Logo der Aktiven Diabetiker Austria

Mittersteig 4/21, A 1050 Wien
Telefon & Fax: 01/587 68 94


Artikelanfang:

Alland – 3 Wochen unter Sugarbabes

Der Aufenthalt im Sommercamp hat mein Diabetes-Leben nachhaltig verändert.

Dass der Alltag eines durchschnittlichen Teenagers mit Stress, der Spannung neuer Erfahrungen und genereller Überforderung verbunden ist, sollte für all jene, die sich auf die eine oder andere Weise durch die Pubertät geschummelt haben, nichts Neues sein.

Beginnend bei neuen, meist ohne “professionelle” Aufsicht oder jahrelanges Training durchgeführten Situationen, wie der erste Umgang mit Alkohol, Sex, die erste längere Reise mit Freunden, bis hin zur Berufswahl, ist diese spannende Zeit mit viel Aufregungen und Unsicherheiten verbunden, die sich sowohl auf die mentale als auch auf die physische Gesundheit der Heranwachsenden auswirkt.

Besonders Jugendliche mit Diabetes-Typ-1 werden auf dem Weg zur Selbstständigkeit / Unabhängigkeit zusätzlich mit vielen neuen Problemen konfrontiert, die teilweise nicht zu unterschätzende Schäden am Leben der Betroffenen mit sich ziehen können.

Das ist die grobe Zusammenfassung des Inhalts der mir, Caroline Kuba, (19 Jahre alt, seit 12 Jahren Diabetikerin) seit meinem 13. Lebensjahr von allen möglichen ÄrztInnen, beginnend bei meinen betreuenden ÄrztInnen im AKH Wien bis zu einem übermotivierten Zahnarzt eingetrichtert wurde.

Mit einem durchschnittlichen HbA1c von 6,7, einer gut eingestellten Basis-Bolus-Therapie und einer generellen Ablehnung gegen Alkohol hielt sich meine Euphorie also in Grenzen, als ich von der Möglichkeit erfuhr, bei einem neuen, extra für junge Typ-1-Diabetiker entwickelten “Sommercamp” mit zu machen.

“Hab ich ja eh nicht nötig, weiß ich ja eh schon alles.”

Doch nach einem längeren Motivationsgespräch mit meinen betreuenden Ärzt-Innen und einer eindringlichen Film-Recherche, die ergab, dass ich dort entweder die Liebe meines Lebens, ein Pferd, mit dem ich eine tiefe seelische Verbindung hätte oder einen ungeklärten Mordfall finden würde, entschloss ich mich doch, gönnerhaft wie ich mit 17 Jahren nun mal war, drei Wochen meines Lebens in meine Gesundheit zu investieren.

Ich erwartete mir sehr frontale Unterrichtseinheiten mit ErnährungsberaterInnen und Diabetiker-Fuß-SpezialistInnen, abgerundet durch ein wenig Ballgespiele am Nachmittag.
Alles in irgendeiner sterilen Klinik neben einer Kuhwiese (da mir ja ein ländliches Ambiente versprochen wurde).

Die Szene die sich bei meiner Ankunft bot, hob sich dann doch ein klein wenig von diesem Bild ab.
Das riesige, mehrstöckige Gebäude, das den Patienten einen beeindruckenden Überblick über weitläufige Spaziermöglichkeiten, Lauf-, und Wanderstecken und einen Basketballplatz bot, gemischt mit einem wolkenfreien Himmel, der sich im Wasser des hauseigenen Teichs spiegelte, haute mich, milde gesagt, aus den Socken. Nachdem ich (viel zu früh) mein Zimmer bezogen hatte, begann ich zuzusehen, wie im Foyer die doch sehr homogene Gruppe aus älteren Typ-2-DiabetikerInnen langsam von jungen Menschen durchbrochen wurde und aufgeregt durch die Gänge wuselten bei dem Versuch, sich in dem massiven Gebäude zurecht zu finden.

Es gab Platz für alles.
Neben dem riesigen Speisesaal, in dem jeden Tag drei Mahlzeiten für uns zubereitet wurden und bei denen den “Typ 2ern” am Nebentisch das Wasser nur so im Mund zusammenlief, gab es genug Möglichkeiten, um unsere Freizeit auszuleben und uns gegenseitig kennen zu lernen.
Von Filme schauen mit Beamer im Hauptsaal bis zu gemütlichen Werwolf-Spielrunden war für alles Platz.
So wurden unsere Abende meist spielend und lachend verbracht, was sich ein wenig mit unserem Zeitplan überschlug, der teilweise ein Aufstehen um 6 Uhr verlangte und zu zombie-apokalypsenartigen Staus von im Halbschlaf herumtorkelnden Jugendlichen führte, die nur möglichst schnell ihr täglich festzuhaltendes Tages-, Sport- und Blutzucker-Protokoll abgeben wollten, um dann noch ein halbes Stündchen Schlaf nachzuholen.

Nach einem kräftigen, von der hauseigenen Diätologin abgesegnetem Frühstück ging es weiter zur vormittäglichen Lesung, die von verschiedensten Menschen gehalten wurde.
Von teilweise banalen Themen, wie der Umgang mit der Krankheit im Arbeitsalltag oder dem Führerschein, bis hin zu brisanteren Themen wie Schwangerschaft und Folgeschäden, wurden wir auf Augenhöhe „tiefengebrieft“.

Eine der für mich wichtigsten und hilfreichsten Begegnungen dieser Art war die Bekanntmachung mit verschiedenen Ärzten, die sich auf die Behandlung der PatientInnen nach Verlassen der Kinderstation spezialisiert hatten.
Nicht nur die Möglichkeit, ihnen auf der Bühne zu lauschen war geboten, sondern auch die Chance auf ein persönliches Kennenlernen bei Kaffee und (wohl berechnetem) Kuchen.

Das Nachmittagsprogramm war ein abwechslungsreicher Mix zwischen Gemeinschaftsspielen wie Volley- und Basketball und Schwimmen im hauseigenen Pool.

Nebenbei gab es auch Wanderausflüge, die teilweise zu regelrechten Massenhypos führten.

Ein weiterer Part des Programms in Alland, der meine Lebensqualität deutlich verbessert hat, war der Umstieg auf eine neue Insulinpumpe mitsamt Sensor.

Durch die Möglichkeit, rund um die Uhr betreut zu werden und bei jeder kleinsten Frage sofort einen Ansprechpartner zu haben, hatte ich die, für mich bei noch keiner der normalen Umschulungen (die sonst im Krankenhaus passieren, wobei einem die Chance genommen wird, die tatsächlich im alltäglichen Leben passierenden Probleme zu erleben) gegebene Möglichkeit, mich frei zu bewegen und in meiner eigenen Geschwindigkeit die korrekte Handhabung mit dem Gerät zu erforschen.

In nur drei Wochen hatte sich mein Umgang mit der Krankheit und mein persönlicher Bezug zu ihr komplett geändert.
Mir wurden durch die Zusammenarbeit mit den weiterführenden Ärztinnen und Ärzten und die Möglichkeit zu der wohl bestmöglichen Umschulung auf das neueste Pumpenmodel Bürden genommen, die mir zu Anfang gar nicht bewusst waren. Und nun, fast zwei Jahre später, kann ich sagen, dass sich meine Lebensqualität durch nur drei investierte Wochen nachhaltig verbessert hat, wofür ich unglaublich dankbar bin.

Caroline Kuba

E-Mail: caro@manitu.cc




zurück zur Übersicht


ARTIKEL EMPFEHLEN | ARTIKEL DRUCKEN | Letztes Update: 27.08.2018 - 14:10 Uhr

Quelle: www.aktive-diabetiker.at © ADA - Aktive Diabetiker Austria - Mittersteig 4/21, A 1050 Wien