-reiterer@medunigraz.at
Web: Externer Linkwww.medunigraz.at




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 27.08.2018 - 12:39 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien