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Stellungnahme “Wir sind Diabetes”

31. März 2020 – Stellungnahme zur Ankündigung der Bundesregierung, Personen, die aufgrund einer Vorerkrankung durch das Coronavirus besonders gefährdet sind, aus dem Arbeitsprozess herauszunehmen

Die Österreichische Bundesregierung hat angekündigt, dass Personen, die beispielsweise aufgrund einer Vorerkrankung durch das Coronavirus besonders gefährdet sind, aus dem Arbeitsprozess herausgenommen werden sollen. Wir haben von öffentlicher Seite keine genaueren Informationen dazu erhalten und wissen nicht, ob und in welchem Ausmaß Menschen mit Diabetes von dieser Maßnahme betroffen sein sollen – die Personengruppe werde vom Gesundheitsministerium auf Basis von Alter und Vorerkrankungen genau definiert, war gestern in den Medien zu lesen.

Das wichtigste Anliegen von „wir sind diabetes“ – Dachorganisation der Diabetes Selbsthilfe Österreich ist die Gesundheit und das Wohlergehen der vielen Menschen mit Diabetes in diesem Land. Wir unterstützen daher ausdrücklich alle Maßnahmen, die zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus und zum Schutz von Menschen mit Diabetes und anderer gefährdeter Bevölkerungsgruppen beitragen.

Gleichwohl rufen wir die Verantwortlichen bei der Ausgestaltung der Maßnahmen zu Augenmaß und Weitblick auf – insbesondere dort, wo Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte nach Ende der Coronakrise nicht mehr zurückgenommen werden können.

Viele, vor allem berufstätige Menschen mit Diabetes, wollen nicht, dass ihr Umfeld von ihrer Erkrankung erfährt, weil sie Diskriminierung und Benachteiligung fürchten. In der derzeitigen wirtschaftlich angespannten Situation ist diese Befürchtung in vielen Fällen wohl auch berechtigt.

Es gibt aus gutem Grund für österreichische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ganz wenigen Ausnahmen keine Verpflichtung, der Arbeitgeberin/dem Arbeitgeber über ihren Gesundheitszustand Auskunft zu geben. Wir plädieren auch in dieser schwierigen Situation dafür, dass die allfällige Bekanntgabe einer Diabeteserkrankung jedenfalls auf freiwilliger Basis erfolgen soll und dass für all jene Personen, denen aufgrund der Bekanntgabe ihrer Erkrankung berufliche oder wirtschaftliche Nachteile erwachsen, Vorsorge getroffen wird.

Unser Aufruf an die Verantwortlichen: Wir wissen, Sie müssen in rascher Abfolge viele weitreichende Entscheidungen treffen. Denken Sie in den nächsten Tagen aber bitte daran, welche Auswirkungen Ihre Maßnahmen langfristig auf das Leben von Menschen mit Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen haben können, und hören Sie sich unsere Bedenken und Einwände an.

Dr. med. Adalbert Strasser, Präsident „wir sind diabetes“ – Dachorganisation der Diabetes Selbsthilfe Österreich

Peter P. Hopfinger, Herausgeber Diabetes Austria, Vorstand „wir sind diabetes“

Hubert Reininger, Obmann Verein DIABÄR, Vorstand „wir sind diabetes“

Dipl.-Päd. Helmut Thiebet, Bundesvorsitzender Österreichische Diabetikervereinigung, Vorstand „wir sind diabetes“

Dr. Barbara Wagner, Präsidentin Aktive Diabetiker Austria, Vorstand „wir sind diabetes“

2 Comments

  1. Günther

    Guten Tag,
    ich verstehe vieles, manches nicht – Warum man ein Dokument wie dieses:
    Empfehlung des BMSGPK zur Erstellung einer individuellen COVID-19 Risikoanalyse bezüglich eines schweren Krankheitsverlaufs
    der Öffentlichtkeit vorenthält nicht.
    Aber gute Zeit für uns alle.
    Günther

    • Susanne

      Sehr geehrter Herr Günther,
      Die Empfehlung des BMSGPK ist an mehreren Stellen offen im Internet zugänglich. Da aber das Gesetz noch nicht beschlossen ist, kann es Atteste frühestens ab dem 11. Mai geben. Wir werden dann sofort berichten.
      Immer aktuelle Informationen finden Sie auf den Seiten des Ministeriums und sehr übersichtlich auch auf den Seiten der Wiener Ärztekammer: https://www.aekwien.at/ -> Informationen zum Coronavirus – > letzte Meldung.
      Dr. Susanne Pusarnig

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